Staatsanwalt erhebt Anklage: Elektriker soll Dutzende Frauen bewusstlos gemacht und vergewaltigt haben
Stand: 14.07.2026, 13:30 Uhr
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Ein 68 Jahre alter Berliner steht im Verdacht, Frauen bewusstlos gemacht und vergewaltigt zu haben. Noch immer konnten zehn der Frauen nicht identifiziert werden.
Berlin – Gegen einen 68 Jahre alten Mann aus Berlin hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Der Mann steht im Verdacht, zahlreiche Frauen bewusstlos gemacht und vergewaltigt zu haben. Im Fall von 14 Frauen wird gegen den Mann nun Anklage erhoben. Ermittler gehen jedoch davon aus, dass der Mann an dutzenden weiteren Frauen Taten verübt haben könnte.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin mitteilte, wird die Anklage gegen den Elektriker im Fall von 14 Frauen in 22 Fällen erhoben. Sie wirft dem Berliner unter anderem Vergewaltigung im besonders schweren Fall und gefährliche Körperverletzung vor.
Elektriker soll seine Opfer über Dating-Plattformen kennengelernt haben
Der Beschuldigte soll seine Opfer über Online-Dating-Portale ausgewählt haben. Bei Treffen verabreichte er ihnen mutmaßlich einen Mix aus verschiedenen Schlafmitteln, gemischt mit Alkohol. Sobald die Frauen das Bewusstsein verloren, verging er sich an ihnen. Besonders perfide: Die Betroffenen bemerkten die Übergriffe nicht. Erst als Ermittlerinnen und Ermittler sie kontaktierten, erfuhren sie von den Taten.
Der Mann soll die Taten zudem gefilmt haben. Auf beschlagnahmten Datenträgern fanden Sachverständige zahlreiche Videoaufnahmen der mutmaßlichen Verbrechen. Der 68-Jährige hatte die Übergriffe mit den Videos offenbar dokumentiert. Bislang schweigt er zu sämtlichen Vorwürfen.
Entdeckt wurden die Aufnahmen den Angaben zufolge nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen. Diese ermittelte wegen ähnlicher Vorwürfe Anfang 2025 gegen einen Mann, der inzwischen gestorben ist. Dieser soll ein Chat-Partner des Berliners gewesen sein.
Die Polizei durchsuchte in der Folge die Wohnung des nun verdächtigten 68-Jährigen in Berlin-Friedrichsfelde und beschlagnahmte die Datenträger. Bei deren Auswertung stieß ein Sachverständiger im Februar 2026 auf zahlreiche Videos von Sexualstraftaten, wie es hieß. Am 3. März 2026 wurde seine Wohnung erneut durchsucht, der Mann kam in Untersuchungshaft. Er will sich laut Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den erhobenen Vorwürfen äußern.
Ermittler gehen von 58 Opfern aus, zehn Frauen noch nicht identifiziert
Gegen den 68-Jährigen wird nun im Fall von 14 Frauen in 22 Fällen Anklage erhoben. Ermittler glauben jedoch, dass der Mann an weitaus mehr Frauen Taten begangen haben könnte. Ermittler gehen aktuell von 58 Betroffenen aus. Zehn der Frauen wurden noch nicht identifiziert. 30 Frauen sind inzwischen namentlich bekannt, die Ermittlungen in diesen Fällen laufen jedoch noch. In drei Fällen hätte sich bislang kein hinreichender Tatverdacht ergeben.
Im Fall einer Frau, die 36 Mal in den Jahren 2010 bis 2014 von dem 68-Jährigen vergewaltigt worden sein soll, musste das Verfahren laut Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt werden. Eine Gewaltanwendung könne in ihrem Fall nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, so der Sprecher. Darum verjährten diese Taten bereits nach fünf Jahren, statt nach 20 Jahren wie in den anderen Fällen.
Das Landgericht Berlin muss entscheiden, ob es die Anklage zulässt und wann es zum Prozess kommen soll. Die Staatsanwaltschaft strebt nach eigenen Angaben neben der Verurteilung des Mannes auch eine Anordnung der Sicherungsverwahrung nach einer Haftstrafe an.
Fälle aus Frankreich und München sorgten weltweit für Entsetzen
In den vergangenen Jahren sorgten bereits andere Fälle, in denen Frauen betäubt und vergewaltigt wurden, für Aufsehen. Die zahlreichen Verbrechen an Gisèle Pelicot, einer Frau aus Frankreich, sorgten weltweit für Aufsehen. Pelicot war von ihrem damaligen Mann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde ihr Ex-Mann zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren. Pelicot selbst zeigte sich während des Prozesses in der Öffentlichkeit. Sie appellierte mehrfach, dass die Scham die Seite wechseln müsse.
Und auch in Deutschland wurde eine Frau immer wieder betäubt und vergewaltigt. Ein 28 Jahre alter Student wurde in München schuldig gesprochen. Quelle: dpa (jl)