Unter dem Eindruck des Anschlags: Bundespräsident erlebt beim Hindu-Tempelfest vorbildliches Miteinander

Stand: 26.07.2026, 17:47 Uhr

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier  Besuch am  Hauptfesttag der Hindu-Gemeinde in Uentrop Hamm 26.07.2026

Mitten in der Menge: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erlebte neben dem Hauptpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal den Beginn der großen Prozession in Uentrop hautnah mit. © Robert Szkudlarek

Hoher Besuch in Hamm: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war am Sonntag zu Gast beim Tempelfest der Hindus in Uentrop. Seine Ansprache stand unter dem Eindruck des mutmaßlichen Anschlags auf den CSD in Berlin.

Uentrop – Das Spannungsfeld konnte kaum größer sein: Tausende Hindus aus ganz Europa feierten am Sonntag (26. Juli) den Höhepunkt des jährlichen Tempelfestes in Uentrop. Sie bewiesen einmal mehr gelebte Vielfalt, friedliches Miteinander und Gastfreundschaft. Passend zum hohen Besuch: Rund zwei Stunden war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast und erwies der Hinduistischen Gemeinde Deutschland höchste Anerkennung. Doch seine Ansprache im Hindu-Kulturzentrum stand auch unter dem Eindruck des mutmaßlichen Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin.

„Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte der Bundespräsident vor rund 150 Zuhörern im Saal des Kulturzentrums. Als vorbildlich stellte er dagegen die hinduistische Gemeinde hervor. „Hamm macht vor, wie das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen in unserem Land gelingen kann. Gerade die tamilische Minderheit hat an vielen Orten in Deutschland und Europa gezeigt und vorgelebt, wie aus Nachbarschaft Gemeinschaft und schließlich Freundschaft erwachsen kann.“ Dafür bedankte sich Steinmeier ausdrücklich.

Bundespräsident erlebt beim Hindu-Tempelfest vorbildliches Miteinander

Wie sehr das tamilische Leben zum Ruhrgebiet passt, daran erinnerte Verena Schäffer, NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration. Der Wohlstand hier sei auf Zuwanderung begründet. „Ich finde, dass dieser Tempel und diese Gemeinde auch eine Geschichte des Ankommens erzählen, von Menschen, die hier Schutz gesucht haben.“ Bundespräsident und Ministerin betonten diesen, durch die Verfassung gesicherten Schutz.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier  Besuch am  Hauptfesttag der Hindu-Gemeinde in Uentrop Hamm 26.07.2026

Ins Goldene Buch der Stadt Hamm trug sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein. © Robert Szkudlarek

Der Bundespräsident seinerseits schien sich unter den Hindus sehr sicher zu fühlen. Nach dem von ihm gewünschten Gespräch hinter verschlossenen Türen mit jungen Gemeindemitgliedern folgte er der spontanen Einladung von Hauptpriester und Gemeindegründer Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal. Zum Beginn der großen Prozession brachte er im Bad der Menge die um die Sicherheit des deutschen Staatsoberhauptes bemühten Kräfte sichtlich unter Druck. Das vergleichsweise und deutlich größere Polizeiaufgebot war allein dem Besuch des Bundespräsidenten geschuldet. Im Hinblick auf Sicherheit blieb aber alles ruhig.

Seit fast 25 Jahren lädt Paskarakurukkal, so wie es sich für große Tempel gehört, auch die höchsten Würdenträger des Landes zum Tempelfest ein. Dass Steinmeier in diesem Jahr gekommen ist, ist für ihn Ausdruck des göttlichen Willens von Sri Kamadchi Ampal, der Göttin mit den Augen der Liebe, dem der Uentroper Tempel geweiht ist. Der hohe Besuch sei der Gemeinde „eine große Ehre und ein deutliches Zeichen der Wertschätzung, des Respekts und des Miteinanders hier bei uns in Hamm“, sagte der Priester. „Dass Sie hier sind, erfüllt uns mit Freude und Dankbarkeit“ – und unterstreicht seinen Kampf um Anerkennung und Gleichstellung mit den großen Volkskirchen. Nach 13 Jahren des unermüdlichen Einsatzes ist aus dem Tempelverein eine Gemeinde geworden für alle Hindus in Deutschland. Seit 2017 ist sie Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Außergewöhnlich war Steinmeiers Besuch nicht nur für die Hindus, sondern auch für die Stadt selbst. Nach Theodor Heuss 1954 und Gustav Heinemann 1969 war es erst der dritte offizielle Besuch eines Bundespräsidenten in Hamm. Er trug sich im Kulturzentrum ins Goldene Buch der Stadt ein. Steinmeier machte zudem den ersten Eintrag in ein neues Gästebuch der Gemeinde und markiert so den Beginn von etwas Neuem.

Tausende Besucher wurden zur großen Prozession am Sri Kamadchi Ampal-Tempel in Uentrop erwartet. Wir waren im Livestream vor Ort und begleiteten den Höhepunkt des Tempelfests.