Stand: 19.09.2026, 21:00 Uhr
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Am 23. September ist die Tag-und-Nacht-Gleiche. Dazu wird in vielen Regionen der Herbst eingeläutet. Ein Land begrüßt ihn mit einer besonderen Tradition.
Wenn die Sonne früher untergeht, ist das das erste Zeichen dafür, dass das Jahr dem Ende entgegengeht. Am 23. September wird mit der Tag-und-Nacht-Gleiche der Herbst so richtig eingeleitet. Nach diesem Tag bleibt es länger dunkel als hell. In manchen Ländern wird der Herbst besonders willkommen geheißen. Ein Land an der Ostsee feiert die Jahreszeit sogar wie vor Jahrhunderten.
Feuer, Gesänge und Erntedankbräuche: Litauen feiert den Herbst wie vor langer Zeit
Mit Feuern, Gesängen und Erntebräuchen begehen die Menschen in Litauen den Übergang in die dunkle Jahreshälfte. Das Besondere an diesen Bräuchen liegt in ihrer Tiefe: Litauen war das letzte Land Europas, das im Jahr 1387 offiziell zum Christentum übertrat, erklärt Go Vilnius, die offizielle Tourismus- und Wirtschaftsförderungsagentur der litauischen Hauptstadt, die Bräuche. Bis heute wird an den vorchristlichen Ritualen festgehalten. Die Herbst-Tagundnachtgleiche, die in diesem Jahr astronomisch auf den frühen Morgen des 23. September fällt, wird bereits am Abend des 22. September gefeiert.
Die Feierlichkeiten gehen weit über ein bloßes Saisonritual hinaus. In der alten baltischen Tradition markierte dieser Zeitpunkt laut Go Vilnius das Ende der Feldarbeit. Die Gemeinschaften kamen zusammen, brauten Bier, bereiteten Festmähler vor und brachten Dankesopfer für die Götter dar.
„Die heutige Feier greift auf Rituale zurück, die in Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts beschrieben werden. Damals markierten die Menschen den Beginn und das Ende der Erntearbeit mit Gebeten und Dankesopfern an die alten Götter“, erklärt Museumspädagogin Audronė Daraškevičienė vom Litauischen Nationalmuseum den historischen Hintergrund.
Historische Bräuche leben in Litauen zur Tag-Nacht-Gleiche auf – mit Feuer, Stroh und alten Gesängen
Zu den eindrucksvollsten Bräuchen zählt das Anfertigen und anschließende Verbrennen großer Figuren aus Stroh oder Schilf. Diese Skulpturen aus natürlichen Materialien werden entzündet – als symbolischer Abschied von der hellen Jahreshälfte und als Willkommen für die dunklen Monate. Ergänzt werden die Feierlichkeiten durch Gestecke und Figuren aus Äpfeln, Nüssen, Kürbissen und Getreide sowie durch traditionelle Speisen wie Apfelkäse, frisches Brot und Kuchen.
Daraškevičienė beschreibt den Wandel, den die Jahreszeit mit sich bringt: „Es war die Zeit, in der die Ernte eingebracht wurde, man sich in der Dorfgemeinschaft versammelte und Bier braute, aber auch die Zeit, in der man von den Feldern in die Häuser zurückkehrte, von der lebhaften Sommerzeit in eine ruhigere, nach innen gekehrte Phase. Die heutigen Feiern zur Tagundnachtgleiche führen diese Verbindung zur Natur und zum Wechsel der Jahreszeiten fort und lassen uns den Übergang in die dunkle Hälfte des Jahres bewusst vorbereiten.“
Herbst wird mit Feuern begrüßt: Mehrere Veranstaltungen stehen an
Rund um die litauische Hauptstadt Vilnius finden in diesem Jahr gleich mehrere Veranstaltungen statt. Den Auftakt machen die Herbst-Tagundnachtgleiche und das Fest der baltischen Einheit am 19. September in Kernavė – einer zum UNESCO-Welterbe zählenden archäologischen Stätte rund 35 Kilometer von Vilnius entfernt. Zwischen fünf Burgbergen und im Pajauta-Tal werden bei Einbruch der Dunkelheit Feuer entzündet, begleitet von Folklore, traditionellen Ritualen und den sogenannten sutartinės – Litauens alten mehrstimmigen Gesängen, die ebenfalls von der UNESCO anerkannt sind.
Am 22. September gibt es dann den Feuerruf der baltischen Einheit, bei dem zwischen 20 und 21 Uhr in ganz Litauen und Lettland Feuer auf Burgbergen und heiligen Hügeln entzündet werden. Die gleichzeitig lodernden Flammen stehen sinnbildlich für die Verbundenheit der baltischen Gemeinschaften über Grenzen hinweg. In diesem Jahr erinnert die Veranstaltung zugleich an den 790. Jahrestag der sogenannten Sonnenschlacht von 1236, in der baltische Heiden den Schwertbrüderorden besiegten.
Zum anderen feiert Vilnius selbst die Tagundnachtgleiche am 22. September auf dem Stalas-Hügel mit der Veranstaltung DURYS (deutsch: Türen) – einer zeitgenössischen Neuinterpretation des Jahreszeitenwechsels. Beleuchtete Skulpturen, Feuer, Tanz, Kerzenmuster und Darstellungen schließen dabei symbolisch die Tür zur hellen Jahreszeit. Am 1. November gibt es dann noch ein Fest zum Gedenken an die Toten. (Quelle: Go Vilnius, eigene Recherche) (jr)