Schnelles Ende
Social-Media-Sucht: US-Bundesstaaten wollen sich mit Meta vergleichen
Der angekündigte Jahrhundertprozess könnte für den Social-Media-Riesen glimpflich ausgehen. Mehrere Staatsanwälte haben Pressekonferenzen angekündigt
Die Vorwürfe wiegen schwer: Meta habe Kinder und Jugendliche abhängig gemacht, psychologische Tricks angewendet um sie abhängig gemacht und darüber in der Öffentlichkeit gelogen, so lautet der Vorwurf der Staatsanwältin aus Kalifornien gegen den Social-Media-Riesen. 28 ihrer Amtskollegen haben sich dieser Argumentation angeschlossen und geklagt. 1,4 Billionen Dollar standen als Strafe im Raum. Doch offenbar wird hinter den Kulissen verhandelt und Meta könnte mit einer Vergleichszahlung glimpflich davonkommen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Bloomberg berichtet haben Meta Platforms und die Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten einen möglichen Vergleich während des laufenden Prozesses verhandelt. 29 US-Bundesstaaten hatten geklagt, weil Meta vor allem Kinder und Jugendliche vorsätzlich geschadet haben soll.
Darüber hinaus haben mehrere Kläger am Dienstagabend Pressekonferenzen angekündigt, die darauf hindeuten, dass die Verhandlungen erfolgreich waren. So hat der Generalstaatsanwalt von Nevada mitgeteilt man plane die Bekanntgabe "eines bedeutenden Verbraucherschutzvergleichs, der ein führendes Technologieunternehmen betrifft". Meta sowie die Staatsanwälte von Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey reagierten außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht auf Bitten um Stellungnahme.
Sollten sich die Informationen bewahrheiten, kommt Meta höchstwahrscheinlich mit einer Zahlung davon. Selbst wenn diese empfindlich ausfällt, ist das für den Social-Medie-Riesen immer noch ein glimpflicher Ausgang. Mehrere US-Bundesstaaten verlangen in dem Prozess Beschränkungen bei Instagram- und Facebook-Funktionen sowie eine massive Strafzahlung von rund 200 Milliarden Dollar (rund 173 Milliarden Euro). Sie ergibt sich daraus, dass die Generalstaatsanwaltschaften für jeden betroffenen Heranwachsenden im Land mehrere tausend Dollar Strafe veranschlagen. Insgesamt könnte das eine Strafe von bis zu 1,4 Billionen Dollar ergeben.
Meta: "Social-Media-Sucht ist keine anerkannte Erkrankung"
Die Forderungen sind Teil einer breiteren Klagewelle von Bundesstaaten, Kommunalverwaltungen, Schulbezirken und Privatpersonen. Sie werfen Meta und anderen Social-Media-Unternehmen vor, eine landesweite Krise der psychischen Gesundheit bei Jugendlichen befeuert zu haben. Nicht nur habe Meta demnach gegen die Verbraucherschutzgesetze der Staaten Colorado, Kalifornien, Kentucky und New Jersey verstoßen, sondern auch gegen das Bundesgesetz zum Schutz der Privatsphäre von Kindern.
Ausgangspunkt des Verfahrens sind die sogenannten "Facebook Files", die die Whistleblowerin Frances Haugen Ende 2021 an die Öffentlichkeit brachte. Die tausenden Seiten an internen Dokumenten belegen, dass Meta die Folgen seiner Plattformen auf die psychische Gesundheit von Minderjährigen genau untersucht hatte. Doch obwohl dem Konzern die schädlichen Effekte bewusst waren, spielte er öffentliche Bedenken konsequent herunter. Mehr noch: Meta soll seine Netzwerke gezielt so programmiert haben, dass sie bei jungen Menschen Suchtverhalten auslösen. Auf diese Enthüllungen hin starteten Dutzende US-Bundesstaaten eine gemeinsame Untersuchung, die zwei Jahre später in der aktuellen Klage von 29 Staaten mündete.
Das Unternehmen soll personenbezogene Daten von Nutzern – von denen es wusste, dass es sich um Kinder handelte – ohne Benachrichtigung oder Zustimmung der Eltern gesammelt haben. Diese Daten sollen zudem genutzt worden sein, um Modelle für maschinelles Lernen und generative KI zu trainieren.
Meta hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und erklärt, das Unternehmen habe hart daran gearbeitet, Kinder auf seinen Plattformen zu schützen. Der Konzern argumentierte zudem, man habe Verbraucher nicht darüber täuschen können, ob die eigenen Dienste süchtig machen, da "Social-Media-Sucht" keine medizinisch anerkannte psychiatrische Erkrankung sei. (Reuters, pez, 26.8.2026)
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