Umstrittenes Gesetz: Rumänien erlaubt fast 1.000 Bärenabschüsse – Tierschützer alarmiert
Stand: 07.10.2026, 14:12 Uhr
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Präsident Dan unterzeichnet umstrittenes Gesetz: Das Abschusskontingent wird mehr als verdoppelt. Umweltschützer schlagen Alarm.
Bukarest – Nach einer Reihe von Bärenangriffen auf Menschen hat Rumänien die gesetzlichen Bestimmungen zur Regulierung seines Braunbärenbestands deutlich verschärft. Der rumänische Staatspräsident Nicușor Dan verkündete ein Gesetz, das die jährliche Abschussquote für die Tiere von bisher 426 auf fast 1.000 Tiere mehr als verdoppelt. Künftig dürfen Jäger laut Vrtnws.be ein Basiskontingent von 859 Bären erlegen; zusätzlich gelten Sonderregelungen für Notabschüsse bei unmittelbarer Gefahr für Menschen.
Präsident Dan hatte das Gesetz ursprünglich vor dem Verfassungsgericht anfechten wollen, da es möglicherweise gegen EU-Naturschutzvorschriften verstößt. Nach einer erneuten parlamentarischen Bestätigung unterzeichnete er die Vorlage jedoch, wie ZEIT ONLINE berichtet. Tierschutzorganisationen wie die Welttierschutzgesellschaft mit Sitz in Berlin kritisierten diesen Schritt scharf als wissenschaftlich unbegründet und forderten die Europäische Kommission auf, das Vorgehen Rumäniens auf seine Rechtmäßigkeit zu überprüfen.
Diskussion über Populationsgröße
Befürworter der Neuregelung, darunter die Demokratische Union der Ungarn in Rumänien (RMDSZ), begründen die Erhöhung mit dem Schutz von Bevölkerung und Landwirtschaft. Sie stützen sich auf genetische Analysen, die den Bärenbestand im Land auf 10.000 bis 13.000 Exemplare schätzen. Kritiker wie der WWF Rumänien bezweifeln jedoch die Zuverlässigkeit dieser Zahlen erheblich, wie Telex.hu berichtet. Sie warnen vor Wilderei sowie irreversiblen Schäden für die Biodiversität und betonen, dass Abschüsse die eigentlichen Ursachen der Konflikte nicht beheben.
Tourismus und Müll als Konfliktauslöser
Anlass für die Gesetzesinitiative waren schwere Unfälle, darunter der tödliche Angriff auf einen Landwirt im transsilvanischen Hoghiz. Neben der Jagd setzen die Behörden auf Präventionsmaßnahmen wie Elektrozäune und ein verbessertes Abfallmanagement. Expertinnen und Experten weisen jedoch darauf hin, dass Bären ihre Scheu vor menschlichen Siedlungen zunehmend verlieren, auch weil Touristen die Tiere wiederholt anlocken und füttern, wie vrtnws.be berichtet. (Redaktion)