Tourismus in den Bergen Massenandrang am Mont Blanc – Wandern bald nur mit Reservation?
Der Andrang zu den Wanderrouten beim Mont Blanc ist so gross geworden, dass in der Politik der Ruf nach Zugangsbeschränkungen laut wird.
11.08.2026, 05:55
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Die Mont-Blanc-Tour gehört zu den beliebtesten Wanderungen Europas. Die fast 170 Kilometer lange Rundstrecke führt durch drei Länder. Jeden Sommer umrunden so um die 80'000 Menschen den höchsten Berg Europas. Die Touristinnen und Touristen kommen von überall her, aus Neuseeland, China, Kanada, Taiwan usw.
Eine Wandergruppe hinter der anderen, mit wenigen Metern Abstand: Das ist heute auf der Mont-Blanc-Tour oft eine Realität.
RTS
Die Wanderroute ist Opfer ihres Erfolgs. Man sieht Wandergruppen im Abstand von weniger als einem Meter zueinander, und die Natur wird nicht von allen Gästen respektiert. Für einige Einheimische ist die Situation unerträglich geworden. So etwa für den Gemeindepräsidenten von Saint-Gervais-les-Bains, Jean-Marc Peillex. Er fordert, dass ab nächstem Frühling der Zugang zur Route beschränkt wird, inklusive Kontrollen und Sanktionen.
Die Leute sehen nur die Hintern der anderen. Das ist doch nicht toll.
«Wer die Mont-Blanc-Tour machen will, braucht eine Reservation in einer Hütte oder in einer autorisierten Biwakzone. Ist das nicht möglich, verschiebt man sein Vorhaben auf das nächste Jahr», lautet der Vorschlag von Peillex. «Heute geht es im Gänsemarsch voran. Die Leute sehen nur die Hintern der anderen. Das ist doch nicht toll.»
Braucht es mehr Regulierung in den Bergen?
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Jean-Marc Peillex, der Gemeindepräsident von Saint-Gervais, ist schon länger als Vorkämpfer für Zugangsbeschränkungen in den Bergen bekannt. Er setzte durch, dass es für die Besteigung des Mont Blanc zur Pflicht wurde, eine Reservierung in der Goûter-Hütte zu haben.
Er rechtfertigte das in den sozialen Medien damit, dass man ja auch reservieren müsse, bevor man in ein Flugzeug steige – und brachte damit einen Teil der Alpinismus-Community gegen sich auf.
Während Besteigungsgenehmigungen mancherorts auf der Welt – allen voran im Himalaja – üblich sind, herrscht in den Alpen noch immer der traditionelle Anspruch, dass die Berge ein Raum der Freiheit bleiben sollen. «Wir ziehen es vor, uns von dieser etwas naiven Vorstellung zu lösen, wonach die Berge ein Raum der Freiheit ohne jegliche Regeln seien», sagt Peillex kürzlich im Magazin «Outside». «Die Berge verdienen Respekt, und man soll sich dort nur unter bestimmten Bedingungen betätigen dürfen.»
Nur ein kleiner Teil der Mont-Blanc-Tour liegt auf dem Gemeindegebiet von Saint-Gervais. Die anderen Gemeinden des französischen Abschnitts der Route arbeiten jedoch gemeinsam an dieser neuen Regelung, damit sie im nächsten Frühling in Kraft treten kann.
Aufruf zur Koordination
Auf Schweizer Seite ist bisher nichts dergleichen geplant. Joachim Rausis, der Gemeindepräsident von Orsières (VS), relativiert die Problematik auf dem Teil der Strecke, der durch seine Gemeinde führt.
Stimmen Betroffener zum Grossandrang auf der Mont-Blanc-Tour:
«Wir befinden uns nicht in einer Situation von ausgeprägtem Übertourismus», sagte Rausis dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Es gibt Signale, und wir müssen Dinge regeln. Aber es braucht vor allem Koordination zwischen der Schweiz, Italien und Frankreich.»
Die Überlastung stellt aber auch lokale Akteure des Bergtourismus vor Probleme. «Man muss die Hotels und Hütten ein Jahr im Voraus reservieren. Das ist als Selbstständige fast unmöglich», berichtet die Bergführerin Sarah Kleinknecht. «Die Agenturen beanspruchen viel Platz. Als selbstständige Bergführerin hat man selten Kundinnen und Kunden ein Jahr im Voraus.»
Es wird also darum gehen, in der Region ein Gleichgewicht zu finden zwischen weltweiter Beliebtheit und dem Bewahren ihrer einzigartigen Vorzüge.
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RTS, 19h30, 7.8.2026, 19:30 Uhr; wilh