Separatisten gewinnen Wahl in Quebec – droht jetzt ein Unabhängikeitsreferendum?

Stand: 06.10.2026, 13:40 Uhr

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Die Parti Québécois kehrt nach mehr als einem Jahrzehnt an die Regierung zurück. Parteichef Paul St-Pierre Plamondon will Quebec langfristig von Kanada unabhängig machen, plant ein neues Referendum aber frühestens für 2029.

Quebec – Die separatistische Parti Québécois hat die Wahl in der kanadischen Provinz Quebec gewonnen, eine eigene Mehrheit jedoch verfehlt. Prognosen zufolge erhält die Partei rund 30 Prozent der Stimmen und etwa 59 bis 60 der 127 Sitze im Parlament. Für eine Mehrheit wären 64 Sitze erforderlich. Das berichtet die BBC.

Paul St-Pierre Plamondon, Abgeordneter der Nationalversammlung von Québec, freut sich über den Wahlsieg.

Paul St-Pierre Plamondon, Abgeordneter der Nationalversammlung von Québec, freut sich über den Wahlsieg. © IMAGO/Graham Hughes

Parteichef Paul St-Pierre Plamondon dürfte neuer Premierminister der Provinz werden. Der 49-jährige frühere Anwalt führt die Parti Québécois damit erstmals seit 2014 wieder an die Macht. Wegen der fehlenden Mehrheit muss seine Partei jedoch Unterstützung anderer Parteien suchen, um Gesetze und Haushalte durchzubringen.

Unabhängigkeit von Kanada bleibt Ziel

St-Pierre Plamondon will langfristig erreichen, dass Quebec ein unabhängiger Staat wird. „Quebec verdient es, ein Land zu sein“, erklärte er. Ein neues Referendum über die Abspaltung von Kanada soll nach seinen bisherigen Aussagen allerdings frühestens 2029 stattfinden. Als einen Grund für das Abwarten nannte er die derzeitigen Spannungen zwischen Kanada und den USA unter Präsident Donald Trump. Eine Entscheidung über die Zukunft Quebecs solle in einem ruhigeren Umfeld und nach einer informierten öffentlichen Debatte getroffen werden.

Es wäre das dritte Referendum über die Unabhängigkeit Quebecs. Bereits 1980 und 1995 stimmten die Einwohner darüber ab. Trotz des Wahlsiegs der Parti Québécois unterstützen nach den in den Berichten genannten Umfragen derzeit nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung eine Unabhängigkeit der Provinz.

Regierungspartei stürzt ab

Für die bisher regierende Coalition Avenir Québec bedeutet die Wahl eine schwere Niederlage. Die Partei war acht Jahre lang an der Macht. Prognosen zufolge könnte sie laut POLITICO Von bislang 90 Abgeordneten auf möglicherweise keinen einzigen Sitz abstürzen. Parteichefin Christine Fréchette übernahm die Verantwortung für das schlechte Ergebnis.

Die föderalistische Quebec Liberal Party dürfte dagegen zweitstärkste Kraft werden. Je nach Prognose kommt sie auf etwa 33 bis 40 Sitze. Bei der vorherigen Wahl hatte sie 21 Mandate gewonnen.

Der Wahlsieg der Separatisten bedeutet dabei nicht automatisch einen starken Anstieg der Unterstützung für eine Abspaltung von Kanada. Analysten führen das Wahlergebnis auch auf die Unzufriedenheit mit der bisherigen Regierung zurück, unter anderem wegen der hohen Lebenshaltungskosten und Problemen im Gesundheitswesen.

Konflikte mit Ottawa erwartet

Der kanadische Premierminister Mark Carney gratulierte St-Pierre Plamondon und erklärte, er wolle mit der neuen Regierung Quebecs zusammenarbeiten. Ein stärkeres Quebec trage auch zu einem stärkeren Kanada bei. St-Pierre Plamondon hat das Verhältnis zur kanadischen Bundesregierung dagegen als Machtkampf beschrieben. Er kündigte an, sich gegen Entscheidungen zu stellen, die aus seiner Sicht die Zuständigkeiten oder die besondere Identität Quebecs missachten.

Auch innerhalb Quebecs strebt er institutionelle Veränderungen an. Kanada ist eine konstitutionelle Monarchie und hat mit Charles III. Denselben König wie Großbritannien. St-Pierre Plamondon möchte die mit der Monarchie verbundenen Einrichtungen in Quebec abschaffen und die dafür verwendeten Gelder stattdessen für soziale Angebote einsetzen, insbesondere zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit. (Redaktion) Weitere Quellen: France 24, Insurance Business.