Schülerzahlen verdoppelt: Lösung gegen Raumnot „ist der Hammer“

Stand: 21.09.2026, 08:00 Uhr

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Die Schülerzahlen an der Mark-Twain-Schule haben sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Klassen wichen zuletzt dauerhaft aus.

Heessen – „Das ist der Hammer.“ Mit ihrer Begeisterung ist Pauline Brockmann an der Mark-Twain-Schule (MTS) nicht alleine. Zum Schulstart hat die Lehrerin mit ihrer Klasse einen der vier Räume in den nagelneuen Containern in Holzoptik auf dem Schulhof bezogen und findet das richtig gut. Vorher hatte die Förderschule am Torneweg in Heessen ein akutes Raumproblem. Klassen waren schon dauerhaft in die Bücherei und den Bewegungsraum ausgewichen, um überhaupt Platz zu finden. Innerhalb weniger Jahre hatten sich die Schülerzahlen verdoppelt. Jetzt ist an der Schule sogar mehr Platz als benötigt, vermutlich aber nur vorübergehend.

Neue, schöne Holzcontainer für die Mark-Twain-Schule sind jetzt mit Leben gefüllt und lindern ein großes Platzproblem. v.l.: Sonja Hentschel (Schulleiterin), Pauline Brockmann (Klassenlehrkraft „Wölfe“)

Groß, hell und neu: Schulleiterin Sonja Hentschel und Lehrerin Pauline Brockmann freuen sich über die neuen Containerklassen. © Andreas Rother

Jetzt genießen Schüler und Kollegium erstmal den kleinen Luxus. Nachdem im Februar ein Kran die 18 Container auf den Schulhof eingeschwebt hatte, folgte in den Sommerferien der Einzug. Ein Umzugsunternehmen transportierte die Möbel, die Lehrkräfte räumten ein und machten die Räume mit weiterer Deko und Einrichtungsgegenständen wohnlicher. „Die Kinder hatten strahlende Augen, haben ›Wow‹ gerufen“, erzählt Johanna Averdung vom Einzug. So schön, so groß und so hell, fanden ihre Viertklässler die neuen Klassen. Von außen bricht die Holzoptik mit den Vorurteilen über die Containeroptik. Brockmann betont zudem, dass auch die Klimatisierung an den heißen Tagen richtig gut gewesen sei.

Doppelt so viele Schüler in vier Jahren: Container lösen Raumnot der Mark-Twain-Schule

Averdungs Klasse steht bezeichnet für die Raumnot der MTS. Vor zwei Jahren wurde die kleine Bücherei, die die Lehrer obendrein als Besprechungsraum nutzten, zum Klassenraum. Kurzfristig war die Klasse neu gebildet worden, weil so viele Schüler dazugekommen waren. Tische, Stühle, Tafel und Bildschirm kamen erst später. Im Jahr darauf wechselte die Klasse mit sieben Kindern mehr in den psychomotorischen Raum, eine Mini-Turnhalle. Den hatte die Stadt unter anderem mit Blick auf die Akustik schnell noch den neuen Anforderungen angepasst.

Aber er fehlte natürlich im Schulalltag. Denn er dient nicht nur als Möglichkeit, den Bewegungsdrang der Kinder bei schlechtem Wetter zu stillen. „Wir brauchen bei uns einen Ausweichort, wo das Kind seine Emotionen auch mal körperlich ausleben kann“, so Averdung. Das fiel ebenfalls weg. Auch die sportlichen Angebote der OGS waren aufgrund des besetzten Raums eingeschränkt. Zu dieser Zeit gab es an der MTS sieben Klassen, das Gebäude ist allerdings nur für sechs ausgelegt.

Neue, schöne Holzcontainer für die Mark-Twain-Schule sind jetzt mit Leben gefüllt und lindern ein großes Platzproblem.

Mit seiner Holzoptik macht das provisorische Gebäude auch von außen einiges her. © Andreas Rother

42, 67, 92 und 109: Das sind die Schülerzahlen der MTS in den vergangenen vier Jahren. Und im aktuellen Schuljahr sind es wieder 109 Kinder, die in der Primarstufe mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung unterrichtet werden. Davor waren die Zahlen lange zurückgegangen, und auch die jährlich aufgestellten Prognosen der Stadt Hamm hatten einen solchen Anstieg nicht erwartet. Im Schuljahr 2024/25 wurde es dann eng. Sie habe noch im Vorfeld eine Prognose für um die 70 Schüler abgegeben und das hätte mit dem Raumangebot gepasst, erläutert Rektorin Sonja Hentschel den rasanten Anstieg. „Dann waren es aber über 90 Schüler. Da war klar, es muss etwas passieren.“

Und es passierte auch etwas: Per Dringlichkeitsbeschluss stellten OB Marc Herter und Ralf Steinhaus, damals Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, im März 2025, eine Million Euro für vier Pavillonklassen zur Verfügung, um noch im gliechen Jahr zu reagieren. Doch eine Änderung im Genehmigungsverfahren auf Landesebene warf das Projekt um ein Jahr nach hinten.

Die Schülerzahlen steigen wohl weiter

Am 30. Juni 2026 wurden die Containerklassen dann beim Tag der offenen Tür eröffnet. Den Umzug wollte das Kollegium den Schülern so kurz vor den Ferien aber nicht mehr zumuten. Neben der vierten Klasse ist dort nun eine Eingangsstufe untergebracht. Zwei weitere Räume dienen derzeit vormittags als Differenzierungsräume, in denen sich zum Beispiel Kinder zum Arbeiten zurückziehen, wenn sie sich in der Gruppe zu sehr gestört fühlen. Nachmittags hat die OGS, deren Anmeldezahlen ebenfalls von 18 auf aktuell 75 gestiegen sind, hier ihr Zuhause. Die „Containerburg“ ist überhaupt großzügig gestaltet, selbst im Eingangsbereich, der durch die Toiletten sowie einen Technikraum eine ungewöhnliche Breite erhalten hat. Die WC-Räume wurden auf Wunsch der Schule integriert. „Ohne geht es in der Primarstufe nicht“, freut sich Hentschel, dass sie bei der Gestaltung einbezogen wurde.

Sie geht davon aus, dass demnächst auch zehn Klassen gebildet werden könnten, die beiden zusätzlichen Räume dann jeweils fest vergeben seien. Das lasse sich schwer prognostizieren. „Es ist immer unklar, wie viele Schüler wir haben“, erklärt sie. Das hänge davon ab, bei wie vielen Kindern der Förderbedarf festgestellt würde und wie sich die Eltern entscheiden. Mal kämen viele Schüler für die dritte oder vierte Klasse, diesmal seien es viele Erstklässler gewesen, so die Rektorin. Dazu wurde das Verfahren zur Einstufung erst frisch geändert, eine weitere Unsicherheit für die Zukunft.

Für steigende Zahlen sprächen, dass zum einen der Bedarf an Förderung in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Zum anderen „entscheiden sich mehr Eltern bewusst für unsere Schule“, so Averdung. Das Stigma der Sonderschule, das Förderschulen früher angehaftet hätte, habe sich abgebaut. „Wir geben nach der vierten Klasse, Empfehlungen für alle Schulformen, auch fürs Gymnasium“, sagt Hentschel.