Stand: 14.10.2026, 14:07 Uhr
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Kölns Oper und Schauspielhaus sind nach 14 Jahren zurück. Zur Wiedereröffnung gab die Stadt Millionen aus. Dafür gab‘s einen Eintrag ins Schwarzbuch.
Köln – Vorhang auf für Kölns teuerstes Comeback: Nach 14 Jahren Baustelle sind Opernhaus und Schauspielhaus endlich wieder an ihre angestammten Plätze zurückgekehrt. Gefeiert wurde das mit Musik, Tanz und Führungen. Nur: Ganz billig war die Sause nicht. Das hat der Kölner Oper einen Platz im Schwarzbuch des Bunds für Steuerzahler Deutschland beschert. Unter dem Titel „Teurer letzter Akt“ kritisieren die Autoren vor allem die Kosten für die Bekanntgabe der Wiedereröffnung.

Für eine sechsmonatige Marketingkampagne und ein zweitägiges Eröffnungsfest legte die Stadt Köln insgesamt rund 3,5 Millionen Euro auf den Tisch. 2,1 Millionen Euro kosteten Anzeigen, Plakate, Hörfunkspots, Social-Media-Aktionen und Werbeaktionen im Stadtraum. Weitere 1,4 Millionen Euro flossen in das Eröffnungswochenende am 19. und 20. September, bei dem laut Stadt rund 40.000 Besucher teilgenommen hatten.
Kölns Bühnen sind wieder da – Werbung laut Steuerzahlerbund „rausgeworfenes Geld“
Die Botschaft der Kampagne war denkbar einfach: Kölns Bühnen sind wieder da. Eine Nachricht, die vermutlich auch ohne millionenschwere Werbekampagne angekommen wäre. Im Schwarzbuch heißt es: „Statt in aller Demut die Wiedereröffnung der Oper bei einer Pressekonferenz bekanntzugeben, begeht die Stadt dieses Ereignis mit Werbung und Party. Vielleicht ist das selbstbewusst, vielleicht ist es kölsche Lebensart. Mit Sicherheit aber ist es rausgeworfenes Geld.“

Nach Angaben der Stadt hatte die Kampagne einen größeren Auftrag als die reine Bekanntgabe des Eröffnungstermins. Sie sollte neue Möglichkeiten der Häuser vermitteln und vor allem Menschen einladen, die die Bühnen bisher nicht besucht haben. Die Terminankündigung sei nur ein Bestandteil gewesen, teilte die Stadt auf Nachfrage von wa.de mit. Er verwies zudem auf den Auftrag des Stadtrats. Das Budget für das Eröffnungsfest umfasste neben dem Programm auch Infrastruktur und Sicherheitsmaßnahmen für ein Fest dieser Größe.
Die Autoren des Schwarzbuchs schreiben von Demut, weil die Kosten für die Sanierung der Kölner Bühnen in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind. Ursprünglich sollte das Projekt rund 253 Millionen Euro kosten und nach drei Jahren abgeschlossen sein. Die Wiedereröffnung war für 2015 vorgesehen.
Aus drei Jahren wurden 14 Jahre – und aus 253 Millionen wurden rund 800 Millionen Euro
Es kam bekanntlich anders. Aus drei Jahren wurden 14. Aus 253 Millionen Euro Baukosten wurden rund 800 Millionen. Rechnet man die Kosten für Ausweichspielstätten, Finanzierung und weitere Nebenkosten hinzu, landet das gesamte Opern-Drama nach Angaben des Bundes der Steuerzahler bei rund 1,5 Milliarden Euro. Und dann wurde zur Feier des Tages noch einmal kräftig draufgelegt.

Dabei hätte die Stadt Grund gehabt, etwas kleiner aufzutreten, findet der Bund der Steuerzahler. Die Kölnerinnen und Kölner hatten lange auf ihre Bühnen gewartet. Das Interesse war da: Laut Steuerzahlerbund wurden in den ersten drei Wochen nach Beginn des Vorverkaufs fast 4200 Abonnements abgeschlossen – rund 50 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum der vorherigen Saison in den Interimsspielstätten. Laut Stadt waren die Abos in Schauspiel und Tanz zum Stand 30. September ausverkauft. Welchen Anteil die Werbung daran hatte, lasse sich nicht isoliert beziffern, so die Stadt. Als Ursachen nennt sie Programm, Ensembles, die Häuser selbst und die Kommunikation.
Stadt verteidigt Medienkampagne
Laut Medienauswertung der Stadt erreichten die Kampagnenmaßnahmen mehr als 400 Millionen Medienkontakte. Die Presseberichterstattung kam in drei Wochen auf zusätzlich mehr als 30 Millionen Kontakte. Die Stadt nennt außerdem eine besonders positive Resonanz von Menschen, die bisher wenig Kontakt zu den Bühnen hatten. Vor der Kampagne habe eine Marktforschung ergeben, dass bei Menschen, die die Bühnen noch nie besucht haben, Wissen über die Sanierung und Interesse daran geringer als angenommen gewesen seien. Bekanntheit der Bühnen bedeute nicht automatisch, dass sich alle Bevölkerungsgruppen angesprochen fühlen. Deshalb sei eine gezielte Einladung nötig gewesen.
Der Bund der Steuerzahler findet die Millionen für Werbung und Party deshalb überflüssig. Die 3,5 Millionen Euro seien letztlich dafür ausgegeben worden, eine einzige Nachricht möglichst laut zu verkünden: Die Sanierung ist endlich fertig. Die Stadt räumt auf Nachfrage ein, dass ihr die Kostensteigerungen rund um die Sanierung und Wiedereröffnung bewusst sind. Sie begründet die Ausgaben damit, dass nach der Wiedereröffnung die Häuser mit Leben gefüllt und für Besuche gewonnen werden mussten. Der Rat habe die Mittel bereitgestellt.
Probleme kurz vor der Eröffnung
Ganz störungsfrei verlief übrigens auch der Neustart nicht. Kurz vor der Eröffnung berichtete der WDR über gravierende Probleme mit der Bühnentechnik. Podien und Beleuchtung funktionierten teilweise nicht zuverlässig. Es gab mechanische und softwarebezogene Störungen. Auch ein Lastenaufzug für Bühnenbilder blieb wiederholt stehen.
Die Bühnen der Stadt Köln erklärten, bei einem Sanierungsprojekt dieser Größenordnung seien technische Störungen und Nachjustierungen in den ersten Wochen nicht ungewöhnlich. Schließlich müsse die hochkomplexe Technik erst im echten Proben- und Vorstellungsbetrieb zeigen, was sie kann.
Aus einem Prestigeprojekt in Wuppertal ist ein teurer Problemfall geworden. Lieferprobleme und Denkmalschutz bremsten den Bau aus. Auch dieses Projekt hat es ins Schwarzbuch geschafft. Ebenso wie das „Luxusprojekt“ in Dortmund.