Bewaffnete Drohne in Leipzig: So wird der größte deutsche Airport Frankfurt geschützt

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Leipziger Flughafen stellt sich in Frankfurt die Frage, wie sich der größte deutsche Flughafen gegen derartige Angriffe schützen kann. In Frankfurt sowie an weiteren großen Flughäfen ist schon vor Monaten eine Drohnenabwehr der Bundespolizei eingerichtet worden.

Zu den Standorten zählen neben Frankfurt auch München, Berlin-Brandenburg, Köln/Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart sowie Leipzig/Halle. Wie das Bundesinnenministerium im Dezember mitteilte, sieht die Einheit 130 Spezialkräfte vor. Sie soll unter anderem KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen einsetzen.

Die Sicherheitsbehörden warnen schon seit Längerem davor, wie groß die Gefahr durch Drohnen im Gebiet von Flughäfen sei. So hatte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) im Oktober vergangenen Jahres nach mehreren Sichtungen in Skandinavien, aber auch an deutschen Flughäfen für den Frankfurter Airport angekündigt, die Drohnenabwehr auszubauen. „Wir müssen uns der verändernden Bedrohungslage stellen“, sagte er der F.A.Z.

Bezogen auf die damaligen Vorfälle sagte er, mutmaßlich stecke Russland hinter diesen Attacken, die das Ziel verfolgten, kritische Infrastruktur anzugreifen und die Gesellschaft zu destabilisieren. Poseck zufolge ist es „nur eine Frage der Zeit, dass diese Beeinträchtigungen auch uns betreffen“.

Hessen sieht vor, Drohnen notfalls abzuschießen

Mit der Novellierung des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung hat das Bundesland Hessen inzwischen eine Grundlage geschaffen, um gegen unbemannte Flugobjekte vorzugehen – bis hin zum Abschuss. Ein Kompetenzzentrum für die Drohnen-Detektion wurde im Jahr 2019 bei der Polizeifliegerstaffel in Egelsbach eingerichtet. So sei man darauf vorbereitet, auf feindliche Drohnen einzuwirken und Gefahren abzuwenden, so Poseck. Er plädierte für ein abgestimmtes Vorgehen von Bund und Ländern bei der Drohnenabwehr.

Dem Minister zufolge will man sich in Hessen vor allem auf die Abwehr „unkooperativer“ Drohnen konzentrieren. Damit sind Drohnen gemeint, die keine Signale zur Selbstauskunft senden. Sie werden nicht mit Funk gesteuert, sondern via SIM-Karte über Mobilfunk. Das übliche Vorgehen, um eine Drohne aus der Luft zu holen, funktioniert bei ihnen nicht.

Poseck spricht von verschiedenen Mitteln zur Drohnenabwehr. Dazu zählten „Systeme zur Störung von Steuerungsverbindungen ebenso wie die Anschaffung ballistischer Einsatzmittel zur Bekämpfung von Drohnen sowie weiterer Radar- und Detektionstechnik“. Kooperative Drohnen werden durch sogenannte Jammer aus der Luft geholt.

Auch KI wird bei der Drohnenabwehr eingesetzt

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag sollen Radarsysteme und spezielle Kamerasysteme angeschafft werden, um Drohnen besser ausfindig zu machen, wie das Innenministerium schon vor etwa einem Jahr mitteilte. Außerdem solle ein Abschusssystem angeschafft werden, das auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz Drohnen in der Luft anvisieren und zerstören könne.

Die Flugsicherung hatte schon im Jahr 2020 gemeinsam mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und der Flughafen-Gesellschaft in München in einer umfassenden Studie untersucht, was ein Detektionssystem leisten könne. Dabei hatte sich unter anderem herausgestellt, dass die bis dahin  vorhandenen Systeme „wenig effektiv und nicht sehr zuverlässig“ waren, wie die Flugsicherung damals resümierte. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, gilt diese Einschätzung inzwischen aber nicht mehr.

Am weitgehend ungenutzten Regionalflughafen Kassel-Calden richtet das Bundesland ein sogenanntes Drohnenkompetenzzentrum ein, das der Forschung, Erprobung, Qualifizierung und Anwendung unbemannter Flugobjekte dienen soll. Ausgerechnet am Mittwochmorgen, noch bevor die bewaffnete Drohne in Leipzig entdeckt wurde, hat Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus für den Aufbau einen Förderbescheid über acht Millionen Euro übergeben. In Kassel sollten „innovative Drohnentechnologien unter realen Bedingungen erprobt werden“, sagte sie. „Die aktuellen internationalen Entwicklungen im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme zeigen, wie wichtig entschlossenes Handeln hier ist.“