Stand: 10.08.2026, 17:49 Uhr
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Der Suchtselbsthilfeverein LOS öffnet einen Treffpunkt im Teplitz-Pavillon. Die Hemmschwelle, in eine Gesprächsgruppe zu kommen, sei für viele Suchterkrankte riesengroß.
Gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und Kontakte knüpfen – für Menschen mit Suchterkrankung soll durch eine Anlaufstelle in Sachsenhausen ein Raum für Begegnung entstehen. Der Suchtselbsthilfeverein LOS – Leben ohne Sucht – ergänzt seinen Treffpunkt im Teplitz-Pavillon, Teplitz-Schönauer-Straße 1a, am Samstag, 8. August, ab 13 Uhr. Zur Eröffnung soll es kalte Getränke, Würstchen, Salate und Kuchen geben. „Das soll eine richtig schöne Party werden“, sagt LOS-Vorstandsvorsitzender Andreas Heimann und freut sich schon.
Derzeit wird der Raum im Teplitz-Pavillon bereits für die Gesprächsgruppe des Vereins in Sachsenhausen genutzt. Dort trifft sie sich donnerstags zwischen 19 und 21 Uhr. Künftig sollen die Räumlichkeiten als Begegnungsort auch dienstags und donnerstags öffnen. „Das Angebot soll sich an alle richten, sodass man unvoreingenommen den Kontakt zu einer Gesprächsgruppe suchen kann“, erklärt Heimann.
In erster Linie sei die Begegnungsstätte ein Hilfsangebot im kleinen Rahmen. „Wir wollen einen Raum bieten, wo sich die Leute kennenlernen“, sagt Heimann. Nicht nur Menschen mit Suchterkrankung, auch Angehörige, Freunde und Interessierte könnten die Stätte besuchen. Man könne „einfach vorbeikommen und miteinander Kaffee trinken“, sagt Heimann. Für kommendes Jahr seien außerdem Vorträge, Seminare und Filmabende geplant. Auch eine Weihnachtsfeier oder ein Brettspiel-Turnier könne er sich vorstellen.
Der Treffpunkt soll Hilfesuchenden den Eintritt in eine Gesprächsgruppe erleichtern. „Für viele Suchterkrankte ist es eine riesengroße Hemmschwelle, als neue Person in eine Gruppe zu kommen“, sagt Heimann. Die Begegnungsstätte könnte diese Scheu abbauen. „Wenn man die Leute schon kennt, ist es viel einfacher, hinzugehen.“ So unterscheidet sich der Begegnungsort von anderen Angeboten der Suchthilfe in Frankfurt. Mit Hilfseinrichtungen der niedrigschwelligen Drogenhilfe, die unter anderem Konsumräume oder therapeutische Ambulanzen bereitstellen, hat die Suchtselbsthilfe wenig zu tun. Auch handelt es sich nicht um ein Beratungsangebot. Im Gegensatz zur professionellen medizinischen Unterstützung und Betreuung geht es um die ersten Schritte zur Eigenhilfe – von Betroffenen, für Betroffene.
In Gruppen Wissen weitergeben
LOS organisiert primär Selbsthilfegruppen, in denen Teilnehmende und Gruppenleitende Wissen aus eigenen Suchterfahrungen miteinander austauschen. „Wir sagen nicht: Komm rein, dann bist du geheilt, sondern wir helfen den Menschen auf dem Weg dahin“, erklärt Heimann. Vor allem Menschen mit Abhängigkeit von Alkohol, Tabletten, Amphetaminen und anderen Drogen kämen zu den Treffen. Doch auch Personen mit anderen Suchterkrankungen, etwa Kaufsucht, seien willkommen. „Ich würde niemanden wegschicken“, betont er.
Heimann selbst ist alkoholkrank. „Ich bin seit 22 Jahren abstinent“, sagt er. Damals habe er sich bei einem anderen Verein Unterstützung geholt. „Mir wurde geholfen, aus meiner Sucht herauszukommen, und ich möchte das weitergeben“, sagt der 65-Jährige. Aufhören müssten Betroffene zwar letztlich selbst. „Aber man kann sie an die Hand nehmen und sagen, ich habe es geschafft, und wir schaffen es zusammen.“
2016 hat Heimann den Verein in Sachsenhausen mitgegründet. Die erste Gesprächsgruppe traf sich schon damals im Teplitz-Pavillon. Doch inzwischen gibt es Treffpunkte an sieben Standorten in Hessen und zwei Online-Angebote. Laut Heimann umfasse jede Gruppe acht bis maximal 15 Personen, es arbeiten 18 Ehrenamtliche im Verein – zwei Leitungspersonen für jede der neun Gruppen. Begegnungsstätten gebe es in Frankfurt noch kaum. „Das müsste man ausbauen“, findet er. „Aber man braucht Leute, die das dann machen, und daran hapert es.“
Dabei sei die neue Anlaufstelle noch aus einem anderen Grund wichtig. Seit einiger Zeit beobachtet Heimann, dass die Suchthilfe vorrangig in Offenbach wegbräche. „Das ist eine Entwicklung, die ich gerne aufhalten möchte“, sagt er. Der Bedarf sei in jedem Fall da. „In Offenbach platzen unsere Gruppen aus allen Nähten.“ Um die Suchtselbsthilfe in Frankfurt und Offenbach zu stärken, sollen zukünftig auch andere Vereine und Gruppen die Räumlichkeiten der Begegnungsstätte nutzen können. „Es ist wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten“, sagt er. „Konkurrenzdenken ist der größte Quatsch.“
Von Martha Lippert