Weniger Baustellen, mehr Glasfaser? Verbände fordern Öffnung der Netze für mehr Tempo beim Ausbau
Stand: 07.08.2026, 13:49 Uhr
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Milliarden fließen in den Glasfaserausbau, doch vielerorts entstehen doppelte Netze. Branchenverbände wollen das ändern – ihr Vorstoß hat jedoch eine Bedingung.
Berlin – Der Ausbau der digitalen Infrastruktur nimmt in Deutschland weiter Fahrt auf. Nach Angaben der Bundesnetzagentur verfügten im Juni 2025 bereits 42,9 Prozent aller Haushalte über einen Glasfaseranschluss bis ins Gebäude oder in die Wohnung. Um das Tempo weiter zu erhöhen, greift hier auch der Staat tief in die Tasche: Im Rahmen der Gigabitförderung 2.0 stehen seit diesem Jahr 1,8 Milliarden Euro für den bundesweiten Glasfaserausbau bereit.

Nun bringt ein neues Bündnis aus Stadtwerken und regionalen Telekommunikationsunternehmen einen weiteren Ansatz ins Spiel. Durch die gemeinsame Nutzung von Glasfasernetzen soll der Ausbau noch schneller vorankommen – im Gegenzug stellt das Bündnis allerdings eine klare Forderung an die großen Mobilfunknetzbetreiber.
Branchenverbände fordern "Open Access“: Mehr Glasfaser, weniger Baustellen
Die drei großen Branchenverbände BDEW, Breko und VKU haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das den Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen mit einer freiwilligen Branchenvereinbarung vorantreiben will. Den drei Verbänden gehören Unternehmen an, die gemeinsam knapp 60 Prozent der deutschen Glasfaseranschlüsse repräsentieren. Mit ihrem Vorstoß werben sie für mehr Kooperation innerhalb der Branche und wollen zusätzliche staatliche Vorgaben vermeiden. Hintergrund ist, dass die Bundesregierung plant, den Zugang zu bestehenden Netzen stärker zu regulieren. Die Verbände befürchten laut Deutscher Presseagentur, dass strengere Regeln Investoren abschrecken könnten.
Das Herzstück des „Fairplay-Agreements“ ist das Prinzip des Open Access: Netzbetreiber sollen ihre Glasfasernetze gegenseitig öffnen, damit mehrere Anbieter dieselbe Infrastruktur nutzen können. Geht es nach den Initiatoren, könnte so der Ausbau deutlich effizienter verlaufen. Bislang fehlt es an einer gemeinsamen Nutzung bestehender Glasfasernetze. Die Folge: Wettbewerber verlegen eigene Leitungen parallel zur vorhandenen Infrastruktur, Straßen müssen erneut aufgerissen werden und zusätzliche Tiefbauarbeiten verursachen einen höheren Material- und Flächenverbrauch.
Während Festnetzanbieter ihre Glasfasernetze künftig auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellen sollen, fordern die Verbände im Gegenzug, dass auch die großen Mobilfunkanbieter ihre Funkmasten und 5G-Netze für Wettbewerber öffnen. Dadurch könnten Angebote entstehen, die Festnetz-Internet und Mobilfunk stärker miteinander verbinden. Der Elefant im Raum bleibt dabei jedoch die Deutsche Telekom, vermutet das Handelsblatt, auch wenn der Marktführer in dem Papier nicht ausdrücklich genannt wird.
Strategischer Überbau? Deutsche Telekom weist Vorwürfe eines gezielten Doppelausbaus zurück
Die Telekom weist Vorwürfe eines gezielten oder unfairen Doppelausbaus seit Jahren regelmäßig zurück. Wettbewerber hatten dem Konzern in der Vergangenheit vorgeworfen, Glasfasernetze gezielt parallel zu bereits bestehender Infrastruktur auszubauen und damit einen „strategischen Überbau“ zu betreiben. Vergangenes Jahr sah sich der Konzern durch eine Prüfung der Bundesnetzagentur jedoch bestätigt.
Nach Angaben der Telekom stellte die Behörde keine Hinweise auf wettbewerbswidriges Verhalten fest, heißt es in einem Beitrag auf der Unternehmenswebseite. „Wettbewerblicher Ausbau ist und bleibt der Motor des Glasfaserausbaus in Deutschland. Dass es dabei zu Überschneidungen kommen kann, liegt im Wesen des Wettbewerbs. Das wird auch so bleiben“, sagte Wolfgang Kopf, Leiter Politik und Regulierung bei der Deutschen Telekom.
Mehrere Hundert Fälle bekannt: Der parallele Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland
Zahlen der Monitoringstelle der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2025 zeigen: Insgesamt sind 539 Fälle bekannt, in denen mehrere Anbieter gleichzeitig Glasfasernetze in einem Gebiet ausbauen. Ein Beispiel dafür ist Hessen. Dort entstanden an mehr als 60 Orten zwei Glasfasernetze nebeneinander. In Kassel etwa bauten die Städtischen Werke gemeinsam mit der Telekom eine eigene Infrastruktur auf, während gleichzeitig das Unternehmen OXG ein weiteres Netz errichtete, berichtet die Hessenschau.
In einigen Bereichen der Stadt stehen Haushalten dadurch künftig mehrere Glasfaserangebote zur Verfügung. Verbraucher können dann zwischen verschiedenen Anbietern wählen. Kritik an diesem Vorgehen kam von den Städtischen Werken, die ihren Mitbewerbern vorwarfen, sich vor allem die besonders attraktiven Gebiete – die „Filetstücke“ – herauszusuchen. Für Kunden könnte der Wettbewerb dennoch Vorteile bringen: Wo mehrere Anbieter verfügbar sind, haben Haushalte eine größere Auswahl. (Quellen: Handelsblatt, Hessenschau, dpa)