Lucas-Museum in LA: UFO für Frida Kahlo und die Jedi-Ritter

Lucas-Museum in LA

Am Dienstag wird das Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles eröffnet. Über eine Milliarde US-Dollar haben „Star Wars“-Schöpfer George Lucas und seine Frau Mellody Hobson in das Projekt investiert. Das Museum, das architektonisch an ein UFO erinnert, vereint „hohe“ und populäre Kunst: Frida Kahlo trifft auf die Jedi-Ritter.

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Kaum ein Pressebericht kommt ohne den Raumschiffvergleich aus – und er ist schwer zu widerlegen: Der geschwungene, strahlend weiße Baukörper verzichtet konsequent auf gerade Linien und wirkt so, als wäre er im Süden von Los Angeles im Exposition Park gelandet – in direkter Nachbarschaft zum Stadion der Olympischen Spiele, das auf eine ähnlich imposante Größe kommt.

Hinter dem Entwurf steckt der chinesische Architekt Ma Yansong – ein Novum: Erstmals hat ein chinesisches Büro einen bedeutenden Kulturbau in den USA gestaltet. Yansong nennt selbst „Wolkenformen“ als Inspirationsquelle. Auch ein Park wurde neu angelegt, ein Entwurf der US-Landschaftsarchitektin Mia Lehrer, der fließend in das begrünte Dach übergeht.

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Im Inneren setzt sich die intergalaktische Linie fort. Geschwungene Galerien ohne rechte Winkel und gläserne Aufzugsröhren lassen Besucher in eine Welt eintauchen, die an einen futuristischen Film erinnert, wie die „New York Times“ nach einem ersten Rundgang schrieb.

Odyssee bis Los Angeles

Von einer „langen Reise“, die ihn fast „gebrochen“ habe, sprach Lucas bei der Pressevorschau. 16 Jahre hatte die Planungsphase gedauert, zweimal war es am Standort gescheitert: In San Francisco versandete das Projekt früh, in Chicago wiederum klagte eine Bürgerinitiative erfolgreich gegen die Nutzung des öffentlichen Michigansee-Uferlands.

Lucas entschied sich daraufhin für Los Angeles, wo er nun auf knapp 9.300 Quadratmetern seine riesige Privatsammlung zeigt. Mehr als 40.000 Werke und Filmrequisiten soll die Kollektion insgesamt umfassen, rund 1.300 Objekte sind ausgestellt.

George Lucas und seine Frau Mellody Hobson
Hinter dem Projekt stehen George Lucas und seine Frau Mellody Hobson, eine der einflussreichsten Unternehmerinnen der USA

Schwammiger Begriff der erzählenden Kunst

Mit seinem Museum will Lucas die Grenzen zwischen Popkultur und Hochkultur aufheben und unter dem Begriff „Narrative Art“ – erzählende Kunst – ein bewusst breites Spektrum vereinen: „Narrative Kunst wird geschaffen, um Geschichten in Bildern zu erzählen“, heißt es in der Museumskonzeption. Gemälde von Frida Kahlo und Fotografien von Gordon Parks hängen neben Comics von Frank Miller; Stummfilme laufen in einem der zwei Kinos. Es gibt ein Pikachu aus „Pokemon“, Kunst aus Fantasy-Welten von „Der Herr der Ringe“ bis „Conan der Barbar“ sowie eine ganze Galerie mit Grafik- und Comicbuchbildern.

Was genau „erzählende Kunst“ ist, bleibt das Museum allerdings schuldig. Der Begriff „narrativ“ sei zwar ein Modewort, als Gattung kunsthistorisch aber nicht etabliert und die Grenze zu nicht narrativer Kunst kaum zu ziehen, bemängelten etwa die „New York Times“ und die deutsche Zeitung „Zeit“.

Museum steht zu Ansatz

Augenfällig werde die konzeptuelle Schwäche, so letztere, besonders im „wilden Ritt“ der Grundlagenabteilung: Griechische Statuen treffen dort auf japanische Rüstungen und Reproduktionen von Gemälden von Caravaggio und Rembrandt. „Geschieht irgendwas auf einem Bild, sind mindestens zwei Menschen drauf, scheint es schon eine Story zu sein, Hauptsache, es ähnelt einer Szene“, ätzte die „Zeit“ und kritisierte, dass die Kunst der Moderne und jede Art von Abstraktion damit ausgeschlossen seien.

Star Wars Figur im Lucas Museum of Narrative Art
Luke-Skywalker-Statue neben einem Modell des X-34 Landspeeder aus dem ersten „Star Wars“-Film

Das Museum kennt die Kritik, steht aber zu seinem Ansatz. „Ich glaube nicht, dass wir uns jemals dafür entschuldigen würden, dass wir uns zugänglicher fühlen“, sagte Geschäftsführerin Tracey Bates der „New York Times“.

„Star Wars“ trifft Kunst des 20. Jahrhunderts

Im neuen Museum kommen natürlich auch „Star Wars“-Fans auf ihre Kosten. In der Lobby hängt ein leuchtend gelber Naboo N-1 Starfighter aus „The Phantom Menace“, Luke Skywalkers Landspeeder ist in der Filmgalerie geparkt. Doch insgesamt sollen nur sieben Prozent der Objekte aus dem „Star Wars“-Universum stammen. „Luke Skywalker ist nie weit – aber die meiste Zeit schaut man auf Kunst des 20. Jahrhunderts“, so die „NYT“.

Einzelne Räume sind großen Künstlern gewidmet, allen voran dem US-Illustrator Norman Rockwell, den Lucas seit Jahrzehnten sammelt. Rockwell fing das Alltagsleben der USA in ikonischen Szenen ein, wie in seinem bekanntesten Bürgerrechtsbild „The Problem We All Live With“. Es zeigt ein kleines schwarzes Mädchen auf dem Schulweg zu einer weißen Schule im Jahr 1960. Auch der Fantasy-Künstler Frank Frazetta sowie Manga und Anime bekamen eigene Abteilungen.

Turbulenzen hinter den Kulissen

Die „unzusammenhängende Kuratierung“ könnte aber auch handfestere Gründe haben, mutmaßte CNN. Im April 2025 verließ Direktorin Sandra Jackson-Dumont das Haus, woraufhin Lucas selbst die inhaltliche Verantwortung übernahm. Einen Monat später wurden 15 Vollzeit- und sieben Teilzeitmitarbeiter entlassen. Im Dezember 2025 verließ zudem Chefkuratorin Pilar Tompkins Rivas das Haus, ohne dass ein Ersatz geplant war, so CNN.

Für Aufsehen sorgte das Museum zudem, weil es im Exposition Park öffentliches Staatsgelände nutzt und dafür einen Pachtzins von lediglich 30 US-Dollar pro Jahr zahlt – für 99 Jahre. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin ein unverhältnismäßiges Entgegenkommen gegenüber einem Milliardärsprojekt.

Neues kulturelles Los Angeles

2012 hatte Lucas sein Filmstudio für rund vier Milliarden Dollar an Disney verkauft und ein Jahr später die Museumsplanung bekanntgegeben. Das Haus ordnet sich nun in eine Reihe von Großprojekten ein, die das kulturelle Profil der Stadt aufwerten: Im April wurden die 724 Millionen Dollar teuren David Geffen Galleries im Los Angeles County Museum of Art eröffnet. Bereits 2021 hatte das Museum der Oscars-Academy seine Pforten geöffnet.