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Es wirkt wie eine Szene aus einem Naturfilm: Im kleinen Apennin-Bergdorf Villetta Barrea spiegeln sich die Häuser im stillen Wasser des Sees, ringsum ragen die bewaldeten Berge des Nationalparks Abruzzen auf. Und mitten durch die Straßen ziehen Hirsche – frei, gelassen und längst an die Menschen gewöhnt. Für Besucher ist das ein außergewöhnliches Schauspiel.

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Doch immer häufiger kommen die Menschen den Tieren zu nahe. Allein in der vergangenen Woche kam es zu drei Vorfällen, bei denen Italien-Touristen verletzt wurden, weil sie sich den Tieren genähert hatten. Die Vorfälle sorgten für Aufregung und bewegten die Gemeinde dazu, Maßnahmen zu ergreifen.
Touristen durch Hirsche verletzt: Italienische Gemeinde führt Bußgeld ein
Die Bürgermeisterin von Villetta Barrea, Giuseppina Colantoni, hat eine Verordnung zum Schutz von Menschen und Wildtieren unterzeichnet. Wer einem Hirsch zu nahe kommt, muss künftig mit einem Bußgeld von bis zu 500 Euro rechnen. Grundsätzlich gilt ein Mindestabstand von 25 Metern zu den Tieren. Sind Weibchen mit ihren Jungen unterwegs, müssen es sogar 50 Meter sein. Verboten ist außerdem, den Tieren den Weg zu versperren, sie gezielt anzulocken oder für Fotos und Videos näher heranzulocken. Auch das Füttern der Hirsche ist untersagt. Hunde müssen an einer kurzen Leine geführt werden.
Villetta Barrea liegt im Herzen des Nationalparks der Abruzzen, der für seine große Wildtier-Vielfalt berühmt ist, und ist seit jeher für die ungewöhnliche Nähe zwischen Menschen und Hirschen bekannt. Die Tiere gehören hier gewissermaßen zum Ortsbild. Gerade deshalb ist die Gemeinde mit einem schwierigen Balanceakt konfrontiert: Die Hirsche sollen weiterhin frei durch den Ort ziehen können – gleichzeitig müssen Menschen lernen, dass ein scheinbar friedliches Wildtier nicht gestreichelt werden möchte. Besonders sensibel ist die Situation während der Paarungszeit und wenn die Tiere ihren Nachwuchs verteidigen. Dann können selbst Hirsche, die an die Nähe von Menschen gewöhnt sind, unerwartet reagieren.
„Respekt gegenüber den Tieren“: Große Nationalparks stellen Regeln auf
„Die Sicherheitsdistanz ist kein Detail, sondern eine Form des Respekts gegenüber den Tieren und zugleich eine Garantie für unsere eigene Sicherheit“, sagt Marco Antonelli, Spezialist für Wildtier- und Artenschutz beim WWF Italia. Er verweist darauf, dass auch der Yellowstone-Nationalpark in den USA deutlich größere Abstände empfiehlt: mindestens 100 Meter zu Bären und Wölfen und 25 Meter zu anderen Wildtieren. Solche Grenzen müssten immer an die jeweilige Situation angepasst werden. Wer die Hirsche beobachten wolle, sollte deshalb nicht näher kommen, sondern Abstand halten. Fernglas und Teleobjektiv seien die besseren Begleiter als Selfie-Stick und Smartphone.
Der Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise ist für seine vielfältige und seltene Tierwelt bekannt. Neben großen Beständen an Hirschen leben dort auch Apenninwölfe und der besonders geschützte Marsikanische Braunbär. Vor allem die Hirsche sind für Besucher häufig zu sehen, während Begegnungen mit Wölfen und Bären deutlich seltener sind. Der Nationalpark zählt zu den wichtigsten Schutzgebieten für die Tierwelt der zentralen Apenninen.