Stand: 11.08.2026, 06:00 Uhr
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Edgar Hartz möchte Menschen ermöglichen, ihre Trauerrede selbst zu gestalten. Das Gespräch dauert rund 30 Minuten – die Rede wird anschließend versiegelt.
Bad Soden – Edgar Hartz ist seit knapp zehn Jahren als Trauerredner tätig. In dieser Zeit hat er – geschätzt, nicht gezählt – um die 500 Trauergespräche und -feiern begleitet. Nun möchte er sein Angebot erweitern: „Ich möchte Menschen die Möglichkeit geben, selbst das Vorabgespräch für die Trauerrede zu führen. Das wichtigste Gespräch über einen Menschen sollte nicht erst nach seinem Leben geführt werden.“
Die Idee dafür hatte der Trauerredner vor ein paar Wochen bei einem Gespräch im Seniorenstift. „Da gab es eine total nette ältere Dame, deren Mann verstorben war. Im Vorabgespräch für die Trauerrede habe ich mich auch nach seiner Kindheit erkundigt, aber dazu wusste sie nicht viel. Ihr Mann war 1937 geboren und hatte mit ihr nie über diese Zeit gesprochen.“ So entstand die Idee, in Seniorenheime zu gehen und Vorträge über das neue Angebot zu halten und Interessenten zu gewinnen. „Wenn ich mit dem, nennen wir ihn mal Auftraggeber, direkt sprechen kann, lassen sich auch die Fragen klären, bei denen die Angehörigen überfragt sind“, sagt Hartz.
Im Gespräch haben Menschen die Möglichkeit, darüber zu sprechen, wie sie in Erinnerung bleiben wollen und was ihnen für die Trauerfeier und -rede wichtig ist. „Das geht schon bei banalen Fragen wie etwa ‚Sind religiöse Elemente gewünscht?‘ los“, sagt der Trauerredner. „Viele Angehörige sind sich da sehr unsicher: ‚Oh Gott, weißt du, ob der Karl das gewollt hätte?‘“ Diese Erfahrung macht er in seinen Gesprächen oft. Auf die Frage hin, ob eine Vorsorge hinsichtlich der Trauerrede den Angehörigen einen Aspekt des Trauerns nehmen würde, sagt Hartz: „Es ist immer auch eine Mischung möglich. Beispielsweise können die Angehörigen auch Aspekte für die Rede einbringen oder einen Nachruf verfassen, damit auch sie zum Ausdruck bringen können, wie sie den Verstorbenen gesehen haben.“
Das Angebot will Hartz nach der Urlaubszeit in Seniorenstiften, Palliativstationen, Bestattungsinstituten sowie in Hospiz- und Kirchenvereinen vorstellen. Geeignet sei das Angebot für alle, die „ganz pragmatisch Vorsorge treffen wollen und selbst darüber ins Gespräch kommen möchten, wie sie in Erinnerung bleiben wollen“. Vorbereiten müsse man für ein solches Gespräch nichts. „Ich frage etwa nach den familiären Verhältnissen, der beruflichen Tätigkeit, Hobbys und danach, woran sich die Menschen Jahre nach dem Tod noch erinnern werden“, sagt Hartz zu den Inhalten des Vorgesprächs. Darüber hinaus fragt er auch, ob es einen Trauerspruch der Familie gibt oder ob und welche Rituale bei der Bestattung gewünscht sind.
„Wenn jemand ein Gartenfan ist, gibt es etwa die Möglichkeit, einen Stein aus dem Garten an alle Gäste zu reichen. Sie können dann noch mal all ihre Wünsche an den Verstorbenen sprechen und anschließend wird der Stein ins Grab gelegt“, nennt Hartz als Beispiel für ein weltliches Ritual. Die Trauerrede wird im Anschluss in einem zweiten Gespräch besprochen und eventuell verfeinert. „Passt alles, tue ich die Rede in einen schönen Umschlag und versiegele sie“, sagt er. Nach der Bestattung bindet er sie auf Wunsch auch schön ein, um sie den Angehörigen an die Hand zu geben.
Ein Gespräch für die eigene Trauerfeier zu führen, hat aus Hartz‘ Sicht viele Vorteile: „Die Angehörigen müssen sich nichts zusammendichten, wenn sie etwas nicht wissen“, sagt Hartz. Darüber hinaus ließe sich damit der Druck senken. „Die Familienmitglieder sind in einer sehr ungewohnten Situation, die ja, Gott sei Dank, im Leben nicht oft vorkommt. Viele sind daher bei den Gesprächen für die Trauerrede sehr nervös und unsicher.“ Wer seine Rede selbst vorbereitet, kann sich sicher sein, dass Hartz den dann Verstorbenen treffend beschreibt und eine lange und gelungene Rede halten kann. „Trauerreden sind um die 30 Minuten lang. Wenn ich wenig weiß, wäre es aber pietätlos, nach 10 Minuten aufzuhören. Denn die Bestattung ist das letzte Treffen mit dem Verstorbenen.“
Hartz gelinge es durch ausführliche Vorgespräche auch, den Verstorbenen durch seine Rede lebendig werden zu lassen. „Eine besonders gelungene Rede erkenne ich daran, dass die Menschen hinterher zu mir kommen und fragen: ‚Haben Sie den gekannt?‘ Ich sage dann immer: ‚Nein, ich habe ihn leider nicht gekannt‘“, sagt der Trauerredner. Künftig kann das anders sein. Mit dem neuen Angebot will Hartz auch ein Stück weit versuchen, eine neue Erinnerungskultur zu etablieren. Er hofft, dass sein Angebot genauso selbstverständlich wird, wie andere Arten der Vorsorge.
Ewig wird der 79-Jährige seiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen: „Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Aber solange er gute Resonanzen bekommt, will Hartz „weiterhin den Menschen geben, was sie sich wünschen“.