Interview Alba-Managerin Svenja Brunckhorst
“Wir kommen aus dem Strahlen gar nicht mehr raus”
Volle Hallen, riesige Aufmerksamkeit und historische sportliche Leistungen - die Heim-WM der Basketballerinnen ist ein voller Erfolg, findet Alba-Managerin Svenja Brunckhorst. Im Interview erklärt sie, wie man die Euphorie nun für eine nachhaltige Entwicklung des deutschen Frauen-Basketballs nutzen kann und welche Perspektive sie für Alba in der kommenden Spielzeit sieht.
Das Halbfinale der Frauen-WM zwischen Deutschland und Frankreich hören Sie ab 16:20 Uhr im rbb|24-Livestream.
Von
Jakob Rüger
rbb: Frau Brunckhorst, die deutsche Frauen-Nationalmannschaft steht sensationell im Halbfinale der Heim-WM. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für den gesamten deutschen Basketball?
Svenja Brunckhorst: Unglaublich viel. Wir reden die ganze Zeit von dem Momentum im Frauen-Basketball, aber auch dem deutschen Basketball im Allgemeinen. Es kommt alles zusammen: Erst der WM-Titel der Männer, dann unser Erfolg 2024 (Svenja Brunckhorst war Teil des Frauen-3x3-Teams, das bei den Olympischen Spielen in Paris Gold gewann, Anm. d. Red.), dann 2025 wieder die Männer mit dem Europameister-Titel und jetzt ist eine Heim-WM. Der Fokus auf das Turnier war schon im Vorfeld extrem und dass die deutschen Frauen jetzt so abliefern. Wir kommen aus dem Strahlen gar nicht mehr raus.
Zur Person
Svenja Brunckhorst (34 Jahre) feierte als aktive Basketballerin sieben Meisterschaften mit dem TSV Wasserburg. Weitere Stationen waren der USC Freiburg, Cadi La Seu (Spanien) sowie Cavigal de Nice (Frankreich). Brunckhorsts größter Erfolg war der Gewinn der olympischen Goldmedaille mit der deutschen 3x3-Basketballnationalmannschaft bei den olympischen Spielen in Paris 2024. Inzwischen ist sie Managerin für Mädchen- und Frauenbasketball bei Alba Berlin.
rbb: Sie persönlich haben ja auch noch so ein bisschen die dunklen Zeiten erlebt, in denen die Hallen leer waren und es kaum Medienaufmerksamkeit gab. Wie erleben Sie jetzt diese Hochphase?
Brunckhorst: Super intensiv und sehr positiv. Dass es im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, der Pressebereich komplett voll mit Reporter:innen ist, die über die WM berichten, dass die Hallen voll sind, dass es einen Fokus auf Social Media gibt. Alles, was rund um dieses Turnier passiert, ist wirklich unglaublich. Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Es ist etwas ganz Besonderes und ich hätte nie gedacht, dass es so groß werden kann.
rbb: So schön der Moment jetzt auch ist, bleibt die Frage, wie man das auch nachhaltig für den Frauen-Basketball hier in Deutschland nutzen kann?
Brunckhorst: Genau, das ist die Frage. Ich habe hinführend zur WM sehr viele Gespräche geführt, aber keiner hat sich wirklich Gedanken gemacht, was darüber hinaus passiert. Aber in den letzten Tagen gab es viele Workshops, in denen sich Gremien, Verbände, aber auch die Ligaformate zusammengetan haben und sich gefragt haben, wie man es nutzen kann. Das ist das richtige Zeichen. Wir müssen es angehen und jeder muss mithelfen. Es gibt klare Konzepte, Strategien und Visionen. Jetzt liegt es an uns, dass wir die Entwicklung vorantreiben.
rbb: Was wäre denn Ihre Vision?
Brunckhorst: Wir müssen die 1. und 2. DBBL (Damen-Basketball-Bundesliga) professionalisieren und strukturell verbessern. Wir haben jetzt drei Spielerinnen aus der DBBL im WM-Aufgebot. Aber wir müssen unsere Talente in Deutschland noch besser fördern. Auch an der Basis und in den Landesverbänden müssen wir besser arbeiten, um den Zugang für Mädchen zum Basketball ermöglichen und ihnen ein durchgehendes Angebot machen zu können. Da müssen wir endlich ins Handeln kommen.
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Wir haben aktuell unfassbar viel Aufmerksamkeit, aber viele Spielerinnen können nicht davon leben.
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Svenja Brunckhorst
rbb: Nationalspielerin Alexandra Wilke hat nach dem Viertelfinalsieg gegen Belgien für ein Schmunzeln gesorgt, als sie sagte, als Lehrerin müsse sie eigentlich am Montag wieder zur Arbeit gehen. Das wäre dann am Tag nach einem Finale oder dem Spiel um Platz drei. Zeigt das auch die Probleme des Frauen-Basketballs?
Brunckhorst: Ja, natürlich wissen wir alle, dass man oft ein zweites Standbein braucht, wenn man in Deutschland spielt. Im Ausland haben sich die Strukturen besser entwickelt. Das ist gerade die Kehrseite im Frauen-Basketball. Wir haben aktuell unfassbar viel Aufmerksamkeit, aber viele Spielerinnen können nicht davon leben. Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren diese Diskussion nicht immer noch haben.
rbb: Kommen wir mal zu Alba Berlin. Mit welchem Gefühl schauen Sie auf die neue Saison?
Brunckhorst: Sehr euphorisch. Wir hatten sehr viele Veränderungen im Kader. Ich glaube, es ist gut, dass wir neuen Input reinbringen und eine sportliche Qualität. Wir haben mit Océane Monpierre eine Aufbauspielerin in unseren Reihen, von der ich sehr überzeugt bin, aber auch weitere Spielerinnen, die international bereits in den höchsten Wettbewerben gespielt haben. Das ist eine sportliche Qualität, die uns in den letzten Jahren gefehlt hat.
rbb: Sie haben zuvor erklärt, ihr hättet erst einmal einen Schritt zurückgehen müssen, um nun dort zu sein, wo ihr seid. Was meinten Sie damit?
Brunckhorst: Jeder wusste, dass letztes Jahr sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen das Budget ein bisschen zurückgeschraubt worden ist. Von daher mussten wir gucken, wo wir sparen können, um trotzdem nachhaltig Strukturen aufzubauen. Uns hat diese Saison aber dennoch extrem viel gegeben und war ein Schritt in die richtige Richtung.
rbb: Mit welchen Ambitionen geht es nun in die neue Spielzeit?
Brunckhorst: Wir schauen wieder nach oben. Wir haben einen Kader, der oben mitspielen kann. Natürlich wissen wir um Keltern, die als amtierender deutscher Meister Verpflichtungen getätigt haben, die unglaublich sind. Es wird sehr schwer, gegen sie zu bestehen. Aber natürlich ist unser Zielt, bis zum Ende mitzuspielen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Sendung: rbb|24, 12.09.2026, 12:23 Uhr
Audio: rbb|24, 12.09.2026, Svenja Brunckhorst im Interview mit Jakob Rüger
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