Russlands Öl- und Gas-Einnahmen rauschen rasant in die Höhe

Trotz Sanktionen: Warum Russlands Öl- und Gaseinnahmen im Oktober massiv steigen

Stand: 17.10.2026, 06:08 Uhr

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Sanktionen im Leerlauf? Russland verdient trotz Krise an Öl und Gas. Im Bild ein Arbeiter des Gasriesen Gazprom

Sanktionen im Leerlauf? Russland verdient trotz Krise an Öl und Gas. Im Bild ein Arbeiter des Gasriesen Gazprom. © ITAR-TASS/Imago

Sanktionen, Hilfspakete, Appelle: Trotzdem steigen Russlands Öl- und Gaseinnahmen innerhalb eines Monats deutlich. Wie das sein kann und welche Rolle die EU spielt.

Moskau – Im Oktober füllt sich die Kasse in Moskau: Laut einer Berechnung der Nachrichtenagentur Reuters werden die Öl- und Gaseinnahmen des russischen Bundeshaushalts gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent in die Höhe steigen. Am Ende dürften demnach rund eine Billion Rubel (etwa 10,7 Milliarden Euro) in der Staats- und Kriegskasse landen.

Dabei sollte doch eigentlich das Gegenteil passieren: Westliche Staaten greifen für die Ukraine tief in die Tasche und verhängen neue Sanktionen gegen Russland (wir sind mittlerweile beim 21. Sanktionspaket). Doch die russische Wirtschaft meldet schon wieder einen Erfolg. Was bringt der Druck, wenn der Kreml trotzdem Einnahmen verbucht?

Satter Ertrag für Russland: Warum Öl und Gas den Kreml weiter stützen

Die Steuern auf Öl und Gas machen demnach etwa ein Fünftel aller Staatseinnahmen aus. Im Oktober wirkt ein Sondereffekt: Vierteljährliche Zahlungen der zusätzlichen gewinnabhängigen Steuer auf die Ölproduktion lassen die Einnahmen gegenüber September mehr als doppelt so hoch ausfallen. Es handelt sich also um einen Kalendereffekt.

Ohne diese Sondersteuer lägen die Erlöse laut Reuters immer noch um rund 164 Milliarden Rubel (etwa 1,7 Mrd. Euro) beziehungsweise 36 Prozent über dem Septemberniveau. Der Rückenwind kommt vor allem von den globalen Ölpreisen, die wegen der Lieferengpässe im Nahen Osten stark gestiegen sind.

Sanktionen auf dem Prüfstand: Wer am Ende die Zeche zahlt

Während ein großer Teil der Gewinne russischer Staatskonzerne in den Krieg fließt, spüren die Menschen im Westen die Folgen. Treiben der Ukraine-Krieg oder die Straße von Hormus die Energiepreise hoch, zahlen Haushalte in Deutschland Rekordpreise für Strom, Gas und Benzin. Öl- und Multikonzerne kassieren Übergewinne.

Der Westen verzichtet bislang auf eine umstrittene Übergewinnsteuer. Stattdessen finanziert der Staat Entlastungen wie die Preisbremsen aus Steuermitteln. Viele Bürger spüren die Belastung doppelt, an der Tankstelle und über ihre Steuern. Diese Debatte nutzt der Kreml gerne, wenn es um die Folgen westlicher Unterstützung für die Ukraine geht.

Energie aus Russland: Putin spielt seine Trümpfe aus

Im Oktober meldete sich Wladimir Putin mit einer klaren Botschaft. Wie NBC News berichtete, teilte er US-Präsident Donald Trump mit, Russland habe seine „Bereitschaft zur Lieferung von Öl und Erdölprodukten an die Märkte der USA und weltweit“ signalisiert. Das klingt nach Angebot, ist aber vor allem auch ein politisches Signal.

Russlands Präsident Wladimir Putin

Trotz Kriegs und Sanktionen kaufte Europa in neun Monaten des Jahres LNG für fast acht Milliarden Euro aus Russland. © dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Mikhail Metzel

Kurz darauf setzte das US-Finanzministerium Sanktionen auf russische Dieselexporte bis April 2027 aus, während andere Sanktionen weiterhin gelten. NBC News sprach von einer abrupten Kehrtwende, nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung eines Gesetzes, das Länder bestrafen soll, die russisches Öl kaufen.

Wirtschaft in Russland: Zwischen Krise und Kriegskasse

Nach Reuters-Schätzungen erreichen die Öl- und Gaseinnahmen von Januar bis Oktober 2026 rund 6,45 Billionen Rubel (etwa 69 Mrd. Euro), ein Minus von 14 Prozent zum Vorjahr. Verantwortlich für diesen Rückgang sei dann doch ein Mix aus westlichen Sanktionen und ukrainischen Drohnenangriffen.

Für die Wirtschaft bleibt es den Angaben zufolge heikel. Die Fördermenge sei im dritten Quartal um fünf Prozent geschrumpft, was die Einnahmen aus den höheren Ölpreisen dämpft. Wie das „Centre for Research on Energy and Clean Air“ (CREA) in einem aktuellen Monatsbericht mitteilt, sind die Erlöse aus dem Export von Ölprodukten auf dem Seeweg im August noch deutlich zurückgegangen. Russland bleibt aber der drittgrößte Ölproduzent und -exporteur der Welt.

Europas Gasimporte: Stiller Widerspruch zu den Sanktionen

Ausgerechnet Europa zahlt weiter kräftig für russisches Gas. Die EU bezieht trotz des Ukraine-Kriegs Flüssigerdgas (LNG) aus Russland. Im September 2026 stiegen die Importe gegenüber August sogar um 60 Prozent, in den ersten neun Monaten waren es rund 7,88 Mrd. Euro. Fast alles stammt aus dem Arktis-Projekt Yamal LNG des Konzerns Novatek.

Frankreich bezog im September rund 72 Prozent der russischen LNG-Lieferungen in der EU, vor den Niederlanden und Portugal. Das in der Bretagne angelieferte Gas kann über das europäische Netz weitergeleitet werden. Solange Wladimir Putin seine Energie auch über Umwege verkaufen kann, bleibt die Wirkung der Sanktionen begrenzt. (Quellen: Reuters, The Moscow Times, Greenpeace, Spiegel, NBC News, BAFA, Berliner Zeitung)