Ukraine soll Storm-Shadow selbst bauen: Russland tobt – und droht London mit „katastrophalen Folgen“
Stand: 28.08.2026, 13:29 Uhr
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Großbritannien erlaubt der Ukraine den Bau von Storm-Shadow-Raketen: Moskau reagiert mit neuen Drohungen gegen britische Ziele.
Kyjw – Andy Burnham ist erst seit etwas mehr als einem Monat Premierminister des Vereinigten Königreichs, schon droht ihm das russische Regime unter dem Präsidenten Wladimir Putin. Hintergrund ist die Genehmigung der britischen Regierung für den Bau von weitreichenden Marschflugkörpern mit „Storm-Shadow“-Technologie. Die der Ukraine gelieferten Marschflugkörper werden in Frankreich Scalp genannt. Die Marschflugkörper würden der Ukraine eine Reichweite von 250 Kilometern versprechen. Sie eignen sich besonders für Präzisionsangriffe gegen Bunker oder kritische Infrastruktur.

Als sich das Abkommen andeutete, hatte die Ankündigung in Moskau für harsche Kritik gesorgt: Kremlsprecher Dmitri Peskow warf der Regierung Burnham vor, mit diesen Plänen „methodisch und regelmäßig Öl ins Feuer“ zu gießen. Russland droht demnach mit „einer Zerstörung der entsprechenden Objekte“. Großbritanniens Premier Burnham bezeichnete die russischen Drohungen damals als „unerhört“. Nun, mit Unterzeichnung des Abkommens, steigert der Kreml seine Rhetorik im Ukraine-Krieg einmal mehr.
Konflikt um Storm Shadow: London erlaubt Produktion
Die erste Auslandsreise im Amt führte den neuen britischen Premierminister Andy Burnham in die Ukraine. Anlass, waren die Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag. Bei dem Treffen hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj um zusätzliche Militärhilfen für sein Land geworben. Die Ukraine benötige „viel mehr Geld“, um die Drohnenproduktion zu steigern und die Angriffe auf Russland zu verstärken, sagte Selenskyj am Montagabend (24. August) vor den Staats- und Regierungschefs. Sein Land wolle mit Blick auf die Angriffe tief im Landesinneren Russlands „wettbewerbsfähig sein“, um „diesen Krieg auf russischen Boden zu verlagern und ihnen wirklich wehzutun“.
Trotz der Drohungen aus Moskau werde Großbritannien die Ukraine weiterhin in ihrem Abwehrkampf unterstützen. „Das ist der Moment, um den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, der Moment, um ihre Fähigkeiten zur Finanzierung dieses illegalen Kriegs zu beschränken“, betonte Labour-Politiker Burnham. Die Ukraine sei Europas Beschützer, keine Last. Diesen Worten ließ die britische Regierung nun auch Taten folgen: Die Regierung in London erlaubt dem französisch-britisch-italienischen Rüstungsunternehmen MBDA die Weitergabe geheim eingestufter Informationen.
Diese ermöglichen es der Regierung von Wolodymyr Selenskyj, die Marschflugkörper vom Typ Storm-Shadow/Scalp in der Ukraine zu fertigen, wie Burnhams Büro in der Nacht zum Montag (24. August) erklärte. Die Freigabe der Informationen für die britischen Komponenten der Marschflugkörper ermögliche es der Ukraine und auch Frankreich, eine Produktion in der Ukraine zu etablieren.
Neue Waffenhilfe für Kiew – Moskau verschärft den Ton
Wie die Kyiv Post berichtet, reagierte die russische Regierung bereits am Donnerstag (27. August) in einer Pressekonferenz extrem harsch auf die Weitergabe, und drohte unter anderem mit Angriffen auf britische Militäreinrichtungen. Maria Sacharowa, Sprecherin von Putins Außenministerium, erklärte, Burnham sei „nur einen Schritt davon entfernt“, sich mitschuldig an dem zu machen, was Moskau als „Terrorismus“ gegen russische Zivilisten bezeichnet, und warnte vor „unvermeidlichen, katastrophalen Folgen“. Die Vergeltungsmaßnahmen würden sich auf britische Stützpunkte „innerhalb oder außerhalb der Ukraine“ beziehen, präzisierte sie laut der italienischen Nachrichtenseite RAI.
Die Pressekonferenz nahm eine Wendung, als ein britischer Journalist fragte, ob russische Drohungen, britisches Hoheitsgebiet anzugreifen, die kollektive Verteidigungsklausel gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags auslösen könnten, und ob Moskau über eine Liste potenzieller Ziele verfüge. Sacharowa forderte den Journalisten auf, ihre zuvor gemachten Äußerungen zu wiederholen, und warf den britischen Medien anschließend „Heuchelei“ sowie die „Unterlassung der Berichterstattung über die Wahrheit“ vor, berichtet die Kyiv Post.
Greift Russland britische Stützpunkte an? London bleibt hart
Während der Pressekonferenz äußerte Sacharowa ihre Verärgerung über die Symbolik von Burnhams ersten diplomatischen Schritten. Sie kritisierte den neuen Premierminister dafür, dass er Kiew zu seinem ersten offiziellen internationalen Reiseziel gemacht habe, anstatt Washington oder einen anderen westlichen Verbündeten. Sie interpretierte die Wahl als „obsessive antirussische Agenda“.
Die jüngsten Äußerungen stellen eine neue Aggressivität dar: Zuvor hatte der Berater Putins, Andrej Fedorow, mit einer „halbmilitärischen“ Antwort auf die Pläne in der BBC gedroht. Diese Antwort käme jedoch „nicht von Russland, sondern aus unbekannten Quellen“. Am Dienstag (25. August) ließ Burnham trotz Drohungen an seinen Absichten keine Zweifel aufkommen. Das Vereinigte Königreich leiste Unterstützung, damit sich die Ukraine verteidigen könne, „und das war während des gesamten Konflikts die britische Haltung, die bereits von früheren Premierministern vertreten wurde – und das gilt auch für mich“.
Ukrainisch-britisches KI-Abkommen: Burnham geht einen Schritt weiter
Ferner haben die Ukraine und Großbritannien ein Abkommen zur Zusammenarbeit bei der militärischen Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) geschlossen. Diese Partnerschaft verbinde die „unübertroffene Erfahrung im Einsatz“ der Ukraine mit dem britischen „KI-Ökosystem von Weltklasse“, teilte der britische Premier Andy Burnham am Montag mit. Er hatte das Abkommen zuvor gemeinsam mit dem Selenskij am Rande eines Treffens der sogenannten Koalition der Willigen in Kiew unterzeichnet. Die Ukraine überlässt Großbritannien dazu Millionen Aufnahmen vom Schlachtfeld.
„Wir werden die Entwicklung von Kapazitäten beschleunigen, die nicht nur unsere nationale Sicherheit stärken, sondern auch unsere wichtige Infrastruktur besser schützen und das Wachstum im ganzen Land beschleunigen werden“, sagte Burnham weiter. Die Ukraine setzt KI in ihrem Verteidigungskampf gegen Russland ein, um Drohnen zu steuern, Ziele für Angriffe festzulegen oder großangelegte Einsätze zu koordinieren. Laut einer Mitteilung der britischen Regierung sollen Daten aus den Kampfeinsätzen demnächst in Großbritannien getestet werden, um militärische Einrichtungen, Flughäfen, Schienennetze, Kraftwerke sowie Gefängnisse zu schützen.
Der unter dem Namen „Avenger“ (dt. Rächer) bekannte Datensatz wird im Augenblick genutzt, um autonome ukrainische Drohnen zu trainieren. London sprach von einer „Goldmine“. Im Gegenzug wird das Vereinigte Königreich den Angaben zufolge die Ukraine durch seine Universitäten, Wissenschaftler und Technikunternehmen wie auch durch sein „KI-Ökosystem“ unterstützen. (Quellen: dpa, AFP, BBC, Kyiv Post, frühere Berichterstattung) (kox)