Sprit knallt durch die Decke: Schwesig fordert Preisdeckel – und attackiert Merz heftig

Spritpreise auf Rekordhoch: Schwesig ist vor der MV-Wahl „ziemlich sauer“ auf Merz

Stand: 15.09.2026, 07:43 Uhr

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Wenige Tage vor der Landtagswahl macht Ministerpräsidentin Schwesig die Spritpreise zum großen Thema. Sie grenzt sich damit auch von Berlin ab.

Schwerin – Manuela Schwesig hat scharfe Kritik an Kanzler Friedrich Merz geübt. Grund sind die Spritpreise, die in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht haben. Wenige Tage vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern machte die SPD-Spitzenkandidatin ihrer Verärgerung entsprechend Luft. „Die Spritpreise knallen gerade durch die Decke“, sagte sie beim Bürgerdialog in Rostock. Wer pendle, könne sich das nicht leisten, klagte Schwesig. Auch die Landwirtschaft leide darunter.

Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern - SPD

Der Unmut in Mecklenburg-Vorpommern ist groß – auch weil die Spritpreise neue Rekorde brechen. Vor der MV-Wahl 2026 setzt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf das Thema. © Philip Dulian/dpa

Die Ministerpräsidentin forderte zwei konkrete Maßnahmen: die Wiedereinführung des Preisdeckels auf Treibstoff und eine Übergewinnsteuer für die großen Ölkonzerne. Ihren Angaben nach machen die Petrolriesen derzeit Milliardengewinne auf Kosten des Klein- und Mittelstands. „An der Stelle bin ich ziemlich sauer auf Bundeskanzler Merz“, der alle Vorschläge der SPD dazu ablehne. 

Hohe Spritpreise: Schwesig fordert vor Wahl in Mecklenburg-Vorpommern erneut Preisdeckel für Benzin

Schwesig macht keinen Hehl aus ihrer Erwartung an Merz. „Ich erwarte vom Kanzler, dass er nicht mehr länger zuschaut, sondern ins Handeln kommt“, sagte sie. Es ist nicht das erste Mal, dass Schwesig die Forderung im Wahlkampf erhebt – diese gewinnt angesichts des aktuellen Rekordhochs für Sprit an den Tankstellen aber an Aktualität. Spritpreise sind ein Reizthema in der Politik, das für viel Unmut mit der Bundesregierung sorgt, an der auch die SPD beteiligt ist.

Schwesig versucht deshalb im Wahlkampf, sich bei dem Thema wie auch etwa bei der unpopulären geplanten Rentenreform von Berlin abzusetzen. Denn gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern sind viele Menschen auf ihr Auto angewiesen. Einen bundesweiten Spritpreisdeckel kann Schwesig als Ministerpräsidentin allerdings nicht selbst beschließen. Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland scheiterten im Juli bereits mit einem entsprechenden Vorstoß im Bundesrat.

Spritpreise in Deutschland: Krisen im Ausland spielen eine Rolle

Die Ursachen für den Preisanstieg liegen teilweise im Ausland. Angriffe der Huthi-Rebellen auf die Ölinfrastruktur Saudi-Arabiens haben den Ölpreis stark steigen lassen. Auch die angespannte Lage zwischen den USA und dem Iran an der Straße von Hormus trägt dazu bei. Sollte Rohöl dauerhaft oberhalb von 110 Dollar je Barrel bleiben, hält ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski der Welt zufolge sogar Dieselpreise von bis zu drei Euro für möglich. Benzin könnte dann auf 2,50 Euro steigen.

Gleichzeitig verbuchen die großen Ölkonzerne Rekordgewinne. Shell meldete für das zweite Quartal 2026 einen bereinigten Nettogewinn von 9,8 Milliarden US‑Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Konzern profitiert dabei nicht nur von höheren Ölpreisen. Auch das Handels- und Raffineriegeschäft läuft stark. Die SPD wirft den Mineralölkonzernen vor, die Krise für zusätzliche Gewinne zu nutzen.

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig macht Spritpreise zum Thema

Das Thema Spritpreise ist für Schwesig auch Wahlkampfstrategie. Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. In den Umfragen vor der MV-Wahl 2026 liegt die SPD von Schwesig knapp hinter der AfD. „Das Rennen ist offen, die Lage ist ernst“, sagte Schwesig auf der Bühne in Rostock.

Im Endspurt spitzt sie die Abstimmung auf ein Duell zwischen SPD und AfD zu. „Nur die SPD kann verhindern, dass die AfD stärkste Kraft wird“, sagte sie. CDU und Grüne kritisieren diese Strategie. Sie werfen Schwesig vor, damit die übrigen demokratischen Parteien zu schwächen. (Quellen: Welt, dpa, Wahlumfragen) (cs)