Stand: 07.10.2026, 09:15 Uhr
Kommentare
Christa Pike hat als erste Person in den USA einen vollständigen Hinrichtungsversuch überlebt – nun kämpft sie im Krankenhaus um ihre Genesung, gefesselt ans Bett.
Nashville – In Tennessee sollte vergangene Woche Geschichte geschrieben werden: Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrhunderten stand die Hinrichtung einer Frau in dem Bundesstaat bevor. Doch die Vollstreckung des Todesurteils an Christa Pike (50) nimmt einen Verlauf, den niemand vorhergesehen hat – und beschäftigt seitdem Gerichte, Mediziner und die gesamte US-amerikanische Öffentlichkeit.

Pike überlebt zwei Dosen des Mittels Pentobarbital. Zeugen berichten, sie hätten sie noch längere Zeit nach der Medikamentengabe schwer atmen hören. Einer ihrer Anwälte erklärt später, er habe Pike nach der ersten Gabe sogar noch sprechen und singen gehört. Sie wird schließlich mit einem Krankenwagen in eine Klinik außerhalb des Gefängnisses gebracht. Nun melden ihre Verteidiger: Pike ist wieder bei Bewusstsein und kann sprechen – eine lange Genesungszeit sei jedoch absehbar, die Prognose noch offen.
Hinrichtung in Tennessee vergangene Woche gescheitert: „Medizinisch beispiellos“
Die genaue Ursache für das Scheitern der Hinrichtung ist noch ungeklärt. TMZ berichtet, Vollzugsbeamte hätten mindestens sieben Versuche unternommen, einen intravenösen Zugang zu legen. Pikes Anwälte schildern schwere Gewebeschäden an beiden Armen. Sie teilen zudem mit, ihre Mandantin liege trotz kritischem Zustand weiterhin mit Handschellen und Fußfesseln ans Bett gefesselt. Ihre Erholung bezeichnen sie als „medizinisch beispiellos“. Dass Probleme beim Venenzugang in Tennessee kein Einzelfall sind, zeigt ein Vorfall aus dem Mai: Damals musste die Hinrichtung eines anderen Verurteilten abgebrochen werden, weil kein Zugang gelegt werden konnte.
Pike war 1996 für den Mord an Colleen Slemmer (19, † 1995) zum Tode verurteilt worden. Das Opfer war in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und getötet worden – Pike war damals 18 Jahre alt. Kurz vor der Vollstreckung hatten ihre Anwälte noch versucht, das Verfahren zu stoppen, weil traumatische Kindheitserfahrungen und psychische Erkrankungen in früheren Entscheidungen ihrer Ansicht nach nicht ausreichend gewürdigt worden waren. Der Supreme Court der USA wies den Antrag ab. Ihre Verteidiger fordern nun Gouverneur Bill Lee (66) auf, das Todesurteil in lebenslange Haft ohne Bewährungsmöglichkeit umzuwandeln.
Das Death Penalty Information Center erklärt, kein vergleichbarer moderner Fall sei in den USA dokumentiert, bei dem die vorgeschriebenen Hinrichtungsmittel vollständig verabreicht wurden und der Gefangene dennoch überlebte. Pikes Anwälte haben für Mittwoch eine Pressekonferenz in Nashville angekündigt – im Anschluss an eine Anhörung vor Gericht. „Sie ist die einzige bekannte Person, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch in den USA überlebt hat“, erklären sie in ihrer Stellungnahme. (Quellen: dpa, tmz.com) (sk)