Angriff in Syrien
Nach einem israelischen Angriff auf einen verlassenen Militärflughafen in Syrien gehen die Wogen zwischen den USA und Israel hoch. Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, hatte den Angriff verurteilt und eine mögliche Provokation Israels mit der Türkei in den Raum gestellt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz wies die Anschuldigungen am Samstag zurück. Der Angriff wurde mit einer angeblichen Bedrohung durch die Türkei begründet.
Online seit gestern, 23.15 Uhr
Die israelische Armee hatte am Dienstag den verlassenen Militärflughafen Abu Duhur in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens bombardiert. Israel begründete den Angriff auf den Flughafen mit einer angeblichen Bedrohung seiner Sicherheit durch die Stationierung türkischer Truppen auf dem Gelände.
Einem Bericht der „Jerusalem Post“ zufolge hätte die israelische Armee Informationen erhalten, wonach die Türkei mit türkischen Truppen bemannte Radar- und Luftverteidigungsanlagen auf dem Flugplatz errichten wollte. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, der Türkei sei „deutlich“ gemacht worden, dass sie keinen Stützpunkt in dem mit ihr verbündeten Syrien errichten dürfe.
Der US-Sondergesandte für Syrien Barrack, der auch US-Botschafter in der Türkei ist, verurteilte den israelischen Angriff am Dienstag zunächst als „unnötige Eskalation, die nicht zur regionalen Stabilität beiträgt“. Am Freitag sagte er, der Angriff könne darauf abgezielt haben, einen Konflikt mit der Türkei zu provozieren. Die syrische Übergangsregierung sprach von einem „ungerechtfertigten Akt der Aggression“.
Katz: Äußerungen „voller Ungenauigkeiten“
Israels Verteidigungsminister Katz teilte am Samstag auf X mit, die Äußerungen Barracks seien „voller Ungenauigkeiten“. Er warf ihm vor, seine Äußerungen seien „voller Positionen, die der Haltung von US-Präsident (Donald) Trump selbst in Bezug auf die Golanhöhen widersprechen“. Barrack hatte das Gebiet als „besetzt“ bezeichnet.
Zudem sagte Katz, Israel habe vor dem Angriff „nachrichtendienstliche Informationen an die zuständigen Stellen in den USA“ weitergegeben. Barrack hatte zuvor laut „Washington Post“ behauptet, Israel habe die USA vor dem Angriff nicht gewarnt. Berichte, wonach der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad Gespräche mit dem syrischen Außenminister geführt habe, bestätigte Barrack laut einem Bericht der Times of Israel hingegen.
Flugplatz seit 2012 stillgelegt
Der Militärflughafen, der rund 80 Kilometer östlich der türkischen Grenze liegt, ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Syrien seit 2012 außer Betrieb und wird derzeit von Einheiten des Verteidigungsministeriums bewacht. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte kurz vor dem Angriff eine türkische Militärdelegation den Flughafen besucht.
Die Türkei hatte am Donnerstag eine Militärpräsenz auf dem Flughafen dementiert. Ein Vertreter des türkischen Verteidigungsministeriums, Zeki Aktürk, sagte, „vor oder während des israelischen Angriffs auf den Stützpunkt der Luftstreitkräfte“ habe sich „keine türkische Militärdelegation auf diesem Stützpunkt befunden“.
Weiter sagte Aktürk vor Journalistinnen und Journalisten, Israels Angriffe zielten darauf ab, „die Stabilität, die Sicherheit, die Einheit und die Integrität Syriens zu untergraben“. Die Türkei werde weiterhin „entschlossen“ die territoriale Integrität und Souveränität des Nachbarlandes verteidigen, betonte er.
Erneuter israelischer Angriff in Syrien
Die israelische Armee führte unterdessen erneut einen Angriff in Syrien aus. Dabei sei im Süden des Landes ein „Terrorist“ ins Visier genommen worden, „der Terroranschläge in der letzten Vorbereitungsphase vorangetrieben hat“, teilte die israelische Armee mit.
Dem syrischen Staatsfernsehen zufolge wurde bei einem israelischen Drohnenangriff in dem Dorf Beit Jinn im Südwesten der Hauptstadt Damaskus ein Mann verletzt. Das syrische Außenministerium sprach von einem „eklatanten Verstoß“ gegen seine Souveränität.
Türkei wichtiger Verbündeter Syriens
Das NATO-Land Türkei ist ein wichtiger Verbündeter der syrischen Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Scharaa, der das Land seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 anführt.
Israel hatte nach Assads Sturz Truppen in eine eigentlich neutrale UNO-Pufferzone auf den Golanhöhen im Süden Syriens entsandt und bereits mehrfach Ziele tiefer im Landesinneren Syriens angegriffen. Es begründete einige der Angriffe mit dem Schutz der Minderheit der Drusen in Syrien. Israelische Vertreter erklärten zudem, die Armee wolle eine „Sicherheitszone“ im Süden Syriens festigen.