Stand: 10.09.2026, 14:44 Uhr
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Der Präsident will den Republikanern mit seiner Strahlkraft bei den Zwischenwahlen im Kongress zum Sieg verhelfen. Ein riskantes Spiel. Der Kommentar.
Dallas – Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch, das Ruder herumzureißen und einen neuen Kurs Richtung Erfolg einzuschlagen. Die Rede ist vom Sonderparteitag der Republikaner vor den Midterms im November. Donald Trump persönlich soll die Idee zur mehrtägigen Veranstaltung gehabt haben. Der US-Präsident will mithilfe der Show in Dallas seine Partei aus dem Stimmungstief holen, in dem sie sich seit Monaten befindet. Laut aktuellen Umfragen zu den Midterms werden die Republikaner ihre ohnehin dünne Mehrheit im US-Repräsentantenhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren. Das Rennen im US-Senat sieht die Meinungsforschung als vollkommen offen an.

Bei den Zwischenwahlen in den USA werden alle Sitze im US-Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im US-Senat neu gewählt. Bei den Midterms 2026 sind es wegen zweier Sonderwahlen statt der üblichen 33 Sitze im US-Senat sogar 35. Daneben wird in 36 Bundesstaaten eine neue Gouverneurin oder ein neuer Gouverneur gesucht. Auf lokaler Ebene geht es zudem um tausende Ämter und Positionen in Landesparlamenten, Bezirken und an Gerichten.
Der Name Trump steht auf keinem einzigen Wahlzettel. Laut der Lichtgestalt der Republikaner ist aber genau das ihr Problem. Deshalb bemüht er sich, die Midterms zu einer Personenwahl zu machen. „Ich stehe auf dem Wahlzettel“, sagte Trump in Dallas, „nur noch ein einziges Mal!“ Sollten die Demokraten gewinnen, würden alle die Errungenschaften, die seine Regierung erreicht hatte, zunichtegemacht. „Ihr werdet Eure Sicherheit verlieren, ihr werdet Euren Wohlstand verlieren und das Land wird durch die Hölle gehen“, so Trump.
Trump verkennt die Stimmung in den USA vor den Midterms – ein Kommentar
Um das zu verhindern, ruft Trump seine Anhängerschaft nach Dallas. Dort werden neben ihm weitere Regierungsvertreter wie Vizepräsident J. D. Vance und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. auftreten. Auch Donald Trump Jr. soll eine Rede halten. Der Tenor wird einhellig sein: Die Trump-Regierung macht hervorragende Arbeit, dem Land geht es so gut wie noch nie, und die Demokraten sind entweder unfähig oder Kommunisten oder beides.
Trumps Fähigkeit, sich die Realität zurechtzubiegen, ist mindestens so legendär wie seine Eitelkeit. Es überrascht daher nicht, dass er der Meinung ist, der Weg aus der Umfrage-Krise für die Republikaner sei es, einfach mehr darüber zu reden, wie toll Trump ist. In der Vergangenheit mag das auch funktioniert haben. Bei den Midterms 2026 sind die Erfolgsaussichten dieser Strategie aber denkbar schlecht. Die Einschnitte in sozialstaatlichen Programmen durch Elon Musk und DOGE kommen jetzt bei den armen Menschen an. Essensmarken gehen aus. Der Rest des Landes ächzt unter Inflation und Spritpreisen, die wegen des Iran-Kriegs so hoch sind, den so gut wie niemand mehr unterstützt. Selbst Trumps größter Trumpf, seine Migrationspolitik, trifft nach den Gewaltexzessen von ICE-Beamten auf steigenden Widerstand.
All das beschreibt die Lebensrealität, in der sich die US-Bevölkerung befindet. Daraus speist sich authentische Wut auf die US-Regierung. Es ist dabei egal, ob die Wut legitim ist. Sie ist authentisch. Das ist alles, was zählt. Trump aber ignoriert diese Wahrheit und will den Leuten erzählen, dass sie falsch liegen und die Situation in Wirklichkeit ganz wunderbar ist.
Trump wandelt vor den Midterms auf den Spuren Joe Bidens
Eine ganz ähnliche Strategie verfolgten bei der US-Wahl 2024 die Demokraten. Die Bedenken eines Großteils der Wählerschaft am Gesundheitszustand des damaligen Präsidenten Joe Biden wurden ignoriert, bis es nicht mehr ging. Es folgte Kamala Harris als Kandidatin. Auch sie nahm die Sorgen der Menschen nicht ernst, sondern war überzeugt, man müsse den Leuten nur erklären, dass es ihnen eigentlich hervorragend gehe. Das Ergebnis war eine krachende Niederlage und ein Sieg Trumps. Nicht, weil die Leute ihn als guten Kandidaten sahen, sondern weil sie Veränderungen wollten, Harris und die Demokraten ihnen aber nur ein „Weiter so“ anboten.
Die Dämonisierung Trumps als Totengräber der Demokratie verfing ebenfalls nicht. Und auch die Republikaner werden nicht punkten, wenn sie ihren Wahlkampf weiter darauf konzentrieren, die Demokraten zu wohlstandsgefährdenden Marxisten zu stilisieren. Dafür ist Zohran Mamdani zu sympathisch, Alexandria Ocasio-Cortez zu klug und Abdul El-Sayed zu kumpelhaft.
Es gibt also absolut keinen Grund, der vermuten lässt, dass Trump mit seinem Personenkult bei den Midterms Erfolg haben wird. Die Midterms drohen, zum Desaster für die Republikaner zu werden. (Daniel Dillmann)