Islamistische Terroranschläge in Deutschland seit 2016

Nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Days in Berlin fahndet die Polizei nach einem Tatverdächtigen. Dabei handelt es sich um den 21 Jahre alten Abdul B., wie Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin mitteilten. Die Behörden ermitteln „aufgrund des Verdachts eines Anschlags“. Laut Fahndungsaufruf soll er mehrere Personen mit einem fahrenden Fahrzeug verletzt haben. Außerdem sollen mehrere Personen durch Stichwerkzeuge verletzt worden sein. Der Mann wird Polizeiangaben zufolge der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet.

Deutschland ist seit Jahren Ziel islamistisch motivierter Anschläge. Konnten in den 2000er Jahren geplante islamistisch motivierte Angriffe von den Behörden noch verhindert werden, kam es im März 2011 erstmals zu einem Anschlag mit Todesopfern. Damals erschoss der aus dem Kosovo stammende Arid Uka zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen, zwei weitere wurden verletzt. Der Täter soll sich über das Internet radikalisiert haben. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

26. Februar 2016, Hannover: Die 15 Jahre alte Safia S. sticht am Hauptbahnhof einem Bundespolizisten mit einem Gemüsemesser in den Hals. Der Beamte überlebt schwer verletzt. Das Oberlandesgericht Celle verurteilt sie zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren. Die Tat diente aus Sicht des Gerichts der Unterstützung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Ermittler werten den Angriff als die erste vom IS in Deutschland in Auftrag gegebene Tat.

16. April 2016, Essen: Vor einem Sikh-Gebetshaus explodiert ein selbst gebauter Sprengsatz. Durch die Explosion werden ein Priester schwer und zwei weitere Gemeindemitglieder leicht verletzt. Das Landgericht Essen stellt einen islamistisch geprägten Hintergrund der drei angeklagten 17 Jahre alten Jugendlichen fest. Sie werden zu sieben Jahren sowie zu sechs Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt.

18. Juli 2016, Würzburg: Der 17 Jahre alte Riaz Khan A. greift in einer Regionalbahn nahe Würzburg Fahrgäste mit einer Axt und einem Messer an. Fünf Menschen werden verletzt. Die Polizei erschießt den Täter auf der Flucht. Der IS reklamiert die Tat in einem Bekennervideo für sich.

24. Juli 2016, Ansbach: Der 27 Jahre alte syrische Asylbewerber Mohammed D. zündet in der Altstadt einen selbst gebauten Sprengsatz in einem Rucksack. 16 Menschen werden verletzt. Der Täter kommt bei dem Anschlag ums Leben. Auf seinem Mobiltelefon wird ein Video gefunden, in dem er sich zum IS bekennt. Zudem veröffentlicht eine IS-nahe Nachrichtenagentur ein Video und bezeichnet ihn als IS-Kämpfer. Die Tat gilt als erster islamistisch motivierter Selbstmordanschlag in Deutschland.

19. Dezember 2016, Berlin: Gegen 20 Uhr steuert der Tunesier Anis Amri einen zuvor gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Zuvor hatte der Dreiundzwanzigjährige den polnischen Lastwagenfahrer erschossen. Bei dem Anschlag kommen zwölf Menschen ums Leben, mindestens 60 Menschen werden verletzt; ein Mann erliegt 2021 den Spätfolgen. Der Täter wird auf seiner Flucht in Italien von der Polizei erschossen. Der IS reklamiert die Tat für sich. Als gesichert gilt ein enger Kontakt Amris zu IS-Anhängern.

April und Mai 2020, Waldkraiburg: Der 25 Jahre alte Muharrem D. verübt in Oberbayern mehrere Brand- und Sprengstoffanschläge auf Einrichtungen türkischstämmiger Inhaber. Es gibt einen Toten und fünf Verletzte. Der Täter bezeichnet sich als IS-Anhänger und gibt als Motiv Hass auf Menschen türkischer Herkunft an. Er wird zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.

6. November 2021, Landkreis Neumarkt: In einem ICE auf der Strecke von Passau nach Nürnberg greift der 27 Jahre alte Abdalrahman A. mehrere Reisende mit einem Messer an. Drei Menschen werden verletzt. Der Täter wird zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

April 2023, Duisburg: In der Altstadt ersticht der 26 Jahre alte Maan D. einen Mann mit mindestens 28 Messerstichen. Neun Tage später greift er in einem Fitnessstudio vier Männer mit demselben Messer an, alle überleben. Der Täter wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Düsseldorf handelte der Täter aus einer vom IS beeinflussten Motivation und wollte vermeintliche „Ungläubige“ töten. Eine direkte Anbindung an den IS oder eine andere Terrororganisation stellt das Gericht nicht fest.

31. Mai 2024, Mannheim: Der Afghane Sulaiman A. greift auf dem Marktplatz Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa mit einem Messer an. Er verletzt dabei den einschreitenden Polizeibeamten, der später im Krankenhaus stirbt. Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilt Sulaiman A. im September 2025 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Das Gericht sieht ein dschihadistisches Motiv und den Vorsatz, möglichst viele Menschen zu töten.

13. Februar 2025, München: Ein Auto rast in eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi. Dabei werden eine Mutter und ihre zwei Jahre alte Tochter getötet, 57 Menschen werden verletzt. Am Steuer sitzt Farhad N. aus Afghanistan, der noch am Tatort festgenommen wird und nach der Tat „Allahu Akbar“ gerufen sowie gebetet haben soll. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht München läuft seit Januar.

21. Februar 2025, Berlin: Der 19 Jahre alte Syrer Wassim Al M. sticht am Holocaustmahnmal auf einen spanischen Touristen ein. Nach den Feststellungen des Kammergerichts wollte er dort im Namen des IS eine nicht muslimische Person – vorzugsweise einen israelischen Staatsbürger oder eine Person jüdischen Glaubens – angreifen. Der Täter wird zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt.

18. Mai 2025, Bielefeld: Vor einer Bar verletzt der Syrer Mahmoud Mhemed fünf Menschen mit einem Messer. Der Täter gilt als Anhänger des IS. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und ordnet anschließend Sicherungsverwahrung an.

5. September 2025, Essen: Der 17 Jahre alte Erjon S. soll auf eine Lehrerin seines Berufskollegs eingestochen sowie einen ihm bekannten Hausmeister an einer Grundschule und einen fremden Mann auf der Straße angegriffen haben. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft handelte er mutmaßlich aus einer islamistischen Motivation heraus.