Bildquelle: Johannes Hoppe
Aktuelle Stunde . 14.09.2026. 40 Min. 38 Sek.. Verfügbar bis 14.09.2028. WDR. Von Henry Bischoff.
Von seinem Kassenhäuschen aus kann er jedes Mal beobachten, wenn die digitale Preisanzeige wieder nach oben springt. Immer wieder müsse er wütenden Tankkunden erklären, dass nicht er persönlich die Preise mache - sondern die Mineralölkonzerne.
Iran-Krieg lässt Preise steigen
2,35 Euro für einen Liter Diesel selbst an einer freien Tanke in Düsseldorf: Beim Preis am Montagvormittag muss man erstmal schlucken. "Früher haben wir 50 Euro für eine Tankfüllung bezahlt, heute über hundert", sagt ein Mann, der gerade getankt hat, dem WDR.
Am 23. Juni lag der Literpreis NRW-weit noch bei rund 1,68 Euro. Seitdem steigt und steigt er. Einmal volltanken mit 50-Liter-Tank macht jetzt 33,50 Euro mehr als am 23. Juni. Damals galt noch der Tankrabatt.
"Damit ich nicht den Schlag kriege, wenn ich volltanke"
Das sagen die Menschen an der Tankstelle in Düsseldorf.
Diese Düsseldorferin hat gerade für 30 Euro getankt. Sie sagt, sie tanke immer, wenn sie etwas über ein Viertel leer habe - "damit ich nicht den Schlag kriege, wenn ich volltanke".
Er fährt wegen der Mutter regelmäßig nach Mönchengladbach, muss alle paar Tage tanken. Oft macht auch er den Tank gar nicht voll bei den hohen Preisen. "Und der größte Hammer ist, dass der Diesel 7 Cent teurer ist als Benzin."
Ärgert er sich über die hohen Spritpreise? "Logisch", sagt dieser Mann. "Dann fahre ich weniger."
Diese Düsseldorferin hat gerade für 30 Euro getankt. Sie sagt, sie tanke immer, wenn sie etwas über ein Viertel leer habe - "damit ich nicht den Schlag kriege, wenn ich volltanke".
Er fährt wegen der Mutter regelmäßig nach Mönchengladbach, muss alle paar Tage tanken. Oft macht auch er den Tank gar nicht voll bei den hohen Preisen. "Und der größte Hammer ist, dass der Diesel 7 Cent teurer ist als Benzin."
Ärgert er sich über die hohen Spritpreise? "Logisch", sagt dieser Mann. "Dann fahre ich weniger."
Nicht nur in Düsseldorf und Dortmund ist Tanken aktuell so teuer - und seit 12 Uhr sogar noch mal teurer. Nach neuen Angriffen auf Ziele in Saudi-Arabien und auf ein Handelsschiff im Persischen Golf ist der Ölpreis deutlich gestiegen - und damit auch die Preise für Diesel und Benzin.
Übers Wochenende erreichte der Preis für Superbenzin der Sorte E10 ein neues Rekordhoch. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter am Sonntag laut ADAC 2,27 Euro. Das waren 1,7 Cent mehr als am Freitag. Diesel legte sogar um 3,5 Cent zu. Ein Liter kostete am Sonntag im Tagesschnitt 2,40 Euro - und war damit nur noch 4,3 Cent von seinem Rekord aus dem April entfernt.
Bis auf drei Euro könne der Spritpreis noch steigen, warnte der Tankstellen-Interessenverband am Montagmittag. Er vertritt die Interessen der Tankstellenbetreiber.
Hier seht ihr den tagesaktuellen mittleren Preis für E5, E10 und Diesel in NRW:
Wie der Verlauf der Preise für Diesel, E10 und E5 in der Gesamtübersicht seit Januar aussieht, könnt ihr hier nachverfolgen:
Blockierte Ölwege: Deshalb steigt der Spritpreis
Derweil wirkt die geopolitische Situation besonders festgefahren. Laut Meldungen gibt es große Probleme bei wichtigen Ölwegen: Der Iran blockiert die Straße von Hormus, die Huthi-Miliz im Jemen bedroht die Meerenge Bab al-Mandab und Saudi-Arabien muss deshalb eine wichtige Öl-Pipeline abschalten. Dadurch gibt es weniger Öl - und deshalb werden die Preise an den Tankstellen teurer.
Die gute Nachricht aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Auf die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas wirke sich die Situation derzeit nicht aus. "Engpässe sind hier derzeit nicht zu erwarten", sagte eine Sprecherin am Montag. Deutschland beziehe über die Route durch die Meerenge Bab al-Mandab weder Gas noch LNG oder Öl.
Im Oman wollen der Iran und Länder am Persischen Golf am Montag über die umkämpfte Straße von Hormus sprechen. Bei dem Treffen sollen die Außenminister aus dem Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien dabei sein. Ob das eine Entspannung für den Ölpreis bringt, ist ungewiss.
Preis geht sofort hoch, aber runter dauert - der "Rakete-und-Feder-Effekt"
Doch selbst wenn der Ölpreis sinken sollte: Es wird vermutlich mal wieder dauern, bis das an die Menschen an der Tankstelle weitergegeben wird. Die Rede ist hier vom sogenannten "Rakete-und-Feder-Effekt". Sinkende Kosten werden bei Spritpreisen langsam an die Tankstellen-Kunden weitergegeben, Preissteigerungen am Ölmarkt - wie auch an diesem Wochenende - dagegen sofort.
Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?
Es ist aber nicht nur der Ölpreis, der den Spritpreis bestimmt. Viktoria Wettengel aus der WDR-Wirtschaftsredaktion erklärt: "Es wirken auch Energiesteuer, CO2-Preis und Mehrwertsteuer in den Tankpreis ein."
Dazu kommt: Öl wird in US-Dollar gehandelt: Ein schwacher Euro würde Ölimporte für Deutschland verteuern, erklärt Viktoria Wettengel. In den letzten Tagen und Wochen gab es beim Euro einen klaren Abwärtstrend. "Diese Woche steht die Entscheidung der US-Notenbank Fed an, die den Dollarkurs beeinflussen." Der direkte Einfluss auf die Spritpreise sei da aber begrenzt.
Wann günstig tanken?
Der ADAC empfiehlt Autofahrerinnen und Autofahrern, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken. Zu diesem Zeitpunkt seien die Kraftstoffpreise im Tagesverlauf in der Regel am niedrigsten. Um 12 Uhr steigen sie stark an und fallen anschließend langsam wieder. Unterstützung bei der Suche nach preiswerten Tankstellen bieten Spritpreis-Apps.
Im März knackte der Liter Diesel die Zwei-Euro-Marke. Fällt demnächst auch die Drei-Euro-Marke? Auf diese Frage sagt Viktoria Wettengel aus der WDR-Wirtschaftsredaktion: "Es ist nicht vorhersehbar, wie der Spritpreis sich die nächsten Wochen und Monaten entwickelt." Halten die Konflikte im Golf an und Öl geht eher Richtung 100 bis 150 Dollar je Barrel, bleibe Sprit teuer - oder werde noch teurer.
Entspannt sich die Lage an den Seewegen oder greift die Politik mit gezielten Entlastungen ein, könnte der Preisdruck nachlassen, so Wettengel. Wegen knapper Haushaltsmittel seien Maßnahmen wie ein weiterer Tankrabatt aber politisch umstritten.
Spritpreise als Politikum
Klar aber ist: Weil das Thema so viele Menschen betrifft, ist es gerade in Wahlkampfzeiten ein Politikum. So forderte, wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die dortige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) einen Spritpreisdeckel. Ähnlich äußertde sich Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Auch CSU-Chef Markus Söder forderte neue Entlastungen, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu nennen.
Reiche für Direktzahlungen an Geringverdiener
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach sich am Montag für Direktzahlungen an Geringverdiener aus. "Dies wäre eine Möglichkeit, schnell zu entlasten, aber dies gezielt zu tun", sagte sie den Sendern RTL und ntv. "Ein entsprechendes Tool liegt vor." Unterstützung bekam sie dabei von Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.
Der Wirtschaftsrat der CDU hielt dagegen, immer neue Tankrabatte oder staatliche Preisdeckel seien "keine Lösung". Im Zweifel müsse das Bundeskartellamt handeln und seine Möglichkeiten ausschöpfen. Das teilte am Montag mit, die bereits seit Mai laufenden Verfahren weiter "mit hoher Intensität" zu betreiben. Diese Verfahren würden aber Zeit brauchen. Das Kartellrecht könne deshalb "keine kurzfristigen Antworten auf jede Preisbewegung geben".
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen Reuters und Dpa
- Pressemitteilung ADAC "Spritpreise steigen weiter"
- Viktoria Wettengel aus der WDR-Wirtschaftsredaktion
- Hintergrundgespräch mit Samira Sultan vom IW-Köln
- Reporter an Tankstelle in Düsseldorf
- Gespräch mit Tankstellenbesitzer Guido Eisenberg
Sendung: WDR.de, Tanken ist sehr, sehr teuer, 14.09.2026, 15:24