Die Kinder gehen immer zu zweit in die Flitzepause, weil Bewegung gemeinsam mehr Spaß macht.
©Getty ImagesDas Problem
Eine Lernzeit von mindestens 45 Minuten stellt für die meisten Schülerinnen und Schüler der Grundschule eine große Herausforderung dar. Mit zunehmender Dauer lassen häufig sowohl die Konzentration als auch die Lernfreude nach. Als Faustregel gilt, dass sich Kinder etwa doppelt so viele Minuten konzentrieren können, wie sie Jahre alt sind. Für ein siebenjähriges Kind entspräche dies einer Konzentrationsspanne von etwa 14 Minuten. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um einen Richtwert, da Kinder sehr verschieden sind. In der Regel spüren sie selbst sehr genau, wann sie eine Pause benötigen, und zeigen dies auch deutlich – etwa indem sie unruhig werden, Anzeichen von Müdigkeit zeigen oder abwesend wirken. Deshalb war es uns wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, genau in diesen Momenten eine Pause einzulegen, statt bis zur großen Hofpause warten zu müssen.
Die Idee
Während der Lernzeiten, in denen die Kinder eigenständig an ihren individuellen Deutsch- oder Mathematikaufgaben im Lernplan arbeiten, stehen ihnen zusätzlich Bewegungs- und Entspannungsangebote zur Verfügung. Hierfür gibt es Karten mit verschiedenen Anregungen, beispielsweise für gymnastische Übungen, Massagen oder Ballspiele, die sie gemeinsam mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner durchführen können. So wie die Kinder die Reihenfolge ihrer Lernaufgaben selbst bestimmen, entscheiden sie auch eigenverantwortlich, wann sie eine kurze Bewegungs- oder Entspannungspause benötigen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, sich durch das Bearbeiten von Zusatzaufgaben Gutscheine für sogenannte „Flitzepausen“ zu verdienen. Diese können sie auch außerhalb der Lernzeiten einlösen.
Die Umsetzung
In unseren Lernzeiten können die Kinder ihren Lernort und die Reihenfolge ihrer Aufgaben selbst bestimmen. Dadurch lassen sich die Bewegungs- und Entspannungspausen problemlos in den Unterrichtsalltag einbinden. Die Kinder organisieren ihre Arbeitszeit mithilfe von Sanduhren. Dieses Prinzip gilt auch für die Bewegungspausen. Zusätzlich gibt es ein Gutscheinsystem, mit dem die Kinder für besonders engagiertes Arbeiten belohnt werden. Neben der „Streichung einer Aufgabe“ oder „Zehn Minuten Lehrer oder Lehrerin sein“ können sie sich auch eine „Flitzepause mit einem Freund oder einer Freundin“ aussuchen. Diese Gutscheine sind während des gesamten Schultages – mit einigen Ausnahmen – einlösbar und sehr beliebt. Viele Kinder bearbeiten freiwillig eine zusätzliche Aufgabe, um sich eine Flitzepause zu verdienen. Für die individuellen Bewegungspausen gelten ein paar Regeln: Die Kinder führen die Übungen gemeinsam mit einer Partnerin oder einem Partner durch, denn Bewegung macht zu zweit mehr Freude als allein. Die Pause sollte fünf bis zehn Minuten dauern. Um die konzentrierte Arbeitsatmosphäre in der Lerngruppe nicht zu stören, suchen sich die Kinder für ihre Aktivitäten einen geeigneten Ort, beispielsweise den Flur oder den Schulhof. Außerdem ist vereinbart, dass Gutscheine nicht während gemeinsamer Erklärphasen eingelöst werden können.
Die Wirkung
Von den individuellen Bewegungs- und Entspannungspausen profitieren die Kinder in mehrfacher Hinsicht. Zum einen steigern sie die Motivation, konzentriert an den Aufgaben zu arbeiten. Nach einer kurzen Phase der Bewegung oder Entspannung kehren die Kinder in der Regel mit neuer Energie und größerer Aufmerksamkeit an ihre Arbeit zurück. Auch wenn sie bei einer Aufgabe nicht weiterkommen, kann eine kurze Auszeit dabei helfen, den Kopf freizubekommen und anschließend mit frischer Konzentration weiterzuarbeiten. Eine höhere Lernfreude wirkt sich häufig auch positiv auf die Lernergebnisse aus. Darüber hinaus fördern die Bewegungspausen wichtige soziale und emotionale Kompetenzen. Die Kinder lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erkennen, wann ihnen Bewegung oder Entspannung guttut. Gleichzeitig entwickeln sie ihre Wahrnehmung für die Bedürfnisse anderer weiter, indem sie auf ihre Lernpartnerin oder ihren Lernpartner Rücksicht nehmen. Da die Kinder die Bewegungsangebote gemeinsam nutzen, müssen sie sich zudem darüber verständigen, welche Aktivität sie zu welchem Zeitpunkt durchführen möchten. So stärken diese Pausen nicht nur die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Kinder, sondern auch ihre Kommunikations-, Kooperations- und Sozialkompetenzen.
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