LANUK warnt vor krebserregenden Stoffen: Anwohner nach Schrottplatz-Brand in Essen alarmiert

Der Brand auf dem Schrottplatz in Essen-Katernberg hat Spuren hinterlassen. Nicht nur auf dem Platz selbst, sondern auch daneben. Das bekommen die Anwohner jetzt deutlich zu spüren. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind das Problem. Die können krebserzeugend sein. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) gibt deshalb eine lange Liste von Empfehlungen heraus.

  • Obst und Gemüse aus den Gärten oder vom Balkon sollte nicht gegessen werden.
  • Alle Außenflächen sollten gründlich gereinigt werden.
  • Bei Sandkästen sollte vorsorglich die erste Schicht abgetragen und erneuert werden.
  • Teichwasser sollte ausgetauscht werden.

Eigenanbau sollte Geldbeutel entlasten

Gerade eine der Empfehlungen tut der Anwohnerin Johanna Lohkämper, die in unmittelbarer Nähe des Schrottplatzes wohnt, richtig weh. Sie hat Obst und Gemüse angebaut, was jetzt in die Tonne muss und der Nutzgarten sollte eigentlich ihren Geldbeutel schonen.

Johanna Lohkämper in einem blauen Kapuzenpulli in ihrem Garten
"Geld ist momentan knapp bei der Wirtschaftslage und ich hab das alles hier halt alles angebaut, um die Kasse ein bisschen zu entlasten und das trifft mich sehr." Anwohnerin Johanna Lohkämper

Stadt Essen: "Daten lagen erst Freitag vor"

Egal ob Rhabarber, Spinat, verschiedene Kohlsorten, Tomaten kurz vor der Ernte, Kräuter, Mais, Zucchini, rote Beete, Erdbeeren, ein frisch gesetzter Kirschbaum - alles ist von den Folgen des Brands betroffen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie mit Schadstoffen belastet sind.

Oft spricht das LANUK solche Empfehlungen kurze Zeit nach einem Brand aus. Die Stadt Essen wollte aber auf die Ergebnisse der Wischproben warten: "Die Daten lagen erst letzte Woche Freitag vor - nicht unmittelbar nach dem Brand. Daher sind wir erst dann der Empfehlung gefolgt und haben den Nicht-Verzehr empfohlen", sagt Burkhard Leise von der Stadt Essen.

Die Stadt unterscheidet zwischen Nicht-Verzehr-Empfehlung und Nicht-Verzehr-Gebot. Aktuell sei dies also ein Rat und es obliege dem Bürger, ob er sich daran hält. Der Fall wird immer noch aufgearbeitet.

Kinder ernten das Obst und stecken es sich in den Mund

Die Situation von Johanna Lohkämper ist besonders. Der Garten ist für ihre Kinder ein Ort, indem sie frei toben können. Dabei kommt es auch vor, dass sie Obst oder Gemüse ernten und sich einfach in den Mund stecken.

"Mein Kleiner, der ist jetzt vier, der ist Autist, der erlebt den Garten mit anderen Augen. Der nimmt auch vieles in den Mund und isst die Erdbeeren einfach so von den Sträuchern." Anwohnerin Johanna Lohkämper

Gibt es Anspruch auf Schadensersatz?

All die Empfehlungen gehen natürlich auch mit möglichen Kosten einher. Die Saat und Bäume in Johanna Lohkämpers Garten, die Geld gekostet haben. Ein Teich oder Pool im Garten, wo das komplette Wasser gewechselt werden muss. Das sind alles Dinge, die die Anwohner bisher aus eigener Tasche zahlen sollen.