Stand: 11.09.2026, 06:53 Uhr
Kommentare

Wenige Tage vor Schulbeginn sind Schulweghelfer im Würmtal Mangelware – nur in Gräfelfing nicht. Dort herrscht ein beneidenswertes Engagement.
Würmtal – Dieser Nebenjob bietet ein kleines Taschengeld, feste Arbeitszeiten, eine sinnvolle Beschäftigung, Bewegung und Zeit an der frischen Luft, eine Schulung und Ausrüstung. Trotzdem ist die Aufgabe des Schulweghelfers im Würmtal nicht besonders beliebt. In Neuried etwa waren es erst 20, jetzt sind es neun: Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer, die in der Gemeinde den Schulweg der Grundschüler sichern, hat sich über die Jahre deutlich reduziert. Im restlichen Würmtal sieht es nicht besser aus – außer in Gräfelfing.
„Alle Positionen sind an allen Tagen besetzt, und es stehen einige Ersatzleute zur Verfügung“, berichtet Monika Schlosser, die die Helfer der Gräfelfinger Grundschüler organisiert. An sieben Stellen zwischen Rathaus und Kreuzung Würmtal-/Pasinger Straße stehen jeden Tag Schulweghelfer. Insgesamt sichern rund 50 Menschen über das Schuljahr den Weg zur Grundschule Gräfelfing.
Von einer derartigen Ausstattung können Schlossers Kolleginnen im Würmtal nur träumen. „Ich habe mich vorletztes Jahr durch alle Klassen gewühlt, war auf allen Elternabenden“, erzählt Silke Bürkle-Schiffbauer aus Krailling. Ohne Erfolg. „Es hat sich keiner gemeldet.“ Aktuell kümmern sich in Krailling 18 Helfer um die Sicherheit der Grundschüler. Darunter ein junges Paar, das selbst noch keine Schulkinder hat. „Sie sehen das als ihre Verantwortung. Das ist Engagement“, lobt Bürkle-Schiffbauer – und sucht Nachahmer.
Ihre Kollegin aus Planegg, Anett Prenzlow, teilt diese Erfahrung. „Die Bereitschaft bricht mir schon seit Jahren weg. Ich denke, das liegt an den Arbeitszeiten der Eltern.“ Sie suche dringend, sagt sie. „Ohne meine Stammschulweghelfer könnte der Schulweghelferdienst in Planegg nicht existieren.“ Sie selbst ist seit 27 Jahren dabei, ihre älteste Helferin ist 86 Jahre alt. Üblicherweise rekrutiert sie Eltern der neuen Klassen, aber das werde immer schwieriger. Immerhin: Letztes Schuljahr seien zwei dazugekommen. Deshalb will sie auch heuer wieder auf die neuen Eltern zugehen. „Die Ampeln an der Münchner Straße kann ich nicht mehr komplett besetzen, die Bräuhausstraße auch nur noch bedingt.“ Nur die Ampeln an der Pasinger und der Germeringer Straße seien voll besetzt. In Martinsried gab es in der Vergangenheit das Problem, dass dort nicht mehr an allen fünf Schultagen alle Übergänge zur Grundschule besetzt werden konnten. „Zurzeit haben wir ausreichend Helfer“, sagt Organisatorin Silke Wilke. Aber: „Die Zahl der Schulweghelfer entwickelt sich fast gar nicht. Bis auf zwei Personen sind alle seit Jahren dabei.“
Auch in der Gemeinde Gräfelfing ist nicht alles rosig. „Eigentlich sollte es von den Eltern der Erst- und Zweitklässler ein größeres Engagement geben, leider Fehlanzeige. Die Schulweghelfer sind schon seit vielen Jahren im Dienst, ihre Kinder sind schon längst aus der Schule“, erzählt Eleonore Spinner, die die Schulweghelfer in Lochham koordiniert.
Das Problem wurde kreativ gelöst. Ältere Schüler des Kurt-Huber-Gymnasiums verstärken seit einigen Jahren Spinners Team. „In der ersten Schulwoche wird in den oberen Klassen Werbung gemacht.“ Wie alle Schulweghelfer im Würmtal, erhalten die Schüler eine Einweisung, Ausrüstung der Polizei und zehn Euro pro Stunde. Manche bleiben ein, manche zwei Jahre im Amt. Eltern hingegen bleiben in der Regel über viele Jahre hinweg treu dabei. Mit Schülern und Eltern gemeinsam kommt Spinner in Lochham einigermaßen hin. Sie sichern rund sieben Standorte.
In Neuried hingegen können die neun verbliebenen Helfer nicht mehr alle Überquerungen sichern, die sie als sinnvoll ansehen. „Es mussten bereits Standorte geschlossen werden, um die wichtigen Kreuzungspunkte zu sichern“, so Meike Petro von der Gemeinde. Jetzt steht jeweils eine Person an der großen Kreuzung in der Ortsmitte, am Haderner Winkel und am Fußgängerüberweg Lerchenweg.