Steuerbetrug kostet Deutschland 100 Milliarden Euro pro Jahr – das Geld brauchen wir für Daseinsvorsorge
Stand: 19.08.2026, 15:20 Uhr
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Der Schaden durch Steuerbetrug übersteigt die geplanten Kürzungen beim Elterngeld um das 200-Fache. Ein neuer Aktionsplan mit 26 Maßnahmen soll die Aufklärung komplexer Fälle verbessern. Die Kolumne Gastwirtschaft.
Deutschland hat ein Problem mit Kriminalität. Genauer gesagt, mit Steuer- und Finanzkriminalität. Hier geht es nicht um Personen, die sich mit der Steuererklärung abmühen und versehentlich kleine Fehler machen. Hier geht es um diejenigen, die bewusst und in großem Stil betrügen.
Zum Vergleich: Der jährliche Schaden durch Steuerbetrug beträgt in Deutschland schätzungsweise 100 Milliarden Euro. Die geplante Kürzung des Elterngeldes soll eine halbe Milliarde Euro pro Jahr einsparen, die Kürzung beim Wohngeld anderthalb. Man muss nicht rechnen können, um hier eine Ungerechtigkeit zu sehen.
Komplexe Fälle können schlecht aufgeklärt werden
Steuer- und Finanzkriminalität ist kein Kavaliersdelikt. Wer die Zeche prellt, macht sich mitschuldig, wenn Krankenhäuser schließen müssen, Schulen nicht renoviert werden, oder der Bus nicht mehr fährt. Er betrügt die Allgemeinheit um seinen Beitrag an einer funktionierenden Daseinsvorsorge.
Das sollten wir uns nicht gefallen lassen. Ein zentrales Problem: Gerade komplexe Fälle, die mit hoher krimineller Energie geplant und durchgeführt werden, bei denen sich Finanzströme über mehrere Bundesländer oder sogar Staaten erstrecken, und deren Schaden immens ist, können vergleichsweise schlecht aufgeklärt werden. Hier fehlt es bisher an entsprechenden Kompetenzen und Strukturen.

Das wissen auch Justizministerin Stefanie Hubig und Finanzminister Lars Klingbeil (beide SPD). Mitte Juli haben sie einen Aktionsplan mit 26 Maßnahmen gegen Steuer- und Finanzkriminalität vorgelegt. Expert:innen aus der Praxis sowie der Zivilgesellschaft sind sich einig, dass das Paket der größte Wurf seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten ist.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Aktionsplan jedoch vor allem ein Projekt von Justizministerin Hubig und Finanzminister Klingbeil. Ähnlich zu dem Hitze-Aktionsplan, den alle fünf SPD-Bundesminister:innen am Montag vorgeschlagen haben. Zum Hitzeschutz gab es aus Kanzleramt und Union prompt Widerspruch, besonders bei der Frage, ob nicht nur Bundesländer und Kommunen zuständig sind, sondern auch der Bund stärker involviert werden soll. Es bleibt zu hoffen, dass der Aktionsplan zur Bekämpfung von Finanzkriminalität nicht dasselbe Schicksal erleidet. Leisten könnten wir uns das nicht.