Stand: 13.10.2026, 17:17 Uhr
Kommentare
Trade Republic verlangt im Altersvorsorgedepot keine Gebühren und erstattet bei mehr als 50 ETFs sogar die Fondskosten, was Sparern über Jahrzehnte Tausende Euro bringen kann.
Null Euro für Depot, Sparplan und sogar die Fondskosten: Mit diesem Angebot startet Trade Republic in das neue Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablöst. Der Berliner Neobroker hat am Dienstag die Konditionen für sein Altersvorsorgedepot veröffentlicht. Bei mehr als 50 ausgewählten ETFs erstattet Trade Republic jeden Monat die laufenden Kosten und legt das Geld direkt wieder für Sie an. Welche Haken das Angebot hat und wie es im Detail funktioniert, lesen Sie in der ausführlichen Analyse bei Finanzwissen.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit €uro-Finanzwissen.
Damit erhöht Trade Republic den Druck auf die Konkurrenz. Erst vier Tage zuvor hatte Scalable Capital ein ähnliches Modell vorgestellt. Für Sie als Sparer zählt am Ende, wie viel von der staatlichen Förderung nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Einen Überblick über die bisher bekannten Konditionen der Banken und Broker bietet der Altersvorsorgedepot-Vergleich von Finanzwissen.

Das Wichtigste in Kürze
- Trade Republic verlangt im Altersvorsorgedepot keine Gebühren für Depotführung und ETF-Sparpläne.
- Bei mehr als 50 ETFs, unter anderem von BlackRock, DWS und Vanguard, erstattet der Broker monatlich die Fondskosten.
- Bei 100 Euro Eigenbeitrag im Monat bleiben Ihnen nach 30 Jahren rund 4.600 Euro mehr als mit einem ETF mit 0,2 Prozent Kosten.
- Offen sind noch die Kosten in der Auszahlphase, bei Einzelkäufen und bei einem Anbieterwechsel.
Was Trade Republic genau anbietet
Das Altersvorsorgedepot gibt es in zwei Varianten. Im Standarddepot gibt der Anbieter die Anlage vor, der Gesetzgeber deckelt die Kosten hier auf 1 Prozent pro Jahr. Im freien Depot stellen Sie Ihr Portfolio selbst zusammen. Trade Republic will beide Varianten kostenlos anbieten.
Kern des Angebots ist die Erstattung der Fondskosten. Jeder ETF hat laufende Kosten, die sogenannte TER. Die Fondsgesellschaft zieht sie unbemerkt aus dem Fondsvermögen ab, bei breit gestreuten Indexfonds meist bis zu 0,2 Prozent im Jahr. Trade Republic berechnet diesen Betrag für Ihre Bestände, schreibt ihn monatlich gut und kauft davon neue Fondsanteile.
Wichtig: Die Erstattung gilt nur für die begünstigten ETFs. Im freien Depot bietet Trade Republic erstmals auch aktiv gemanagte Fonds an. Für diese und für alle anderen ETFs zahlen Sie die üblichen Produktkosten.
So viel Geld bleibt Ihnen nach 30 Jahren mehr
Die staatliche Förderung ist bei allen Anbietern gleich. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr legt der Staat 50 Prozent drauf, auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Prozent. Die Grundzulage beträgt damit höchstens 540 Euro im Jahr. Hinzu kommen bis zu 300 Euro pro Kind und einmalig 200 Euro für Berufseinsteiger.
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum die Kosten trotzdem den Unterschied machen. Sparen Sie 100 Euro im Monat, erhalten Sie 390 Euro Grundzulage im Jahr. Über 30 Jahre fließen so 47.700 Euro in Ihr Depot. Bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr ergibt sich folgendes Bild:
- Ohne Kosten: rund 129.100 Euro
- Mit 0,2 Prozent Fondskosten: rund 124.600 Euro, also etwa 4.600 Euro weniger
- Mit 1 Prozent Kosten (gesetzlicher Höchstwert im Standarddepot): rund 108.000 Euro, also gut 21.000 Euro weniger
Was nach einer Kleinigkeit klingt, summiert sich über Jahrzehnte, weil auch das erstattete Geld investiert bleibt.
Trade Republic oder Scalable: Wo liegt der Unterschied?
Scalable Capital hatte am 9. Oktober mit seinem „Rentenbonus“ ein sehr ähnliches Modell vorgelegt. Auch dort sind Sparpläne kostenlos, auch dort erstattet der Broker die Fondskosten für ETFs auf einer Positivliste. Die Unterschiede liegen im Detail:
- Gutschrift: Trade Republic erstattet monatlich, Scalable quartalsweise. Der zusätzliche Zinseszinseffekt ist allerdings gering.
- Dauer: Scalable übernimmt die ETF-Kosten im Standarddepot zunächst bis mindestens Ende 2027. Trade Republic spricht von einem „langfristigen Versprechen“, nennt aber keine verbindliche Frist.
- Einzelkäufe: Scalable verlangt 0,99 Euro im kostenlosen Modell und nichts im Abo PRIME+. Bei Trade Republic steht die Angabe noch aus.
Wie verdient Trade Republic überhaupt daran? Mitgründer Christian Hecker sagte der WirtschaftsWoche: „Mit dem Altersvorsorgedepot verdienen wir kein Geld. Aber wir verlieren auch keins.“ Der Broker setzt darauf, dass Kunden langfristig weitere Produkte wie Konto oder Karte nutzen. Nach eigenen Angaben zählt Trade Republic fünf Millionen Kunden in Deutschland.
Diese Fragen sind noch offen
Die Ankündigung betrifft nur die Ansparphase. Bevor Sie sich festlegen, sollten Sie diese Punkte im Blick behalten:
- Auszahlphase: Wie der Auszahlplan im Rentenalter aussieht und was er kostet, ist noch unklar.
- Anbieterwechsel: Zu möglichen Kosten bei einem späteren Wechsel gibt es noch keine Angabe.
- ETF-Auswahl: Die vollständige Liste der begünstigten Fonds liegt noch nicht vor. Offen ist auch, ob Trade Republic sie später ändern kann.
Zudem ist Trade Republic ein reiner App-Broker. Persönliche Beratung am Telefon oder in einer Filiale gibt es nicht.
Was das für Ihre Altersvorsorge bedeutet
Eile ist nicht geboten. Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027, die Mindesteinzahlung beträgt 120 Euro im Jahr. Drei Punkte sollten Sie bei Ihrer Entscheidung beachten:
- ETF prüfen: Achten Sie darauf, dass Ihr Wunsch-ETF auf der Liste der begünstigten Fonds steht. Sonst zahlen Sie die vollen laufenden Kosten.
- Förderung nutzen: Die höchste Zulagenquote erhalten Sie auf die ersten 360 Euro im Jahr, also 30 Euro im Monat.
- Nicht vorzeitig entnehmen: Wer vor dem Rentenalter Geld abzieht, verliert die staatliche Förderung.
Wie die Förderung im Detail funktioniert und für wen sich das Depot lohnt, erklärt der Ratgeber zum Altersvorsorgedepot bei Finanzwissen.
Dein €uro-Finanzwissen-Newsletter
Jeden Freitag: Kostenloser €uro-Finanzwissen-Newsletter mit allen wichtigen Themen für deine privaten Finanzen.
Trade Republic setzt den neuen Maßstab beim Preis
Nach bisherigem Stand bietet Trade Republic das günstigste Altersvorsorgedepot an, und zwar auch im Standarddepot, in dem viele Sparer landen werden. Bei vielen Riester-Verträgen haben Abschluss- und Verwaltungskosten einen großen Teil der Zulagen aufgezehrt. Hier soll davon nichts übrig bleiben. Allerdings ist die Kostenübernahme eine Absichtserklärung und keine Garantie, und zur Auszahlphase fehlt jede Angabe. Der Abstand zu Scalable ist gering: Wer dort bereits Kunde ist, muss deshalb nicht wechseln. Unterm Strich gilt: Vergleichen Sie die Konditionen bis zum Start Anfang 2027 genau.
Stand der Angaben: 13. Oktober 2026. Die Angaben basieren auf Mitteilungen von Trade Republic und Scalable Capital sowie einem Bericht der WirtschaftsWoche. Das Rechenbeispiel ist vereinfacht und berücksichtigt weder Steuern noch Kursschwankungen. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.