Steinadler zerlegt Drohne: Kurioser Kampf in Bayerns Luftraum

Stand: 27.08.2026, 21:56 Uhr

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Ein Steinadler hat bei Schneizlreuth nahe des Nationalparks Berchtesgaden eine Drohne attackiert und zu Fall gebracht.

Berchtesgaden – Ein Steinadler hat in der Nähe von Schneizlreuth, unweit des Nationalparks Berchtesgaden, eine Drohne aus der Luft geholt. Das Tier attackierte das unbemannte Fluggerät und brachte es zum Absturz, wie die Polizei mitteilte. Die Drohne war zu diesem Zeitpunkt mit einer Wärmebildkamera unterwegs – im Einsatz zur Erkundung eines Waldbrandes.

Adler-Pärchen lebt seit Jahren in der Region

In dem betroffenen Gebiet ist seit Langem ein Steinadler-Pärchen heimisch. Ob das angreifende Tier durch den Zusammenstoß verletzt wurde, ist bislang nicht bekannt. Laut Toni Wegscheider, Bartgeierexperte beim Umweltverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern), sei bis dato kein Tier mit Verletzungen oder auffälligem Verhalten gesichtet worden.

Nahe des Nationalparks Berchtesgaden hat ein Steinadler eine Drohne aus der Luft geholt. Das Tier verteidigte damit sein Revier – ganz nach seinem natürlichen Instinkt, wie ein Experte erklärt.

Nahe des Nationalparks Berchtesgaden hat ein Steinadler eine Drohne aus der Luft geholt. Das Tier verteidigte damit sein Revier – ganz nach seinem natürlichen Instinkt, wie ein Experte erklärt. © picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Das Verhalten des Adlers kommt laut Wegscheider nicht überraschend. Steinadler reagierten grundsätzlich sehr empfindlich auf Flugobjekte in ihrem Revier und verteidigten ihr Territorium aktiv gegen Eindringlinge. Dabei setzen sie auf einen charakteristischen Signalflug: einen wellenförmigen Auf-und-Ab-Kurs, den Fachleute als Girlandenflug bezeichnen. Die Botschaft dahinter sei eindeutig: „Bis hierher und nicht weiter.“ Auch andere Vogelarten – darunter Bartgeier, die seit 2021 im Nationalpark wieder angesiedelt werden – verstünden dieses Signal.

Steinadler warnte wohl auch die Drohne

Wegscheider geht davon aus, dass der Adler zunächst auch die Drohne mit einem solchen Girlandenflug gewarnt hat. Das unbemannte Gerät reagierte darauf jedoch vermutlich nicht – mit dem bekannten Ergebnis. Im Nationalpark Berchtesgaden und seinem Umland gibt es den Angaben zufolge rund ein Dutzend Steinadlerreviere. Einen vergleichbaren Zwischenfall zwischen einem Adler und einer Drohne habe es dort bislang nicht gegeben, sagte Wegscheider.

Im Nationalpark selbst ist das Fliegen mit Drohnen generell verboten – ein Verbot, das Touristen laut Wegscheider jedoch regelmäßig ignorieren. „Es gibt massiv Drohnenprobleme im Nationalpark“, sagte er. Zwar stellten die Geräte für Vögel keine unmittelbare körperliche Gefahr dar, da sie laut genug seien, um rechtzeitig ausgewichen zu werden. „Aber die Störung der Wildtiere ist ein großes Thema“ – weshalb das Flugverbot gilt.

In den Niederlanden wurde laut Wegscheider bereits erprobt, Adler darauf zu trainieren, Drohnen im Flug abzufangen. Greifvögel seien grundsätzlich robust, so der Experte. Dennoch bestehe bei einem direkten Zusammenstoß mit einer Drohne für die Tiere durchaus Verletzungsgefahr. Den Einsatz von Greifvögeln als Drohnenabwehr sieht Wegscheider daher kritisch. (Quelle: dpa), (fhz)