Doppelgipfel im Weißen Haus: Trump trifft Selenskyj und Netanjahu – unter massivem innenpolitischen Druck

Trump trifft Selenskyj und Netanjahu: Was heute auf dem Spiel steht

Stand: 28.07.2026, 13:45 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Trauerfeier für US-Senator Graham führt Netanjahu und Selenskyj nach Washington. Beide nutzen die Chance für heikle Gespräche mit Trump.

Washington, D:C: – US-Präsident Donald Trump empfängt am heutigen Dienstag die Staatschefs der Ukraine und Israels. Sie weilen anlässlich der Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen US-Senator Lindsey Graham in Washington. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist bereits in den USA eingetroffen.

Selenskyj trifft am 28. Juli Trump (hier ein Bild vom 8. Juli vom NATO-Gipfel in der Türkei)

Selenskyj trifft am 28. Juli Trump (hier ein Bild vom 8. Juli vom NATO-Gipfel in der Türkei) © SAUL LOEB/AFP

Trump-Selenskyj-Treffen heute: Fokus auf Luftabwehr und strategische Partnerschaft

Zentrales Thema der Gespräche ist die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr für den kommenden Winter sowie die strategische Kooperation beider Staaten. Kiew beziffert den Mindestbedarf an Patriot-Raketen im Ukraine-Krieg auf 300 Stück. Medienberichten zufolge haben die USA derzeit jedoch selbst mit knapper werdender Luftabwehr-Munition aufgrund des Iran-Kriegs zu kämpfen.

Wie die Zeitung Kyiv Post berichtet, habe Trump bereits am Rande des NATO-Treffens zu Monatsanfang in der Türkei signalisiert, der Ukraine die Produktion eigener Patriot-Raketen erlauben zu wollen. Zudem soll bei dem heutigen Besuch ein US-ukrainisches Abkommen über Drohnen finalisiert werden. Ferner drängt Kiew auf den Abschluss eines von Senator Graham initiierten US-Sanktionspakets gegen Importeure russischer Energie.

Das einst angespannte Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj – inklusive einer öffentlichen Demütigung im Februar 2025 – hat sich zuletzt deutlich verbessert. Als Wendepunkt nannte Selenskyj in einem Interview ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025.

Trump empfängt Netanjahu in Washington: Thema festgefahrener Iran-Konflikt

Im Anschluss an die europäische Sicherheitslage rückt der Nahe Osten in den Fokus der US-Diplomatie. Bei Trumps Treffen mit Benjamin Netanjahu handelt es sich um die erste persönliche Zusammenkunft, seit die USA und Israel vor fünf Monaten gemeinsame Angriffe auf den Iran gestartet haben.

Die bilateralen Beziehungen haben sich im Verlauf des Iran-Kriegs abgekühlt, nachdem diplomatische Bemühungen und eine angestrebte Waffenruhe mit Teheran gescheitert sind. Es ist das bereits achte Zusammentreffen der beiden seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025.

Trumps Problem vor den Midterms: Der Iran-Krieg ist in den USA unpopulär

Beide Politiker stehen aktuell unter enormem innenpolitischen Druck: Netanjahu muss vor der israelischen Wahl im Oktober gegenüber Washington Handlungsfähigkeit und Einigkeit demonstrieren. Trump wiederum blickt auf die in 100 Tagen anstehenden US-Zwischenwahlen (Midterms) und sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass der Iran-Krieg in den USA unpopulär ist. Zudem machen Teile der US-Öffentlichkeit Netanjahu für die Eskalation verantwortlich.

Laut dem israelischen Sender N12 wird Netanjahu voraussichtlich Geheimdienstinformationen vorlegen. Diese sollen belegen, dass der Iran unter Ajatollah Modschtaba Chamenei an der Wiederherstellung seiner militärischen und nuklearen Fähigkeiten arbeitet.

Einer Einschätzung der Times of Israel nach steht der israelische Regierungschef vor der Herausforderung, Trump von einem neuen, großangelegten Militäreinsatz zu überzeugen. Alternativ könnte Netanjahu versuchen, die formelle US-Zustimmung für neue, eigenständige israelische Angriffe im Iran einzuholen. (Kyiv Post, AFP, dpa, Reuters) (frs)