Leckerli statt Nervenkrieg: Hundefriseurin verrät 5 einfache Tipps für Fellpflege

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Ein Hund muss nicht jeden Tag komplett aufgehübscht und frisiert werden, damit sein Fell gepflegt bleibt. Im Gegenteil: Wer zu viel auf einmal will, verdirbt sich und seinem Vierbeiner die Freude an der Sache. Ganz ohne Fellpflege geht es aber oft nicht, weiß Hundefriseurin Susann Liermann: „Hundehalter haben die Pflicht, ihr Tier zu versorgen und zu pflegen“, sagt sie.

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Seit März 2024 arbeitet die gelernte tiermedizinische Fachangestellte aus Stelle hauptberuflich als mobile Hundefriseurin. Mit ihrem 7,5 Meter langen „Fellbutler“, einem „Sprinter“-Kleinbus mit Sonderausstattung, fährt sie zu ihren Kunden im Hamburger Süden und im Landkreis Harburg.

Hundefriseurin Susann Liermann

Ein Fall für den Fellbutler: Dieser kleine Vierbeiner sieht etwas zugewachsen aus... Bild: © Sabine Lepél/Fellbutler - Sabine Lepél/Fellbutler

Ihr Erfolgsrezept: Sie kommt zum Hund, statt ihn aus seiner gewohnten Umgebung herauszureißen, arbeitet ohne Zwang und bindet die Tiere nicht fest. Auch die Besitzer dürfen dabei sein: Aus ihrer Sicht hilft das, Vertrauen aufzubauen. Dabei berät sie ihre Kunden auch, wie die Fellpflege zu Hause gelingt. Nötig sind dabei Geduld – und Kontinuität: Die Pflege soll Routine werden, Vertrauen schaffen und sich für den Hund lohnen. Fünf Tipps von Susann Liermann.

1. Das Jackpot-Leckerli gibt es nur bei der Fellpflege

Warum sollte ein Hund freiwillig stillhalten, wenn Bürste und Schere für ihn lästig oder gar abschreckend sind? Liermann setzt deshalb auf positive Verknüpfung. Ihr Tipp: Eine Leckerli-Sorte auswählen, die beim eigenen Hund besonders beliebt ist – und die es ausschließlich bei der Fellpflege gibt. So entsteht schnell ein Zusammenhang: Bürste raus bedeutet zwar Stillhalten, aber eben auch den ultimativen Snack-Genuss.

Hundefriseurin Susann Liermann

Gut gestärkt und frisch frisiert: Wer sich das Jackpot-Leckerli für die Fellpflege aufspart, dürfte auf wenig Gegenwehr stoßen.© Sabine Lepél | Sabine Lepél

Besonders praktisch findet Liermann Schleckmatten. Die lassen sich etwa mit Leberwurst und Naturjoghurt bestreichen und über Nacht einfrieren. Dank der Saugnäpfe bleibt die Matte an ihrem Platz, während der Hund beschäftigt ist. Durch das Einfrieren hält die Belohnung länger. Denn, so Liermann: „Wenn ein Labrador ein Leckerli bekommt, ist es schneller verschwunden, als man ,Bürste‘ sagen kann.“

2. Eine Decke kann zum Kosmetiksalon werden

Auch Hunde lieben Rituale. Deshalb empfiehlt Liermann einen festen Platz für die Fellpflege – zum Beispiel eine bestimmte Decke. Die Botschaft soll schnell verständlich sein: „Kommt die Decke heraus, wird frisiert.“ Und gleichzeitig gibt es das besondere Leckerli. Die Routine macht die bevorstehende Prozedur sichtbar – denn nicht nur Menschen sind gerne vorbereitet.

3. Möglichst nicht den ganzen Hund auf einmal „bearbeiten“

Das klingt zunächst banal, ist für Liermann aber einer der wichtigsten Tipps: Weniger ist manchmal mehr. Auch wer einen besonders pflegeintensiven Hund hat, sollte nicht täglich eine komplette Schönheitskur veranstalten. Stattdessen: Heute die Vorderbeine, morgen die Hinterbeine, am nächsten Tag vielleicht nur Kopf und Ohren.

Hundefriseurin Susann Liermann

Mal nur einen Fuß anfassen, mal den Kopf: Hunde müssen an Berührungen und an das Frisieren langsam gewöhnt werden, weiß Susann Liermann. © Sabine Lepél | Sabine Lepél

„Die Fellpflege soll nicht zum Nervenkrieg werden. Je länger die Prozedur dauert, desto ungeduldiger kann der Hund werden“, sagt Liermann. „Peu à peu“ laute das Prinzip. So bleibe die Sache positiv verknüpft – und der Hund dürfte beim nächsten Mal nicht schon beim Anblick der Bürste das Weite suchen.

4. Knäuel und Knötchen: Dieser einfache Trick erspart lästiges Entfilzen

Bei flauschigen Hunden führt ausgerechnet das Geschirr zum Verfilzen des Fells. Durch Reibung entstehen besonders an den Stellen, an denen die Gurte liegen, schnell kleine Knäuel und Knötchen. Liermann hat dafür einen denkbar einfachen Trick: „Die Hundebürste sollte direkt am Eingang liegen. Sobald das Geschirr ausgezogen ist, einmal über die entsprechenden Stellen bürsten.“ Das dauere nur wenige Sekunden und gehöre bald so selbstverständlich dazu wie das Abtrocknen der Pfoten.

Hundefriseurin Susann Liermann

Hundefriseurin Susann Liermann rät, die Zähne des Hundes regelmäßig zu kontrollieren und auch zu putzen.© Sabine Lepél/Fellbutler | Sabine Lepél/Fellbutler

„Wer daraus ein festes Ritual macht, verhindert, dass aus kleinen Knötchen irgendwann hartnäckige Filzplatten werden“, sagt Liermann. Gerade unter den Achseln sei regelmäßige Kontrolle wichtig. Dort entstehe leicht Achselpilz.

5. Pfoten, Krallen und Zähne: Am besten schon den Welpen dran gewöhnen

Gewöhnen Sie Ihren Hund von klein auf daran, dass Menschen ihn überall anfassen, rät Susann Liermannn: „Pfoten in die Hand nehmen, Krallen berühren, Lefzen anheben und vorsichtig die Zähne kontrollieren – all das sollte regelmäßig und ganz selbstverständlich passieren", so Liermann.

Auch das regelmäßige Duschen mit einem speziellen Hundeshampoo und das Zähneputzen gehören für sie zur Hygiene-Routine. „Das Zähneputzen wird manchmal belächelt. Aber wer früh damit beginnt, kann später möglicherweise aufwendige und sehr teure Zahnbehandlungen vermeiden", sagt Liermann. Zudem gewöhne es den Hund an Berührungen am Maul.

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Und auch der Föhn sollte für den jungen Hund kein lautes Ungeheuer bleiben. Liermann empfiehlt, zu Hause mit einem normalen Handföhn zu üben: einmal kurz einen Fuß anföhnen, ein anderes Mal den Körper oder den Po. Der Vierbeiner soll lernen: Dieses Geräusch ist normal, und es passiert nichts Schlimmes.

Hundefriseurin Susann Liermann

Entspannte Fellpflege will gelernt sein: Je früher eine Fellnase sie lernt, desto fröhlicher sind am Halter und Hund.© Sabine Lepél | Sabine Lepél

Ein Hund, der sich ständig bewegt, während jemand mit einer scharfen Schere an den Pfoten arbeitet, macht die Arbeit schwierig. Grundkommandos wie „Platz" helfen deshalb auch bei der Fellpflege. Muss der Hund die Seite wechseln, sollte er zunächst aufstehen und sich anschließend wieder ablegen. Wer ihn einfach über den Rücken dreht, geht ein Risiko ein: „Das kann eine Magendrehung verursachen", sagt Liermann.

Dass regelmäßige Fellpflege mehr ist als Kosmetik, erlebt sie bei ihrer Arbeit täglich: Verfilzungen können die Haut reizen und Entzündungen begünstigen. Gepflegtes Fell erleichtert außerdem den Blick auf die Haut und macht beispielsweise Zecken schneller sichtbar.