Stand: 28.09.2026, 20:00 Uhr
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In einem Zelt auf dem Münchner Oktoberfest können Besucher heuer erstmals Jodeln lernen. Dahinter steht eine bekannte BR-Moderatorin. Und: Gstanzl-Sänger „Bäff" bringt Kindern bei, was er als „bayerischen Rap" bezeichnet.
München – Dria-lei-ho-e-jo-i-ri! Anna Veit (43) und Traudi Siferlinger (59) singen auf der Bühne vor. Jodeln vor, besser gesagt. Und die Gäste in der Schützenlisl auf der Oidn Wiesn jodeln nach. Erst zaghaft. „Dria-lei-ho...“ Dann immer lauter. „Dria-lei-ho-e-jo-i-ri!“ Im Volkssängerzelt kann man heuer erstmals an Jodelkursen teilnehmen. Siferlinger, künstlerische Leiterin der Schützenlisl, nimmt den Begriff „Volkssängerzelt“ nämlich gern wörtlich. Singen sei gesund und verbinde Menschen, sagt sie.
Jodeln und Gstanzlsingen für alle: So sind Sie auf der Wiesn dabei
Deswegen sollen alle mitmachen – die Kleinsten etwa in der Gstanzl-Werkstatt. Die nächste Werkstatt startet am heutigen 29. September, 11 Uhr. Und Jodeln lernen kann man heute um 13 und 15 Uhr. Als Jodel-Expertin hat Siferlinger Sängerin Anna Veit ins Boot geholt. Auch Besucher Christian Riech lauscht ihnen – und macht ganz leise mit. Dria-lei-ho-e-jo-i-ri! „Als Alleinunterhalter sing ich gern. Und ich hab schon vier oder fünf Jodelkurse gemacht, auch bei Traudi“, erzählt er.
Melodien ohne Text: „Das kann jeder“
Ihn reizen die einfachen Melodien ohne Text. „Das kann jeder. Ich singe Bass, aber es ist für jede Stimmlage etwas dabei.“ Anna Veit, studierte Musical-Sängerin, hilft ihm, den richtigen Klang zu finden. Man kann aber auch einfach nur sitzen und lauschen.
„Man versucht, sich selbst zum Klingen zu bringen, ohne dass Vernunft oder Liedinhalt dabei stören“, sagt Veit. „Um das geht es eigentlich beim Jodeln.“ Als Traudi Siferlinger sie anrief, sagte sie gern zu. „Weil ich glaube, dass die Menschen das gemeinsame Erlebnis suchen. Das nehme ich auch beim Feierabendjodeln am Isartor wahr.“

Nicht nur Jodeln steht auf dem Programm. Miteinander singen, aber mit Text: Das möchte Josef Piendl – alias „Bäff“ – Kindern näherbringen. Der 62-Jährige aus Roding (Oberpfalz) ist einer der bekanntesten Gstanzl-Sänger Bayerns. „Gstanzl sind Vierzeiler, bei denen sich die zweite und die vierte Zeile reimen.“ Sie gelten auch als musikalisches Derblecken. Beim tz-Besuch machen 13 Vorschüler aus dem Kindergarten an der Jagdstraße mit.
Aktion auf dem Oktoberfest – „Gstanzl dürfen nicht aussterben“
Gstanzl reimen sei nicht schwer, sagt Traudi Siferlinger und fragt nach zwei Stichworten der Zwergerl. Ein Mädchen ruft ihren Namen „Carolina“, ein Bub ergänzt „Luca“. Bäff zieht an seiner Ziach und singt: „Do schaug i natürlich glei, ob i a Gstanzl singen kann. Oba da Luca sitzt hinten und d‘Carolina schaut mich ganz hier vorn an.“
Carolina grinst, Luca schaut mit großen Augen. Nicht alle Kinder verstehen Bairisch, scheinen aber trotzdem Spaß zu haben. „Gstanzl dürfen nicht aussterben“, sagt Bäff. „Sie sind die Urform der einfachen Unterhaltung – eigentlich bayerischer Rap.“ Eins steht fest: Der Carolina gfoid‘s.