SPD-Comeback im Nordosten: Mit dieser knallharten Strategie will Manuela Schwesig die AfD stoppen

Schwesig als letzte SPD-Hoffnung vor MV-Wahl: „Die Frau gegen Blau“ macht der AfD Druck

Stand: 12.09.2026, 12:36 Uhr

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Die SPD setzt vor der MV-Wahl ganz auf ihre Ministerpräsidentin. Manuela Schwesig inszeniert sich dabei als zentrale Gegnerin der AfD.

Schwerin – Manuela Schwesig soll es richten. Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern dreht sich bei der SPD alles nur noch um die Ministerpräsidentin. Besonders deutlich wird das im Wahlkampf. Mit dem Slogan „Die Frau gegen Blau“ positioniert sich die 52-Jährige als einzige Kraft gegen die AfD. Die Strategie zeigt offenbar Wirkung: In den Umfragen vor der MV-Wahl 2026 hat die SPD zuletzt deutlich aufholen können. Derzeit liegt sie bei etwa 34 Prozent. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr stand die SPD bei gerade einmal 19 Prozent.

Vor der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - SPD

Schwesig präsentiert sich vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern als Frau gegen Blau und kann gegen den Trend der SPD im Bund Stimmen sammeln. © Jens Büttner/dpa

Der Abstand zur AfD ist inzwischen auf wenige Prozentpunkte zusammengeschrumpft. Das ist bemerkenswert. Denn im Bund kommt die SPD derzeit ebenfalls nur noch auf rund zwölf Prozent. Schwesig macht im Nordosten offensichtlich etwas anders. Was genau, lässt sich an ihrem Wahlkampf ablesen.

„Die Frau gegen Blau“: Strategie mit Kalkül von Manuela Schwesig vor der MV-Wahl 2026

Der Endspurt im Wahlkampf begann nur einen Tag nach der Sachsen-Anhalt-Wahl. Schwesig stellte in Schwerin neue Wahlplakate vor. Darauf ist sie selbst zu sehen – mit ernstem Blick und dem Slogan „Die Frau gegen Blau“. Die Botschaft ist klar: Wer die AfD verhindern wolle, müsse SPD wählen. „Wir wollen nicht, dass die blaue Flut auch Mecklenburg-Vorpommern erreicht“, sagte Schwesig.

Bei einer Kundgebung in Schwerin verschärfte sie den Ton dann weiter. „Mecklenburg-Vorpommern ist nicht Sachsen-Anhalt“, rief sie den Menschen zu. „Wir werden die Machtfantasien der AfD gemeinsam stoppen. Unser Zuhause bekommt die AfD nicht.“ Die Lage sei „sehr, sehr ernst“, sagte sie. Sachsen-Anhalt zeige, dass die AfD eine reale Chance habe, an die Macht zu kommen. Deshalb setzt sie auf ihre persönliche Popularität: Bei einer Direktwahl hätte sie den Umfragen zufolge die Nase klar vorn.

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Auf welche Themen Manuela Schwesig setzt

Schwesigs Strategie beruht nicht allein auf dem Anti-AfD-Appell. Sie setzt auf konkrete Themen. Ihr Kernthema ist die Rente. Schwesig will die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren erhalten. Damit stellt sie sich gegen die Rentenkommission und gegen die eigene Bundespartei.

Die wirtschaftliche Lage des Landes nutzt sie ebenfalls als Argument. Kurz vor dem Wahlkampfendspurt gab die Schwarz-Gruppe eine Investition von 5,6 Milliarden Euro für ein Rechenzentrum in Schwerin bekannt. Mindestens 120 Arbeitsplätze sollen entstehen. Schwesig erwähnte das bei einem Auftritt in Mirow laut FAZ fast beiläufig – als wäre es selbstverständlich.

Manuela Schwesig spricht bei einem Wahlkampftermin mit Bürgern.

Manuela Schwesig sucht vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern die Nähe zu den Menschen. © Philip Dulian/dpa

Schwesig kämpft vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit aller Kraft gegen die AfD

Die AfD tritt in Mecklenburg-Vorpommern mit zwei Spitzenkandidaten an: Leif-Erik Holm als Ministerpräsidentenkandidat und Enrico Schult als Fraktionsvorsitzender. Holm war früher Radiomoderator. Regierungserfahrung hat er keine. Das hielt ihm Schwesig beim TV-Duell vor: „Sie haben ja keine Erfahrung, nicht mal als Bürgermeister.“ Holm wiederum sieht im AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt eine neue Aufbruchsstimmung. „Wir sind wieder in einer Zeit des Wandels wie 1989“, sagte er.

Doch der Schwung aus Sachsen-Anhalt zündet im Nordosten nicht so stark. Schwesig bindet Menschen, die sonst zur AfD abwandern könnten. Auch die Warnung vor schwierigen Regierungsverhältnissen verfängt. Werde die AfD stärkste Kraft, drohe dem Land eine „Hängepartie“, sagte Schwesig. Die AfD sei gar nicht bereit, auf andere zuzugehen. Schon am Wahlabend in Magdeburg habe Spitzenkandidat Ulrich Siegmund von Neuwahlen gesprochen, weil die AfD keine absolute Mehrheit bekommen habe.

Kritik an Schwesig vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

Der frühere Partei- und Fraktionschef der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, warf Manuela Schwesig im Wahlkampf Polarisierung vor. Das sei Grund für die bedrohliche Schwäche der CDU. Schwesig mache die AfD stark, wie Umfragen zeigten, sagte Rehberg im Tagesspiegel. Die CDU in MV fürchtet deshalb inzwischen sogar das Scheitern an der Fünfprozenthürde.

Auch Grünen-Co-Bundeschefin Franziska Brantner übte Kritik. Der Augsburger Allgemeinen sagte sie: „Ein Wahlsieg von Manuela Schwesig ist wertlos, wenn die Grünen nicht in den Landtag einziehen.“

Koalitionsrechnung vor der MV-Wahl 2026: Schwesig benötigt die Grünen – oder die CDU

Laut den aktuellen Umfragen zur MV-Wahl 2026 käme die aktuelle Koalition aus SPD und Linke auf keine Mehrheit mehr. Rechnerisch könnte eventuell eine Koalition aus SPD, der Linkspartei und den Grünen die Regierung übernehmen. Sollten aber die Grünen nicht in den Landtag einziehen, wäre die CDU für eine Mehrheit gegen die AfD wohl unverzichtbar. Doch die CDU hat in den Umfragen ganz eigene Sorgen.

Schwesig selbst blickt über die Landtagswahl hinaus. In der SPD wird spekuliert, ob sie nach einem Wahlsieg den Bundesparteivorsitz anstreben könnte. Sie verneint das stets. Beim TV-Duell sagte sie, sie könne sich das nicht vorstellen. Wer Manuela Schwesig wähle, bekomme auch Manuela Schwesig. Ob das letzte Wort gesprochen ist, bezweifeln aber viele in ihrer Partei. (Quellen: FAZ, dpa, Wahlumfragen) (cs)