Teherans Pragmatiker gegen Hardliner: Wer entscheidet über Irans Ausweg aus dem Krieg?
Stand: 24.08.2026, 22:28 Uhr
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Der Kern der Wirtschaftskrise, das Kräftemessen in Hormus: Drei führende Politiker sind zu Verhandlungen bereit, die Pasdaran stellen sich dagegen.
Tel Aviv – In Teheran sind in der Öffentlichkeit nach wie vor Worte des Widerstands zu hören. Doch in den Räumen, in denen gerechnet wird – beim Ölpreis, beim Brotpreis – bahnt sich eine andere Dringlichkeit ihren Weg: eine Tür zu finden, und sei sie noch so schmal, um aus dem Krieg herauszukommen. Dieselbe Dringlichkeit treibt Donald Trump an, der weiß, wie gefährlich es ist, in einem Konflikt gefangen zu bleiben, ohne einen vorzeigbaren Sieg.
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Dieser Artikel von Greta Privitera entstand in Kooperation mit Corriere della Sera
Die pragmatische Ader der Islamischen Republik, die die Ideologie nicht leugnet, aber auf die Staatsfinanzen schaut, macht sich wieder bemerkbar. Insbesondere durch jene drei Männer, die seit sechs Monaten versuchen, die übrigen Mitglieder des Regimes zu überzeugen, dass die Diplomatie der richtige Weg ist. Verkörpert wird sie vom Präsidenten Masoud Pezeshkian, vom Außenminister Abbas Araghchi und von Mohammad Bagher Ghalibaf, dem Parlamentspräsidenten und Chef der Vermittlungen; sie eint dieselbe Überzeugung: Der Vorsprung, den sie sich in dieser Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten erarbeitet haben, muss in ein politisches Ergebnis münden, bevor er sich in weiteren Trümmern und neuer Isolation erschöpft.

Pezeshkian hat dies ausgesprochen, ohne je das Wort Kapitulation zu verwenden, das unter den Herren der Revolution unaussprechlich ist. Der Krieg muss irgendwann enden, besser jetzt, solange Teheran noch aus einer Position der Stärke heraus verhandeln kann, „mit Macht und Würde“, wie er erklärte und damit jenen antwortete, die außerhalb des inneren Zirkels die Drucksituation der Regierung nicht erkennen. Beobachter werten dies als implizites Eingeständnis, als Beleg dafür, dass die iranische Wirtschaft die fragilste Front dieses Krieges ist.
Öleinnahmen brechen ein, wirtschaftliche Schwäche wächst
Bestätigt wurde dies von dem Gouverneur der Zentralbank, Abdolnaser Hemmati, der in einer Live-Sendung im staatlichen Fernsehen einräumte, dass die Ölexporte nahezu zum Erliegen gekommen sind und eingefrorene Gelder weiterhin unerreichbar bleiben. Trump versucht, genau diese Schwäche auszunutzen, indem er seine neue Offensive als „wirtschaftlichen D-Day“ bezeichnet, mit gravierenden Folgen für alle, die Teheran einen Fluchtweg eröffnen würden. Es ist seine Wette, aggressiv zu bleiben, ohne zu den Bomben zurückzukehren, die ihm die Zwischenwahlen kosten könnten – die einzige echte Furcht, die das Weiße Haus von einer neuen Eskalation abhalten dürfte.
Ghalibaf spricht dieselbe Sprache wie der Präsident, aber mit einer anderen Autorität, weil er aus den Kasernen kommt. Sicherheit, so argumentiert er, lebe von der Möglichkeit, Medikamente zu kaufen, Löhne zu zahlen und eine Gesellschaft zusammenzuhalten, die der Krieg verarmt hat. „Wir, die wir von der Front kommen, kennen den Wert des Friedens besser als jene, die nur darüber reden.“
Das Nadelöhr Straße von Hormus
In Teheran weiß jeder, dass der heikelste Punkt weiterhin die Straße von Hormus bleibt. Der Experte Hamidreza Azizi berichtet, Ghalibaf habe gewarnt, die Meerenge sei nur so lange von Wert, wie Schiffe sie tatsächlich passieren, denn bleibe der Verkehr unterbrochen, lerne die Welt, auf sie zu verzichten. Die bereits auf andere Routen umgeleiteten Frachtmengen werten die Pragmatiker des Regimes als Beweis dafür, dass der Iran zwar enorme Kosten auferlegen, aber nicht ewig von einer Krise leben kann, die er mit eigenen Händen geschaffen hat.
Einhellig ist die Lage jedoch nicht. Die Hardliner rücken keinen Millimeter von ihren Positionen ab. General Ali Abdollahi, der Generalstabschef, kündigt weiterhin „vernichtende, strafende und verheerende“ Antworten an. Gemeinsam mit Ahmad Vahidi, dem Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, ist er der Bezugspunkt für die Anhänger der maximalistischen Linie, die den Dialog mit Washington als Vorstufe zur Kapitulation betrachten. So denken viele Männer der Pasdaran und der ultraharten Fraktionen im Parlament, die – nicht ohne Grund – überzeugt sind, Trump wolle die iranische Schwäche ausnutzen, um noch mehr zu fordern.
Pragmatiker gegen Hardliner: Wettlauf gegen die Zeit
Die Pragmatiker, erklärt Azizi weiter, sehen dasselbe Risiko, ziehen daraus aber den entgegengesetzten Schluss: Gerade weil morgen zu schlechteren Bedingungen verhandelt würde, lohnt es sich, heute einen Versuch zu wagen. Es gibt eine Symmetrie, zugleich bemerkenswert und zerbrechlich. Trump sucht einen Ausweg, ohne zuzugeben, dass er ihn sucht, das Trio des Regimes strebt nach einer Einigung, ohne gefügig zu wirken.
Sowohl Teheran als auch Washington loten Lösungen aus, um nicht das Gesicht zu verlieren, doch die Patt-Situation ist auf Dauer nicht tragfähig. Trumps Drohungen gegen den Iran waren zuletzt eher verpufft.