Gewinn bei Lufthansa bricht wegen Kerosinkosten und Streiks ein
Die mit dem Irankrieg gestiegenen Kerosinkosten und eine Woche Streik im April haben die Lufthansa im zweiten Quartal schwer belastet. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) brach um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Ölpreise und eines Trends zum sehr kurzfristigen Buchen schließt der MDax-Konzern einen operativen Gewinnrückgang im Gesamtjahr nicht mehr aus. Die Prognose änderte die Lufthansa auf eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden nach 2,0 Milliarden Euro im Vorjahr. Bislang hatte sie das obere Ende angepeilt. Das Sitzplatzangebot der Airlines bleibt unverändert, statt um bis zu zwei Prozent zu steigen. Dabei spielt der Abbau von Kurzstreckenflügen durch die Schließung der Tochter Cityline eine Rolle.
Die Lufthansa verdiente von April bis Juni trotz eines Umsatzanstiegs um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro weniger als erwartet: Analysten hatten einen Gewinnrückgang auf rund 400 Millionen Euro erwartet. Die höheren Kerosinpreise schlugen trotz umfangreicher Absicherung gegen Preisausschläge mit zusätzlichen Kosten von 750 Millionen Euro ins Kontor. Die sechs Streiktage der Cockpit-Beschäftigten im April belasteten das Ergebnis mit 150 Millionen Euro.
LEG Immobilien profitiert von höheren Mieten – wichtige Kennziffer könnte Rekord knacken
Der Immobilienkonzern LEG profitiert weiterhin von einer hohen Nachfrage nach Wohnungen in den Ballungszentren. Die Nettokaltmiete wuchs im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um 3,4 Prozent auf 473,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Die Miete pro Quadratmeter auf vergleichbarer Fläche stieg von 6,96 Euro pro Quadratmeter auf 7,21 Euro.
Die für das Unternehmen wesentliche Ergebniskennziffer AFFO (Mittelzufluss aus der operativen Tätigkeit bereinigt um aktivierte Investitionen) ging jedoch um 12,7 Prozent auf 110,5 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen begründete dies mit höheren Investitionen. Diese seien in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf 202 Millionen Euro gestiegen. Im laufenden Jahr peilt der Konzern weiterhin einen AFFO von 220 bis 240 Millionen Euro an – das wäre ein neuer Rekord.
Verhaltene Nachfrage lastet auf Umsatz und Ergebnis von Hugo Boss
Eine maue Konsumstimmung insbesondere in der europäischen Region sowie der laufende Konzernumbau haben auch das zweite Quartal des Modekonzerns Hugo Boss belastet. Der Umsatz ging im Jahresvergleich insgesamt um zehn Prozent auf 905 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen am Dienstag in Metzingen mitteilte. Währungsbereinigt betrug das Minus neun Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro. Unter dem Strich und nach Anteilen Dritter verdiente Hugo Boss mit 33 Millionen Euro, 29 Prozent weniger.
Die Jahresprognose bestätigte Hugo Boss dennoch. So erwartet das Management weiter einen Umsatzrückgang auf währungsbereinigter Basis im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen.
Hugo Boss befindet sich nach einer schwachen Entwicklung im Umbau und sieht sich dabei einem Übernahmeangebot seines Großaktionärs Frasers gegenüber. Das Unternehmen hält den gebotenen Preis jedoch für zu niedrig. Das Angebot läuft noch bis 13. August.
Toyota hebt trotz Gewinnrückgang im Quartal Jahresziel an
Toyota blickt trotz eines erneuten Gewinnrückgangs im Quartal zuversichtlicher auf das Gesamtjahr. Der weltgrößte Autobauer rechne nun mit einem operativen Gewinn von 3,4 Billionen Yen (18,8 Milliarden Euro), teilte der japanische Konzern am Dienstag mit. Zuvor hatte die Prognose bei 3,0 Billionen Yen gelegen. Als Grund nannte Toyota neben dem schwächeren Yen auch größere Marketinganstrengungen sowie alternative Logistikrouten in den Nahen Osten. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni fiel der operative Gewinn jedoch das fünfte Mal in Folge. Er sank um neun Prozent auf 1,06 Billionen Yen, womit Toyota die Erwartungen von Analysten verfehlte. Grund für den Rückgang seien vor allem schleppende Verkäufe in China gewesen. Die Toyota-Aktie gab um 2,3 Prozent nach.
Toyota hob zudem sein weltweites Absatzziel für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr um 100.000 auf 9,7 Millionen Fahrzeuge an. Der Konzern verwies dabei auf eine solide Nachfrage in Nordamerika und Europa. Die möglichen finanziellen Folgen des schweren Erdbebens auf der japanischen Insel Kyushu im vergangenen Monat sind in der neuen Jahresprognose allerdings noch nicht berücksichtigt. Das Beben hatte die Produktion bei Zulieferern gestört und Toyota gezwungen, die Fertigung in vier heimischen Werken vorübergehend einzustellen.
Schwieriges Marktumfeld: Gewinn von Evonik sinkt um ein Drittel
Der Spezialchemiekonzern Evonik sieht sich trotz Zuwächsen im zweiten Quartal in einem weiterhin schwierigen Umfeld. Wie bereits bekannt, profitierte der MDax-Konzern von Lieferengpässen der Konkurrenz aus Asien, die europäischen Anbietern zuvor das Leben zunehmend schwer gemacht hatte. Diese litt wegen des Iran-Krieges und der teilweisen Sperrung der Straße von Hormus unter Versorgungsproblemen bei Röhol. In diesem Umfeld konnte Evonik den Jahresgewinnausblick Ende Juni anheben. Vorstandschef Christian Kullmann betonte nun aber am Dienstag zur Vorlage der endgültigen Resultate des zweiten Quartals, dass er sich „über einen warmen Sommerregen“ freue, sich an den fundamentalen Problemen unserer Branche allerdings nichts geändert habe.
Bei einem Umsatzwachstum um 11 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro steigert Evonik das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um rund ein Viertel auf 630 Millionen Euro; Ende Juni war von 600 bis 650 Millionen die Rede gewesen. Der Gewinn unter dem Strich sank um fast ein Drittel auf 84 Millionen Euro. Wegen des schwierigen Umfelds setzt Evonik aktuell ein Effizienzprogramm um, inklusive Stellenabbau. 2026 strebt Kullmann einen bereinigten operativen Gewinn zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro an. Damit soll im laufenden Jahr nun in jedem Fall ein Anstieg erzielt werden nach rund 1,9 Milliarden Euro 2025.
HSBC nimmt Aktienrückkäufe wieder auf – und steigert Gewinn um 23 Prozent
Europas größte Bank HSBC hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr dank höherer Zinsen und eines starken Vermögensverwaltungsgeschäfts um 23 Prozent gesteigert. Die britische Bank kündigte zudem an, den Rückkauf eigener Aktien wieder aufzunehmen und das bisherige Ziel bei den Einsparungen zu erhöhen. Im zweiten Quartal legte der Gewinn vor Steuern um 60 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar zu, wie das Geldhaus am Dienstag in Hongkong und London mitteilte. Die um Sonder- und Währungseffekte bereinigten Erträge stiegen um rund sieben Prozent auf 19 Milliarden Dollar (16,5 Mrd Euro). Damit übertraf die Bank die Erwartungen bei diesen beiden Kenngrößen.
HSBC-Chef Georges Elhedery geht außerdem jetzt davon aus, dass die jährlichen Kosten wegen des Sparkurses um 2 Milliarden Dollar sinken werden. Bisher hatte er mit 1,5 Milliarden Dollar gerechnet. Seit seinem Antritt an der HSBC-Spitze im Jahr 2024 hat Elhedery einen radikalen Umbau der Bank eingeleitet. Er strich tausende Jobs und stieß mehrere Geschäftsbereiche ab oder machte sie dicht. Die HSBC erzielt den größten Teil ihrer Erträge und Gewinne in Asien. Elhedery setzt auf den Ausbau des Geschäfts dort.
Zuletzt hatte die Bank in Hongkong die Komplettübernahme der dortigen Tochter für 14 Milliarden Dollar angekündigt. Deswegen kaufte die HSBC in den vergangenen Monaten keine eigenen Aktien zurück. Jetzt fühlt sich die Bank wieder mit genügend Kapital ausgestattet, um eigene Anteile vom Markt zu nehmen. Das neue Programm zum Aktienrückkauf hat ein Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar.
Continental profitiert von starkem Reifengeschäft und verdient mehr als erwartet
Der Reifenhersteller Continental hat im zweiten Quartal weiter vom guten Lauf bei großen und teuren Reifen gezehrt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Konzern lag mit 570 Millionen um ein gutes Drittel über dem Wert ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern am Dienstag mitteilte. Die Hannoveraner erzielten in der Reifensparte eine unerwartet starke operative Marge von 15,3 Prozent. Das war ein Plus von 3,2 Prozentpunkten und auch mehr, als Analysten dem Geschäft zugetraut hatten. Der höhere Anteil von großen Reifen sowie günstigere Preise für Rohmaterialien und geringere Zoll- und Wechselkurseffekte halfen.
Der Umsatz im Konzern sank vorwiegend wegen des erfolgten Verkaufs eines Unternehmensteils der Kunststofftechniksparte von 4,9 Milliarden Euro auf 4,4 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sank um fast die Hälfte auf 274 Millionen Euro, weil unter anderem im vergangenen Herbst das gesamte Autozuliefergeschäft abgespalten worden war. Den Ausblick auf das Geschäftsjahr passte Conti nach der vereinbarten milliardenschweren Veräußerung der restlichen Kunststofftechniksparte Contitech an. Insgesamt soll der Umsatz 2026 zwischen 13,2 und 14,2 Milliarden Euro liegen, die bereinigte operative Marge bei 12,0 bis 13,5 Prozent.
Zalando verfehlt Erwartungen und verringert Prognose
Zalando hat mit seinen Quartalsergebnissen die Markterwartungen verfehlt. Daraufhin äußerte sich Europas größter Online-Modehändler am Dienstag zurückhaltender zu den Aussichten für das Gesamtjahr. Das Wachstum des über die Plattform gehandelten Brutto-Warenvolumens (GMV) und des Konzernumsatzes werde voraussichtlich am unteren Ende der angepeilten Spanne von zwölf bis 17 Prozent liegen. Die Prognose für den operativen Gewinn engte das Unternehmen auf 680 bis 720 Millionen von zuvor 660 bis 740 Millionen Euro ein. „Die Konkretisierung der Jahresprognose spiegelt die Ergebnisse des ersten Halbjahres wider und keine geänderten Erwartungen für den Rest des Jahres.“
Im abgelaufenen Quartal wuchsen GMV und Umsatz jeweils um knapp 21 Prozent auf 4,92 beziehungsweise 3,42 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war vor allem das Firmenkundengeschäft. Das bereinigte Betriebsergebnis verbesserte sich um rund zehn Prozent auf 204,8 Millionen Euro. Hierbei drückten die Kosten für die Integration des übernommenen Wettbewerbers About You auf die Marge.
Nachfolger für Biontech-Gründer gefunden
Lange war unklar, wer in die Fußstapfen des Biontech-Gründers Uğur Şahin treten wird. Nun steht fest, dass der Manager Guido Oelkers den Posten als Vorstandsvorsitzender spätestens zum 1. Februar 2027 übernehmen wird, das hat das Mainzer Biotechnologieunternehmen am Montag verkündet. Er bringt 30 Jahre Erfahrung in der Pharmaindustrie mit. Oelkers wechselt von dem weltweit tätigen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum AB (Sobi), bei dem er seit 2017 als Geschäftsführer tätig war. Zuvor bekleidete er Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen, darunter bis zum Jahr 1999 bei der Hoechst AG, anschließend bei der heute zu Sanofi gehörende Aventis Pharma S.A., dem schwedischen Dialysespezialisten Gambro AB sowie beim Medizinprodukthersteller BSN Medical Holding.
Mit der Einführung neuer Produkte auf dem US-Markt soll sich Oelkers auskennen. Die Mainzer erhoffen sich daher, dass der neue Chef die Kommerzialisierung ihrer Krebspipeline, insbesondere des Hoffnungsträgers Pumitamig, voranbringt. Der Wirkstoff soll gegen verschiedene Krebsarten, darunter Brustkarzinome, Darm- und Magenkrebs und zwei Varianten von Lungentumoren, eingesetzt werden. „Mein besonderer Fokus wird darauf liegen, das Unternehmen bis 2030 zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten weiterzuentwickeln“, wird Oelkers in der Mitteilung des Unternehmens zitiert.
Die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci werden das Unternehmen bis Jahresende verlassen, um ein neues Start-up zu gründen. Dieses wird sich auf die Weiterentwicklung der sogenannten mRNA-Technologie, auf der unter anderem der Covid-19-Impfstoff basiert, fokussieren. Das hatte das Biotechnologieunternehmen im März bekanntgegeben. Für die Forschungschefin Türeci hat Biontech bisher noch keinen Nachfolger gefunden. Die Suche laufe aber nach Plan, heißt es vom Unternehmen. Gesucht würden Führungskräfte mit „herausragender medizinischer und wissenschaftlicher Expertise“ und einer „umfassenden Erfahrung“ in der spätklinischen Entwicklung. Ihr Ehemann Şahin zeigt sich über die Wahl seines Nachfolgers zufrieden: „Mit Guido Oelkers an der Unternehmensspitze bin ich zuversichtlich, dass Biontech in einer starken Position ist, um ihre Vision zu verwirklichen.“ Auch versichert Şahin für einen reibungslosen Übergang unterstützen zu wollen.
Shell verkauft europäisches Onshore-Geschäft an Total
Der britische Energiekonzern Shell verkauft sein europäisches Onshore-Geschäft mit erneuerbaren Energien an den französischen Konkurrenten Totalenergies. Die Transaktion umfasse Anlagen in Italien, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien, teilte Shell am Montag mit. Einen Kaufpreis nannte das Unternehmen nicht. Der Abschluss werde bis Ende 2026 erwartet.
Das Paket beinhaltet Totalenergies zufolge rund 500 Megawatt an in Betrieb oder im Bau befindlichen Solar- und Windkraftanlagen sowie eine Projektpipeline von 3,5 Gigawatt. Gleichzeitig kündigte TotalEnergies an, einen Anteil von 50 Prozent an einem weiteren europäischen Erneuerbaren-Portfolio mit einer Kapazität von 1,2 Gigawatt an den Finanzinvestor KKR zu veräußern. Dieses Portfolio werde mit 1,8 Milliarden Euro bewertet.
Die Verkäufe spiegeln die unterschiedlichen Strategien der beiden Konzerne wider: Shell-Chef Wael Sawan fährt seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren die Investitionen in erneuerbare Energien zurück, um sich stärker auf das klassische Fördergeschäft sowie den Handel zu konzentrieren. Totalenergies erklärte seinerseits, die Transaktionen stünden im Einklang mit der Strategie, Kapazitäten in wichtigen Märkten aufzubauen und gleichzeitig bis zur Hälfte der eigenen Erneuerbaren-Bestände mit Gewinn zu veräußern. Der französische Konzern kommt in Europa bei erneuerbaren Energien auf eine installierte oder im Bau befindliche Kapazität von fast zehn Gigawatt.
Deutz darf Rüstungsunternehmen FFG kaufen
Der Motorenhersteller Deutz aus Köln hat grünes Licht für die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) bekommen. Das Bundeskartellamt hat die geplante Transaktion am Freitag im Vorprüfverfahren freigegeben.
Kartellamtschef Andreas Mundt bezeichnete die Übernahme als unproblematisch aus wettbewerblicher Sicht. „Zwar stärkt Deutz damit seine Rüstungssparte, die Tätigkeitsbereiche beider Unternehmen überschneiden sich aber nicht“, sagte er laut einer Pressemitteilung. Auch spiele FFG als Abnehmer von Motoren bislang keine bedeutende Rolle, sodass für andere Motorenhersteller kein wesentlicher Kunde wegfalle.
Deutz stellt vor allem starke Motoren für Traktoren oder Bagger her. Darüber hinaus kommen Deutz-Motoren und Generatoren laut Kartellamt für militärische Spezialfahrzeuge und die Stromversorgung des Militärs zum Einsatz.
Das Flensburger Rüstungsunternehmen FFG ist auf die Entwicklung, Fertigung und Instandhaltung von gepanzerten Ketten- und Radfahrzeugen spezialisiert. Unter anderem stellt FFG Module für den Kampfpanzer Leopard 2 her, die den Einsatz als Berge-, Pionier-, Minenräum- oder Brückenlegepanzer ermöglichen.
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