Das Beben kam mitten in der Nacht. Viele Bewohner der Metropolregion Tokio wurden gegen zwei Uhr früh aus dem Schlaf gerissen. Auf den Handys gingen Sirenengeräusche los, unterbrochen von „Earthquake, Earthquake“-Warnungen, dann wackelten auch schon die Schränke, Lampen und Vorhänge. Ein Erdbeben der Stärke 5,9 hat in der Nacht zum Sonntag die japanische Hauptstadt Tokio und die weitere Kanto-Region erschüttert.
Nach offiziellen Angaben am Morgen danach wurden mindestens 37 Menschen verletzt, etwa die Hälfte davon in Tokio selbst, die anderen in den umliegenden Regionen. Mehrere Bahnen in der Hauptstadt, darunter auch der Expresszug, der die Innenstadt mit dem internationalen Flughafen Narita verbindet, begannen am Sonntag erst verspätet ihren Betrieb und fuhren auch über weite Teile des Tages nur eingeschränkt.
Wasserrohrbruch und Löschschaum in den Straßen
Die Behörden warnen davor, dass in der kommenden Woche weitere Erdstöße ähnlicher Stärke folgen könnten, und rufen die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf. Da das Epizentrum sich unterhalb der japanischen Hauptinsel Honshu befand, wurde aber keine Tsunami-Warnung ausgegeben.
Im Zentrum der Hauptstadt brach kurz nach dem Beben eine Wasserleitung und überschwemmte einige Straßenzüge. Im Rathaus eines Vorortes von Tokio stürzten Teile der Decke ein. In einem Supermarkt löste das Beben eine Feuerlöschanlage aus, sodass das Gebäude und Teile der umliegenden Straße mit Löschschaum gefüllt wurden. Außerdem gab es Berichte von Menschen, die in Aufzügen stecken geblieben sind.
Schweres Beben könnte bis zu 18.000 Todesopfer fordern
Die japanische Hauptstadtregion ist mit 36 Millionen Einwohnern einer der am dichtesten besiedelten Ballungsräume der Welt. In dem häufig von Erdbeben heimgesuchten Inselstaat ist ein schweres Erdbeben in und um Tokio daher eines der schlimmsten Schreckensszenarien. Obwohl die meisten Häuser und die Infrastruktur besonders erdbebensicher gebaut sind und sich die Bevölkerung etwa durch Vorratshaltung darauf vorbereitet, rechnen die Behörden in einem solchen Fall mit Tausenden Toten und Zehntausenden Verletzten in der Metropolregion. So könnte ein Beben der Stärke 7 oder höher unmittelbar unter der Stadt nach Berechnungen der japanischen Regierung bis zu 18.000 Todesopfer fordern und 400.000 Gebäude zerstören.
Das Epizentrum des Bebens in der Nacht zum Sonntag lag nahe der Grenze zwischen den Präfekturen Tokio und Ibaraki im Norden der Hauptstadt, in einer Tiefe von 68 Kilometern. In Teilen der Stadt und mehreren umliegenden Ortschaften wurde eine Intensität von „Untere 5“ auf Japans siebenstufiger Shindo-Erdbebenskala gemessen. Statt der Stärke der Erdstöße selbst gibt diese Messung an, wie stark ein Beben an verschiedenen Orten rund um das Epizentrum zu spüren war. Bei der Intensität „Unter Fünf“ ist es nach Angaben der Japanischen Meteorologischen Agentur für Menschen schwierig zu laufen, ohne sich festzuhalten, Dinge können aus Regalen fallen und Risse in Wänden auftreten.
Die Betreiber des Atomkraftwerks Tokai Nummer 2, das nicht weit von dem Epizentrum entfernt liegt, meldeten keine besonderen Vorkommnisse durch das Beben. Die Radioaktivität rund um das Kraftwerk sei unauffällig. Auch an der Atomruine in Fukushima, die einige Hundert Kilometer nördlich von Tokio liegt, habe es keine Unregelmäßigkeiten gegeben.