Ski alpin: Schweizerin Lara Gut-Behrami beendet ihre Karriere

Lara Gut-Behrami präsentierte das strahlendste Lächeln des alpinen Ski-Weltcups, das sie auch als Kalender-Girl gewinnbringend zu vermarkten wusste. Und beschwerte sich vehement darüber, dass im Social-Media-Zeitalter immer alles nur nett und schön aussehen müsse und deswegen niemand mehr ehrliche Emotionen zeige – die Fassade wertvoller geworden sei als die Wahrhaftigkeit.

Sie wurde von außergewöhnlichem Ehrgeiz angetrieben, akzeptierte selbst zweite Plätze bisweilen nur mit gespieltem Lächeln. Und kämpfte stets dagegen an, ausschließlich an Platzierungen gemessen und beurteilt zu werden – weil dabei die Persönlichkeit hinter der Sportlerin vergessen werde.

Sie fuhr elegante und zugleich riskante Linien, genoss das reine Skifahren über alle Maßen – und betonte stets, dass es harte Arbeit sei, die Dinge leicht aussehen zu lassen, weil das Erreichen vermeintlicher Perfektion nur mit höchstmöglichem Einsatz und Trainingseifer verbunden sei.

Elegant und auf engster Linie unterwegs: Lara Gut-Behrami auf dem Weg zu ihrem WM-Titel in Crans-Montana 2021
Elegant und auf engster Linie unterwegs: Lara Gut-Behrami auf dem Weg zu ihrem WM-Titel in Crans-Montana 2021AFP

Gut-Behrami machte es sich und ihrem Publikum nicht leicht. Sie raste schon als Teenager auf Siegerpodeste und in direkter Linie in die Herzen der Schweizer – und wehrte sich gleichermaßen vehement wie vergeblich gegen die Vereinnahmung durch die Öffentlichkeit. Ihren Frieden fand sie erst, als sie mit ihrem Ehemann nach Italien zog.

Nun erklärte die Fünfunddreißigjährige mitten im Hochsommer ihren Rücktritt vom Skirennsport – und erwischte damit auch den Schweizer Skiverband unerwartet auf dem Innenski.

„Ich hatte das Glück und die Ehre, eine sehr lange Karriere erleben zu dürfen, meine Träume und Wünsche durch mein Skifahren zum Ausdruck bringen zu können und diese Reise an der Seite außergewöhnlicher Menschen zu erleben“, schrieb sie nun in ihrem „Abschiedsbrief“. Nun habe sie das Gefühl, „dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist“. Es sei der Moment, „in dem ich nicht mehr um jeden Preis darauf bestehen muss, meine Grenzen zu erreichen und zu überschreiten“.

Glänzende Karriere voller Höhepunkte

Die goldenen Höhepunkte ihrer glänzenden sportlichen Laufbahn mit 48 Weltcup-Siegen und zwölf Medaillen bei Großereignissen erreichte die polyglotte Tessinerin, die Italienisch, Französisch, Deutsch und Englisch fließend parliert, nachdem sie schon erste Verletzungen und Karriererückschläge überwinden musste.

2021 avancierte sie zur Doppel-Weltmeisterin, ein Jahr danach krönte sie sich als Olympiasiegerin im Super-G. 2024 gewann sie zudem ein zweites Mal nach 2016 den Gesamt-Weltcup – und erweckte den Eindruck, den Schlüssel für ewige Jugend gefunden zu haben.

Lara Gut-Behrami: „Trotz fast 20 Jahren Spitzensport, trotz Stürzen und Verletzungen habe ich keine wiederkehrenden Schmerzen und möchte auch keine haben.“
Lara Gut-Behrami: „Trotz fast 20 Jahren Spitzensport, trotz Stürzen und Verletzungen habe ich keine wiederkehrenden Schmerzen und möchte auch keine haben.“dpa

Danach war erwartet worden, dass sie bis zur Heim-WM im Februar 2027 in Crans-Montana weiter fahren werde – denn so könne sie doch nicht aufhören. Doch sie konnte, denn Lara Gut-Behrami wäre nicht Lara Gut-Behrami, wenn sie die allzu offensichtlichen Erwartungen von Funktionären und Fans erfüllen würde.