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Schule in Friedrichsthal Nach Nazi-Schmierereien – Montessori-Schule setzt Zeichen gegen Rassismus
Friedrichsthal · Dreimal schon gab es rechtsradikale Schmierereien an der Montessori-Schule Friedrichsthal. Nun rückt die Schulgemeinschaft Rassismus ins Zentrum und plant Projekte für alle Jahrgänge.
23.10.2026 , 20:00 Uhr
Lehrerin Heike Werner spricht vor den Schülerinnen und Schülern der Montessori-Schule in Friedrichsthal.
Foto: Rik Sauer
Die gesamte Schulgemeinschaft der Montessori-Gemeinschaftsschule Friedrichsthal hat sich im Foyer versammelt – nur die Schüler der 11. Klasse fehlen. Für sie steht noch die Mathematik-Klausur an. Trotzdem ist kaum Getuschel zu hören. Die Schüler lauschen neugierig den Worten ihrer Lehrerin Heike Werner. „Uns als Schulgemeinschaft war es ganz wichtig, dass wir das nicht so stehen lassen“, erklärt sie, „dass wir ein ganz klares Zeichen setzen.“ Ein Zeichen gegen Rassismus.
In diesem Schuljahr will sich die Montessori-Schule verstärkt gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Das wurde bei einer schulweiten Versammlung am Freitag angekündigt. Hintergrund sind die rassistischen Angriffe auf die Schule – dreimal schon tauchten rechtsradikale Schmierereien an den Wänden der Schule auf. Hakenkreuze, Nazi-Parolen, Beleidigungen an die Adresse der Lehrkräfte. Auch wurden mehrere Fenster eingeworfen. „Ich war komplett geschockt“, erinnert sich Schülersprecherin Lillie Wirtz (18), „es sah richtig gruselig aus“. Katherina Grant (17) fragt sich: „Wie kommt man überhaupt auf die Idee, sowas zu machen?“
Lehrer wollen Schüler ermutigen
Nach bisherigen Informationen wurden zwei 18-Jährige festgenommen. Weitere Angaben zu den Tatverdächtigen wurden nicht veröffentlicht. Die Montessori-Schule hat mittlerweile den Großteil der Schäden behoben, Schmierereien wurden übermalt und Fenster repariert. Trotzdem hallt der Vorfall nach – bei den Lehrkräften und der Schülerschaft. Dies wollte die Schule jedoch nicht einfach hinnehmen. Deshalb hat das Lehrpersonal beschlossen, sich in diesem Schuljahr intensiv mit Rassismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen. Die Jugendlichen sollen ermutigt werden, sich gegen Diskriminierung zu wehren und für Demokratie einzusetzen.
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Nazi-Sprayer terrorisieren Montessori-Schule in Friedrichsthal
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Foto: Aline Pabst
An der Montessori-Schule werden dieses Jahr eine Reihe von Projekten für alle Jahrgangsstufen angeboten. Beispielsweise haben die Fünft- und Sechstklässler das Saarbrücker Schloss und das Unsichtbare Mahnmal besichtigt. Beim gemeinsamen Kochen lernten die Jüngsten Speisen aus unterschiedlichen Ländern kennen. Die neunten und zehnten Klassen haben Besuch von der Theaterregisseurin Corinna Preisberg bekommen und entwickeln eigene Theaterstücke zum Thema. Lehrerin Heike Werner hat zudem Schulen aus der ehemaligen Sowjetunion kontaktiert. Geplant ist ein Chat, in dem sich Schüler aus der Montessori-Schule mit Schülern unter anderem aus Georgien und Belarus austauschen können – und dadurch Erinnerungskultur aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen.
Stolperstein für Friedrichsthal
Für die Oberstufe wird dieses Jahr sogar eine Studienreise angeboten: Geschichtslehrer Rik Sauer organisiert eine Exkursion nach Auschwitz. Er will, dass seine Schüler die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur in Schulbüchern kennenlernen – sondern sich „vor Ort mit echten Schicksalen auseinandersetzen“. Die Jugendlichen haben die Idee gut angenommen: Fast alle Plätze für den Ausflug sind bereits belegt. „Ich glaube, emotional wird das schon schwierig, aber so was mal gesehen zu haben, finde ich sehr wichtig“, sagt Melissa Tangaro aus der zwölften Klasse. Sie ergänzt: „Das ist eine tolle Chance, und wir sind echt froh, dass unsere Schule das bietet.“
Die Schule plant derzeit zudem, einen Stolperstein zum Gedenken an eine jüdische Familie aus Friedrichsthal verlegen zu lassen. Über die jüdische Familie ist bislang wenig bekannt, ihre Geschichte wurde teilweise noch nicht erforscht. Heike Werner möchte dies ändern und mit ihren Schülern mehr über die ermordete Familie erfahren. Anschließend hat die Schule vor, sich an die Stadt zu wenden – und sich dafür einzusetzen, dass Friedrichsthal einen neuen Stolperstein bekommt. Im Rahmen weiterer Projekte haben Schüler Graphic Novels zu den Biografien hinter den Stolpersteinen gestaltet und kurze Filme gedreht.
„Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung“
„Ich find’s richtig gut, wie unsere Schule damit umgeht“, so die 17-jährige Katherina Grant. Sie lobt, dass die ganze Schule eingebunden wird. Lillie Wirtz und Hannah Rödel sind gerade in ihrem letzten Schuljahr – und bereiten sich auf ihr Abitur vor. Die Vorfälle an ihrer Schule haben sie trotzdem enorm beschäftigt. Umso mehr freuen sie sich über das Engagement ihrer Schule und das breite Angebot an Projekten. Schülersprecherin Lillie findet es gut, dass „man überall auf das Thema trifft und es in der ganzen Schule präsent ist“. Im Schulgebäude hängen Plakate mit Botschaften gegen Rassismus. Dort heißt es unter anderem „Demokratie ist ein zerbrechliches Geschenk“ in strahlend pinker Schrift oder „Holen wir uns die Zukunft zurück“. Im Laufe des Schuljahres sollen die Plakate regelmäßig ausgetauscht werden, teilweise mit Motiven, die Schüler selbst gestaltet haben.
In der Montessori-Gemeinschaftsschule Friedrichsthal sind die rechtsradikalen Schmierereien weiterhin Thema – doch die Schule reagiert darauf mit Engagement, um ihren Schülern eine wichtige Botschaft mitzugeben: „Seid mutig, wehrt euch und engagiert euch“, das hofft Heike Werner, den Jugendlichen zu vermitteln. Wie das aussehen kann, zeigt die Fassade des Schulgebäudes: Dort, wo zuvor rechtsextreme Parolen gesprüht worden waren, sind nun Bilder der Widerstandskämpfer Sophie Scholl und Willi Graf zu sehen. Darunter die Botschaft „Jede*r Einzelne trägt die ganze Verantwortung“. (sas)