Union Berlins Friedrich über Gladbach: "Bin froh, dass ich dort weg bin"

Rückkehr nach vier Jahren

Union Berlins Friedrich über Gladbach: “Bin froh, dass ich dort weg bin”

Union Berlins Marvin Friedrich | Bild: IMAGO/Contrast
Union Berlins Marvin Friedrich | Bild: IMAGO/Contrast

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Lange brauchte Marvin Friedrich Anfang Juli nicht, um sich in Köpenick zurechtzufinden. Der Platz des Stadions an der Alten Försterei, der Weg in die dortige Kabine und auf den sattgrünen Rasen. "Da fühle ich mich zu Hause", sagt der 30-jährige Fußballprofi und ergänzt: "Wenn du zum Training an die Alte Försterei fährst, das Stadion siehst und wieder in die Kabine gehst – da kommen viele alte Erinnerungen hoch."

Schöne Erinnerungen und große Ambitionen

Im Fall von Marvin Friedrich sind es Erinnerungen an dessen bislang beste Jahre als Profifußballer. Erinnerungen an insgesamt über 140 Spiele im Trikot des 1. FC Union Berlin, an den Bundesligaaufstieg im Sommer 2019. Es sind Erinnerungen, die Marvin Friedrich in den kommenden Jahren nicht nur auffrischen, sondern auch mit neuen Eindrücken ergänzen will.

Möglich macht das seine Rückkehr nach Köpenick, wo der gebürtige Nordhesse, dem Vernehmen nach, einen Vertrag bis zum Sommer 2028 unterschrieb. Nach zuletzt schwierigen Jahren bei Borussia Mönchengladbach will Friedrich in Köpenick zurück in seine alte Rolle als Abwehrchef. Dass das klappt, ist angesichts der schwerwiegenden Abgänge von Diogo Leite und Danilho Doekhi zumindest nicht ausgeschlossen.

Marvin Friedrich in einer österreichischen Eistonne | Bild: Matthias Koch
Marvin Friedrich in einer österreichischen Eistonne | Bild: Matthias Koch

Gleiche Abläufe, neue Mitspieler

Besagte Abgänge waren hauptverantwortlich dafür, dass die Defensive und deren Feinjustierung zuletzt weit oben auf der To-do-Liste des neuen Union-Trainers Mauro Lustrinelli standen. Noch bis Montag scheucht der Schweizer seine Schützlinge im Trainingslager durch die österreichische Steiermark. Für Marvin Friedrich ist es bereits das fünfte Trainingslager mit dem 1. FC Union. "In den Abläufen hat sich nicht so viel verändert", erklärte er am Samstag in einer Medienrunde.

Einzig das Essen habe sich spürbar verändert, sagte Friedrich. "Es ist deutlich besser geworden", betonte er und unterstrich so den Effekt dessen, dass Union mittlerweile zwei Köche hat, die für Team, Trainer und Co. kochen. Noch spürbarer sind natürlich die Veränderungen im Team der Köpenicker. Als Friedrich 2022 ging, ließ er dort Spieler wie Robin Knoche, Julian Ryerson und Sheraldo Becker zurück.

Ein bisschen was hat sich also doch getan bei Union Berlin in den letzten vier Jahren. "Nur Rani, Freddi und Trimmi kenne ich noch", sagte Friedrich über seine Rückkehr. Und weil mit Mauro Lustrinelli auch der Trainer seit diesem Sommer – einmal mehr – neu ist, wird auch Unions Teamgefüge aktuell neu geordnet. Friedrich ist dabei einer der älteren und erfahrensten Akteure. Einer, der sich mit Union identifiziert und bei dem die Fans das auch spüren. In anderen Worten: ein Publikumsliebling.

"Ich bin hierhergekommen, um wieder zu spielen"

Und auf dem Rasen? Da soll Friedrich dirigieren, kommunizieren und Orientierung geben – der Union-Abwehr und auch jüngeren Spielern wie Leopold Querfeld oder Aljoscha Kemlein. Die Rolle als Abwehrchef sei "schon mein Ziel", sagte Friedrich und ergänzte: "Ich bin hierhergekommen, um wieder zu spielen." Das Wort "wieder" impliziert dabei auch den Hauptgrund dafür, warum Friedrich ab sofort wieder in Berlin und nicht mehr in Mönchengladbach sportlich zu Hause ist.

Vier Jahre lang spielte der 30-Jährige zuletzt für die Fohlen der Borussia – und erlebte dabei, wie seine Rolle sukzessive immer kleiner wurde. Der Tiefpunkt dieser Entwicklung waren mickrige sieben Pflichtspiele in der vergangenen Saison. "Ich möchte gar nicht so viel über meine Vergangenheit sprechen", sagte Friedrich am Donnerstag, ehe er doch noch einen sehr vielsagenden Satz hinterherschob, in dem er sagte: "Ich bin froh, dass mein Vertrag dort ausgelaufen ist und dass ich dort weg bin."

Zumal Friedrich sich eigentlich schon viel früher wieder aus der Rhein-Ruhr-Region verabschieden wollte. Schon in einem der vergangenen Sommer hätte es theoretisch die Möglichkeit einer Rückkehr nach Berlin und zu Union gegeben – allerdings ließ Mönchengladbach den Innenverteidiger damals nicht gehen.

Konkurrierende Kollegen: Marvin Friedrich und Zeno van den Bosch | Bild: Matthias Koch
Konkurrierende Kollegen: Marvin Friedrich und Zeno van den Bosch | Bild: Matthias Koch

Unions Türen öffneten sich erneut

Und in diesem Sommer? Da brauchte der vertragslose und ablösefreie Friedrich die Erlaubnis seines ungeliebten Ex-Arbeitgebers nicht mehr. "Ich habe meinem Berater auch gesagt: Wenn die Tür bei Union nochmal aufgehen sollte, hätte ich da Lust drauf." Die Tür ging auf – und Friedrich entschied sich nach nur kurzen Vertragsverhandlungen dazu, hindurchzugehen.

Spannend macht diesen Schritt, dass Friedrich hinter den Türen und Toren der Alten Försterei auf eine Handvoll anderer Defensivspieler trifft, die auch allesamt Ansprüche auf viel Spielzeit in Unions Innenverteidigung stellen. Der seit letzter Saison etablierte Querfeld etwa, aber auch der talentierte Stanley N’Soki und der extra neuverpflichtete Niederländer Zeno van den Bosch. Es wird sich zeigen, ob Marvin Friedrich das Trio als Abwehrchef anführen oder sich in Sachen Einsatzzeit eher hinter ihnen einreihen wird.

Sendung: rbb|24, 08.08.2026, 19:15 Uhr

Audio: rbb|24, 08.08.2026, Jakob Lobach im Gespräch mit Phlipp Höppner

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