„Totaler Krieg“: Ex-Google-Chef warnt vor gefährlicher Wende im Ukraine-Krieg

Stand: 14.09.2026, 14:30 Uhr

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„Totaler Krieg“: Ex-Google-Chef warnt vor gefährlicher Wende im Ukraine-Krieg

Eric Schmidt sieht ein großes Risiko darin, dass Russland technologisch aufholt. © © IMAGO / SNA / Symbolbild

Eric Schmidt sieht ein großes Risiko darin, dass Russland technologisch aufholt.

Russland verbindet seine deutlich größere Rüstungsproduktion inzwischen mit eigener technischer Anpassungsfähigkeit. Dadurch schrumpft nach Einschätzung des früheren Google-Chefs Eric Schmidt ein entscheidender Vorteil der Ukraine: neue Systeme schneller als Moskau zu entwickeln und an die Front zu bringen. Ohne deutlich mehr westliche Produktionshilfe könne Kiew die russische industrielle Übermacht auf Dauer nicht ausgleichen.

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Russland holt bei der Technik auf

Auf einer Reise in die Ukraine musste Schmidt diesen Sommer in Kiew während eines russischen Raketenangriffs Schutz suchen. Nach dieser Erfahrung beschreibt er in einer Analyse für die US-Zeitung Washington Post einen Wandel des Krieges. Russland werde „immer besser darin, diesen Krieg zu führen“ und bewege sich auf eine Strategie des „totalen Krieges“ zu. Moskau mobilisiere dafür Fabriken und Personal in großem Maßstab.

Schmidt war früher Vorstandschef und später Verwaltungsratschef von Google. 2021 gründete er das Special Competitive Studies Project (SCSP), eine Denkfabrik, die sich mit Künstlicher Intelligenz und Sicherheitspolitik beschäftigt. Er war seit Kriegsbeginn mehrfach in der Ukraine, um das ukrainische Militär bei der Entwicklung fortschrittlicher Technologien zu unterstützen.

Sein letzter Besuch in Kiew habe ihn mit Sorge erfüllt. Lange habe die Ukraine ihre geringeren Ressourcen mit Tempo ausgeglichen, schreibt Schmidt. Ingenieure hätten neue Waffen und Systeme innerhalb weniger Wochen entwickelt, an der Front getestet und angepasst. Russland habe dagegen vor allem auf seine größere industrielle Basis gesetzt. Inzwischen verbinde Moskau diese Masse zunehmend mit eigener Innovation.

Der Vorsprung der Ukraine schrumpft

Als Beispiel nennt Schmidt den Drohnenkrieg. Nachdem die Ukraine Abfangdrohnen gegen russische Shahed-Drohnen entwickelt hatte, habe Russland schnellere Versionen mit Strahltriebwerk eingesetzt. Zugleich arbeite Moskau an einem eigenen Satellitennetz, das mit Starlink konkurrieren solle. Ukrainische Drohneneinheiten nutzen Starlink bislang für Angriffe auf russische Truppen in besetzten Gebieten.

Auch die Front selbst habe sich stark verändert. Kommandeure säßen tief unter der Erde und werteten Bilder von Sensoren aus, während unbemannte Systeme aufklärten oder Nachschub transportierten. Nach Schmidts Darstellung entstehen 80 Prozent der ukrainischen Verluste, wenn Soldaten zwischen Stellungen unterwegs sind. Manche blieben deshalb monatelang unter der Erde.

Doch schnelle Entwicklung allein reiche nicht mehr. Schmidt berichtet von einem Kommandeur, dessen Einheit keine neuen Ziele mehr gesucht habe, weil bereits für bekannte Ziele die Drohnen fehlten. „Eine gute Drohne, die zu Hunderttausenden gebaut wird, kann den Verlauf des Krieges verändern“, schreibt Schmidt.

Schmidt warnt vor dem kommenden Winter

Russland baue zugleich seine Fähigkeit aus, Waffen in sehr großen Mengen herzustellen. Zudem erwäge Moskau eine weitere große Einberufungswelle, die die Ukraine für diesen Herbst erwarte. Der kommende Winter werde deshalb kritisch. Russland nutze fehlende ukrainische Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen bereits für Angriffe auf Kraftwerke und Umspannwerke.

Die Ukraine könne diese industrielle Größenordnung allein nicht erreichen, argumentiert Schmidt. Nötig seien mehr Abfangsysteme, Munition und weitreichende Waffen. Der Westen müsse außerdem stärker in die ukrainische Produktion investieren und Lieferengpässe beseitigen. „Mut allein kann Städte nicht schützen und diesen Krieg nicht gewinnen“, schreibt Schmidt.

Quellen: Washington Post, nif/red.