Studie: Immuntherapie am Morgen könnte Überlebenszeit von Krebserkrankten verdoppeln
Stand: 02.09.2026, 14:18 Uhr
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Eine neue Studie deutet darauf hin, dass die Uhrzeit von Immuntherapien bei Krebserkrankten starken Einfluss auf die Überlebensdauer hat.
London – Nicht nur das gewählte Präparat entscheidet über den Erfolg einer Krebstherapie, sondern möglicherweise auch der genaue Behandlungszeitpunkt. Eine neue Untersuchung legt nahe, dass die Uhrzeit der Immuntherapie die Überlebensraten der Patientinnen und Patienten erheblich beeinflussen kann – mit deutlichen Vorteilen für Behandlungen am Morgen.

Die Studie wurde vom Christie NHS Foundation Trust in Zusammenarbeit mit der University of Southampton und der Cardiff University durchgeführt. Der Leiter der Untersuchung, Professor Paul Lorigan von The Christie, betont, dass es sich um eine retrospektive Auswertung handelt, die keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen kann. Dennoch liefert die Datenlage dringenden Anlass, den Faktor Zeit wissenschaftlich vertieft zu erforschen.
Deutlicher Überlebensvorteil am Morgen
Die Forschenden analysierten die Daten von insgesamt 2.631 Erkrankten mit unterschiedlichen Krebsarten, darunter Melanome sowie Lungen- und Nierenkrebs. Die Unterschiede je nach Tageszeit fielen dabei überraschend groß aus: Melanompatienten, die Wirkstoffe wie Nivolumab oder Pembrolizumab am Morgen erhielten, hatten eine mittlere Überlebenszeit von 43,1 Monaten. In der Nachmittagsgruppe betrug dieser Wert nur 21,1 Monate, wie die Tageszeitung Express berichtet.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bei Lungenkrebs: Hier lag die mittlere Überlebenszeit bei morgendlicher Behandlung bei 24,2 Monaten im Vergleich zu 11,8 Monaten bei einer späteren Infusion. Bei Nierenkrebs betrugen die Werte 39,2 Monate am Morgen und 26,1 Monate am Nachmittag.
Die innere Uhr des Immunsystems
Als Ursache vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Zusammenspiel mit den circadianen Rhythmen des menschlichen Körpers. Das Immunsystem folgt einer biologischen Tagesuhr: Aktivität und Wanderung von Immunzellen schwanken im Tagesverlauf deutlich, was die Wirkung einer Immuntherapie verstärken oder abschwächen könnte, erläutert Express.
Professor Lorigan weist jedoch darauf hin, dass auch externe Faktoren das Ergebnis verfälschen könnten, etwa der allgemeine Gesundheitszustand der Erkrankten, der beeinflusst, zu welcher Tageszeit sie Termine wahrnehmen können. Um verlässliche Klarheit zu schaffen, sind nun gezielte Tests erforderlich. Wie die BBC berichtet, werben die Forschungsteams derzeit Mittel für randomisierte klinische Studien ein. Erst diese können zweifelsfrei nachweisen, ob sich die Überlebensvorteile durch eine zeitlich abgestimmte Therapie systematisch wiederholen lassen. (Redaktion)