Trump ist unbeliebt, der Iran-Krieg belastet ihn: Warum die Demokraten trotzdem noch verlieren könnten

US-Zwischenwahlen: Demokraten könnten Mehrheit trotz Trumps Unbeliebtheit verfehlen

Stand: 07.08.2026, 14:00 Uhr

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Das Kapitol in Washington, D.C. (Symbolbild).

Das Kapitol in Washington, D.C. (Symbolbild). © Oleksandr Berezko/Imago

Die Demokraten gelten bei den US-Zwischenwahlen als Favoriten. Doch Wahlkreiszuschnitt, Geld und Kandidaten könnten ihnen den Sieg kosten. Eine Analyse.

Washington, D.C. – Die Demokraten gelten als Favoriten für die Übernahme des Repräsentantenhauses. Unter den richtigen Bedingungen könnten die Republikaner ihre Mehrheit jedoch behaupten.

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Historisch gesehen sind Zwischenwahlen ein Referendum über die Partei, die das Weiße Haus kontrolliert. Diese wird von den Wählern häufig abgestraft. In diesem Jahr sind die Voraussetzungen für die Demokratische Partei gut, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu gewinnen. Rückenwind geben ihr die Unzufriedenheit der Wähler mit Präsident Donald Trump und dem von ihm begonnenen Krieg im Iran.

Doch Trumps Partei könnte der gängigen Einschätzung trotzen und trotzdem einen knappen Sieg erringen, sagen Wahlbeobachter. So könnte es dazu kommen.

Die Wähler sind nicht wütend genug, um demokratisch zu wählen

Unter den registrierten Wählern liegen die Demokraten bei der Frage, welche Partei sie im Kongress unterstützen würden, fünf Prozentpunkte vor den Republikanern. Das geht aus einem von The Washington Post berechneten Durchschnitt der Umfragen zum „Generic Ballot“ vom Juli hervor. Dabei wurde nach der bevorzugten Partei und nicht nach einzelnen Kandidaten gefragt.

Analysten gehen davon aus, dass die Demokraten die landesweite Abstimmung für das Repräsentantenhaus mit drei bis vier Prozentpunkten Vorsprung gewinnen müssen, um die Mehrheit zu erringen. Unter den besonders motivierten Wählern, die mit größerer Wahrscheinlichkeit im November zur Wahl gehen, haben die Demokraten einen größeren Vorsprung.

Umfragen zeigen jedoch auch, dass das Ansehen der Demokraten gelitten hat.

Die Demokratische Partei ist weniger beliebt als vor den Zwischenwahlen 2018, als eine blaue Welle 41 zusätzliche Sitze brachte. Das ergab eine Ende Juli veröffentlichte Umfrage von CNN.

Kurz vor der Wahl 2018 bewerteten 46 Prozent der Erwachsenen die Demokraten positiv, während 45 Prozent sie negativ bewerteten. Heute bewerten 30 Prozent die Demokraten positiv, 51 Prozent dagegen negativ – nahezu identisch mit den Werten der Republikanischen Partei.

Ein großer Teil dieser Unzufriedenheit kommt von Demokraten, die mit ihrer eigenen Partei unzufrieden sind, aber nicht bereit sind, für die Republikaner zu stimmen.

Die Demokraten setzen darauf, dass Menschen, die sie nicht mögen, aber von einem von den Republikanern kontrollierten Washington genug haben, demokratisch wählen werden. Das könnte bis November schwieriger zu vermitteln sein, wenn die Wähler nicht mehr ganz so empört sind.

„Die Republikaner müssen hoffen, dass die Benzinpreise sinken und der Krieg etwas aus den Nachrichten verschwindet“, sagte David Wasserman, leitender Wahlanalyst beim Cook Political Report, einem überparteilichen Institut zur Einschätzung von Wahlkämpfen.

Ein neu zugeschnittener Wahlkreisplan schützt die republikanische Mehrheit

Eine Partei benötigt 218 Sitze, um das Repräsentantenhaus zu kontrollieren. Die Republikaner verfügen derzeit über eine hauchdünne Mehrheit, und mehrere Sitze sind unbesetzt.

Eine aggressive Neuziehung der Wahlkreisgrenzen zugunsten bestimmter Parteien hat dazu geführt, dass das Feld der umkämpften Wahlkreise, die über die Kontrolle des Kongresses entscheiden, kleiner geworden ist.

Mitte Juli stufte das Cook Political Report 37 Wahlkreise als umkämpft ein. In 18 war der Ausgang völlig offen, zehn neigten den Demokraten zu und neun den Republikanern.

Die Republikaner machten es den Demokraten ungewöhnlich schwer, die Mehrheit zu erringen, indem sie landesweit einen Kampf um eine Neuziehung der Wahlkreisgrenzen mitten im Jahrzehnt begannen. Obwohl die Demokraten versuchten, selbst Sitze hinzuzugewinnen, erwies sich der Vorstoß zur Neugliederung für die Republikaner als vorteilhaft.

Da beide Parteien auf Grundlage des neuen Wahlkreisplans miteinander konkurrieren, könnte das Ergebnis im November selbst in einem für die Republikaner schwierigen Jahr knapp ausfallen, sagte Wasserman.

Wenn die Demokraten alle am stärksten umkämpften Wahlkreise gewinnen, die vom Cook Political Report als solche eingestuft werden, würden sie nach dem Wahlkreisplan von 2024 auf 235 Sitze kommen. Nach dem derzeit geltenden Plan wären es jedoch nur 223 Sitze.

Viel Geld rettet gefährdete Republikaner

Im Juni verschaffte ein Urteil des Supreme Court den Republikanern finanziellen Spielraum, um ihre Kandidaten mit hohen Ausgaben zu unterstützen.

Das höchste Gericht hob Begrenzungen dafür auf, wie viel politische Parteien in Abstimmung mit Kandidaten ausgeben dürfen. Dadurch können die nationalen Parteikomitees sowie die Wahlkampfkomitees der Parteien für das Repräsentantenhaus und den Senat den Kandidaten unbegrenzt abgestimmte finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Damit können die Parteien ihre Kandidaten mit mehr Werbung unterstützen – wahrscheinlich zu niedrigeren Kosten, weil Kandidaten von der Federal Communications Commission, die Rundfunk und Fernsehen reguliert, günstigere Tarife erhalten als Parteien und Super-PACs. Die republikanischen Komitees haben für diese Maßnahmen mehr Geld zur Verfügung als die Demokraten.

Auch die Konservativen könnten vom Super-PAC MAGA Inc. von Trump profitieren, das Ende Juni 400 Millionen Dollar auf der Bank hatte. Unklar ist, ob dieses Geld in die Wahlkämpfe für die Zwischenwahlen fließen wird.

Die republikanischen Wahlkampfkomitees haben bisher ebenfalls nicht im Detail dargelegt, wie sie ihr Geld in den kommenden Monaten ausgeben wollen. Nach dem Urteil des Supreme Court erklärten sie jedoch, sie seien „bereit, unsere Kandidaten vollständig zu unterstützen und sie in die bestmögliche Ausgangslage zu bringen“.

Das Democratic Congressional Campaign Committee, die Wahlkampforganisation der Demokraten im Repräsentantenhaus, wies die Einschätzung zurück, die finanziellen Ressourcen der Republikaner könnten die Zwischenwahlen außerhalb der Reichweite der Demokraten entscheiden. Das Komitee verwies auf Sonderwahlen, bei denen die Demokraten trotz höherer Ausgaben ihrer republikanischen Gegner gewonnen hätten.

„Donald Trumps Geld wird die gefährdeten Republikaner nicht retten, die in den vergangenen zwei Jahren das Leben der amerikanischen Bevölkerung verschlechtert haben“, sagte Viet Shelton, ein Sprecher des DCCC.

Schwache Kandidaten verlieren gewinnbare Wahlkreise

Bei vergangenen Wahlen verloren die Republikaner umkämpfte Rennen um Sitze im Kongress, nachdem sich in den Vorwahlen härtere Konservative durchgesetzt hatten. Nun stehen die Demokraten vor einem ähnlichen Problem.

Die Siege mehrerer progressiver Kandidaten in den Vorwahlen haben in Teilen des Parteiestablishments die Sorge geweckt, gewinnbare Sitze zu verlieren.

Die meisten dieser Kandidaten traten in demokratisch geprägten Wahlkreisen an. Matthew Dunlap in Maine und Randy Villegas in Kalifornien setzten sich jedoch in den Vorwahlen gegen gemäßigtere Kandidaten durch, die vom DCCC unterstützt worden waren. Amish Shah, der 2024 in einem umkämpften Wahlkreis in Arizona verloren hatte, besiegte einen ehemaligen Republikaner, den das DCCC für eine erneute Kandidatur unterstützt hatte.

Am Dienstag setzte sich in Michigan William Lawrence, Mitbegründer der progressiven Sunrise Movement, gegen zwei gemäßigte Demokraten im umkämpften siebten Kongresswahlkreis durch. Das DCCC hatte vor der Vorwahl keinen Kandidaten unterstützt.

Manny Rutinel besiegte in einem von der Rinderproduktion geprägten Wahlkreis in Colorado einen gemäßigteren Gegner. Einige Demokraten befürchten, dass seine Vergangenheit als Aktivist für Tierrechte und sein liberales Abstimmungsverhalten im Parlament des Bundesstaates ihn unwählbar machen könnten.

Nach landesweiten Analysen könnten diese Wahlkreise dennoch an die Demokraten gehen. Progressive argumentieren, ihre bevorzugten Kandidaten könnten Wähler besser mobilisieren, selbst wenn sie einige gemäßigte Wähler abschreckten.

Doug Heye, ein republikanischer Stratege, sagte, die Republikaner hätten zwar einen „sehr engen“ Weg zur Mehrheit. Sie könnten die Erwartungen jedoch übertreffen, wenn es der Partei gelinge, ihre Gegner als extrem und weltfremd darzustellen. Zu diesen gehören Kandidaten mit Verbindungen zu den Democratic Socialists of America, einer wachsenden politischen Bewegung mit weit links stehenden Positionen.

„Mit jedem Kandidaten auf Seiten der DSA, der Erfolg hat, wird dieses Argument noch leichter zu vermitteln“, sagte Heye.

In einer diese Woche veröffentlichten Analyse erklärte das Center of Politics der University of Virginia, dass „das Scheitern demokratischer Kandidaten für die Chancen der Republikaner“ in mehreren Bundesstaaten von entscheidender Bedeutung sei.

Scott Clement hat zu diesem Bericht beigetragen.

Zur Autorin:

Praveena Somasundaram ist Reporterin im Politikteam der Washington Post und berichtet über Wahlkämpfe und Demokratie. Sie kam 2022 zu The Post.

Dieser Artikel war zuerst am 6. August 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.