Sind Film- und Kunstkritik Luxus?

Unsere Autorin Sarah Alberti bekommt einen Preis für ihre Kunstkritik, auf dem Filmfestival Venedig reflektiert das Kino die sich verändernde Rolle des Journalismus, Harald Welzer analysiert die Großlage. Der „Freitag!“-Blick auf den Tag

Im deutschen Pavillon

Foto: Clelia Cadamuro

Hallo,

Gespräche über Kunst und Film fühlen sich in dieser Woche einmal mehr wie Luxus an. Dabei ist es nicht so, dass Künstler und Filmemacher nichts zur aktuellen Weltlage zu sagen hätten. Im Gegenteil. Nur erfolgt die Auseinandersetzung auf einer anderen Ebene. Wer die Texte von Sarah Alberti liest, wird begreifen, was ich meine.

Alberti schreibt seit 15 Jahren für den Freitag und ist gerade mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik ausgezeichnet worden, wozu wir herzlich gratulieren. Ihr Text über den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig, der in diesem Jahr erstmals von einer ostdeutschen Kuratorin mit zwei ostdeutschen Künstlerinnen gestaltet wurde, ist auf seine Weise ein erhellender Beitrag zu den Themen dieser Tage.

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Manchmal ist es am schönsten, wenn sich im Kino die Aktualität wie zufällig ergibt und eben nicht geplant ist. So haben die Festivalmacher von Venedig ihr Programm sicher nicht nach bestimmten Themen ausgewählt. Und doch ergibt sich dieses Jahr ein roter Faden mit Filmen über Journalismus und Journalisten, in denen deutlich wird, wie stark sich deren Rolle in der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

1. Heute wichtig

  • Die Linke fuhr mit 8,6 Prozent in Sachsen-Anhalt ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990 ein. Parteiurgestein Gregor Gysi erklärt im Gespräch mit Dorian Baganz, wie es dazu kam.
  • Keine ernst gemeinte Frage: Dirk Oschmann weiß, warum die AfD ausgerechnet in einem der ärmsten Bundesländer so stark ist.
  • Ein Gespräch über das Wetter ist heute alles andere als eine Ablenkung von ernsteren Themen: ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke erzählt, dass er in aufgeheizten Zeiten nicht nur Applaus bekommt.

2. Made My Day

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Das vollautomatische Katzenklo. Wenn sich Lebensprobleme per Einkauf von Gadgets lösen lassen, bin ich schnell dabei. Alle fünf der Technikneuheiten, die Lilli Zenth für uns als Fundstücke von der Elektronikmesse IFA vorstellt, würde ich am liebsten sofort bestellen. Ein Kleiderschrank, der bügelt! Ein Katzenklo, das sich selbst reinigt! Da fehlt mir jetzt eigentlich nur noch die Katze dazu …

Zu den Tipps ➜

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu schauen: Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle als Kinostart der Woche The Uprising – Für die Freiheit empfehlen, den neuen Film von Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung), in dem es um den englischen Bauernaufstand von 1381 geht. Obwohl Greengrass den historischen Stoff als Thriller behandeln und den Zuschauer hautnah am Geschehen teilhaben lassen will, langweilt der Film mit seiner Mittelalterinszenierung, die vor allem aus Schlamm, härenen Gewändern und grober Gewalt besteht.

Stattdessen vielleicht lieber zu Hause bleiben und sich der letzten Staffel von Babylon Berlin widmen? Steffen Grimberg hat vorgesichtet und schreibt sehr angetan über die Serie und ihre unangenehm berührenden Parallelen zur Gegenwart.

Zum Trailer

4. Lese-Empfehlung

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➜ Wenn die alten Erfolgsmuster nicht mehr greifen: Harald Welzer versucht in seinem Beitrag für den Freitag die Gesamtsituation der westlichen Welt zwischen Klimawandel und Erstarkung des Rechtsextremismus in den Blick zu nehmen. Könnte eine Art „geordneter Rückzug“ eine Strategie für die nahe Zukunft sein?

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Harald Welzer: „Der Westen muss sich von vier zentralen Illusionen verabschieden“

Bereits 1989 legte der Psychologe Dietrich Dörner mit „Die Logik des Misslingens“ eine Untersuchung darüber vor, weshalb komplexe Systeme scheitern – ein Befund, der angesichts der aktuellen Belastungsproben für unser westliches System kaum aktueller sein könnte. Man denke nur an die radikal gewandelte geopolitische Ordnung, das Wiederaufleben von Kriegstreiberei und Imperialismus, die Trump-Ära mit ihrem erstarkenden Rechtspopulismus, den schwindenden Stellenwert der deutschen Autoindustrie, ausgetrocknete Flussbetten und bislang 12.000 Todesopfer durch Hitze.

„Bislang“ ist das entscheidende Wort. Keiner dieser Belastungsfaktoren lässt erkennen, dass er sich von selbst erledigen würde; vielmehr ist damit zu rechnen, dass sich ihre schädlichen Effekte künftig fortsetzen und eher noch zuspitzen. Vieles spricht dafür, dass sich das gesamte System in einer anhaltenden Abwärtsspirale befindet, ohne dass sich irgendwo ein Weg abzeichnet, diese Entwicklung einzudämmen oder gar umzukehren.

(…)

➜ Zum ganzen Text

Das wär's für heute. Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Viele Grüße,

Ihre

Barbara Schweizerhof

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