Schweizer Grafikerin Warja Lavater: Die Frau hinter den drei UBS-Schlüsseln
Sie revolutionierte die Grafik, mied aber das Rampenlicht. Nun erhält Warja Lavater die Aufmerksamkeit, die ihr lange fehlte.
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04.08.2026, 13:43
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Warja Lavater hat Schweizer Designgeschichte geschrieben. Drei Schlüssel – Symbole für Sicherheit und Vertrauen – designte sie 1937. Damals für den Schweizerischen Bankverein. Heute bekannt als die UBS. Doch das berühmte Banklogo war nur ein kleiner Teil ihres Werks.
Von Warja Lavaters Schlüssellogo gab es mehrere Varianten. Dies ist eine davon; entworfen 1937.
Cornelia Hesse-Honegger/Collage: SRF
Und nur ein einziges Mal habe sie ein Design abgeändert. Nur ein einziges Mal habe sie sich zu einem Kompromiss überreden lassen. «Ich habe es ein Leben lang bereut. Es war mir eine Lehre», sagte Warja Lavater 1993 im Interview mit SRF.
Die Grafik, von der sie sprach, war das Signet der Landesausstellung 1939. Mit gerade einmal 23 Jahren setzte sich die junge Zürcher Grafikerin gegen Einsendungen aus der ganzen Schweiz durch. Als die Organisatoren nachträglich eine kleine Anpassung verlangten, gab sie nach. «Ich war zu schüchtern, um mich zu wehren», erinnerte sie sich später.
Obwohl ihre Arbeiten bis heute im öffentlichen Raum präsent sind, etwa an Fassaden verschiedener Zürcher Wasserwerke, geriet Warja Lavater nach ihrem Tod 2007 zunehmend in Vergessenheit.
Zurück in den Vordergrund
Genau das wollen ihre Tochter Cornelia Hesse-Honegger und die Kulturvermittlerin Edith Eicher nun ändern. Mit der ersten umfassenden Monografie über Leben und Werk der Schweizer Grafikerin holen sie eine Gestalterin, die die visuelle Sprache des 20. Jahrhunderts mitgeprägt hat, zurück ins Rampenlicht.
Übergrosse Frauen: 1958 schuf Lavater für die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA eine 100 Meter lange Bildstrecke über bedeutende Frauen der Schweizer Geschichte.
KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Jules Vogt
«Warja Lavater hat damals Bahnbrechendes in die Grafik eingebracht», sagt Eicher. Das Buch sei deshalb nicht nur eine Würdigung ihres Werks, sondern auch eine längst fällige Wiederentdeckung. «Sie war viel zu lange vergessen.»
Das Buch ist chronologisch aufgebaut. «Es erzählt, wie sie als Kind mit ihrer Familie aus Moskau flüchten musste – der Russischen Revolution wegen», so Hesse-Honegger. Weitere Stationen sind Athen, später New York und Paris.
Punkt für Punkt zur Geschichte
Dass Lavater heute als Pionierin gilt, liegt vor allem an ihrer einzigartigen Bildsprache. Berühmt wurde sie mit ihren sogenannten Faltbüchern: Leporellos, in denen sie bekannte Geschichten nicht mit Worten, sondern mit abstrakten Zeichen erzählte. Etwa «Rotkäppchen» oder «Wilhelm Tell».
Eines ihrer berühmtesten Werke: Warja Lavater erzählt die Tell-Sage anhand von Piktogrammen.
Leonardi Offset-Reproduktionen Zürich
Ein blauer Punkt steht für Wilhelm Tell, ein rotes Dreieck für den Hut Gesslers. Braune Punkte symbolisieren das Volk, grüne den Wald. Aus einfachen Formen entstehen komplexe Erzählungen. Damals herausgegeben wird «Wilhelm Tell» von niemand Geringerem als dem Museum of Modern Art in New York.
«Meine Mutter hat eine eigene Bildsprache entwickelt. Damals gab es diese Art von Kunst nicht», sagt Cornelia Hesse-Honegger, selbst bekannte Künstlerin. Lavater hat sogenannte «Künstlerbücher», eigenständige Kunstwerke in Buchform, miterfunden. Eine Pionierin.
Der rote Faden? Mut.
In ihrer fast 60-jährigen Karriere bewegte sich Warja Lavater mühelos zwischen Gebrauchsgrafik, Künstlerbuch und freier Kunst. Sie entwarf Logos, entwickelte visuelle Erzählformen und schuf später auch filigrane Papierskulpturen.
Was all diese Arbeiten verbindet, ist ihre Konsequenz. «Sie hat wirklich das gemacht, was sie wollte», sagt ihre Tochter.
Lavaters Markenzeichen: ihre Vielseitigkeit. Sie zeichnete im Schauspielhaus, entwarf Grafiken für Bally oder die UBS, hat ein Jugendmagazin herausgegeben und Kinderbücher gestaltet.
Cornelia Hesse-Honegger
Viele Zeitgenossen empfanden ihre Piktogramme als zu abstrakt. Lavater liess sich davon nicht beirren. Sie schuf Werke, die ihrer Zeit oft voraus waren. Oder, wie Cornelia Hesse-Honegger es formuliert: «Sie hat es durchgezogen. Das ist kreativ!»
Buchhinweis
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Cornelia Hesse-Honegger: «Warja Lavater. Leidenschaft und Vernunft». everyedition, 2026.
SRF 1, Tagesschau, 30.07.2026, 19:30 Uhr