AUDIO: Vermögensberater wegen 1,5 Millionen Euro vor Gericht (2 Min)
Finanzen
1,5 Millionen Euro Schaden: Vermögensberater wegen 241 Betrugstaten vor Gericht
Stand: 18.09.2026 19:57 Uhr
Vor dem Landgericht Meiningen muss sich ab Freitag ein Vermögensberater wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Der 68-Jährige soll Kundengelder nicht wie versprochen angelegt haben. Der Anklage zufolge geht es um eine Summe von 1,5 Millionen Euro.
von Cornelia Hartmann, MDR THÜRINGEN
Es sind unglaubliche Zahlenkolonnen, die dem Staatsanwalt zu Beginn des Prozesses vorliegen. Es sind die Summen, die die Kunden eines südthüringischen Vermögensberaters bei ihm angelegt haben, oder besser anlegen wollten.
Vermögensberater soll Kundengeld in Kryptowährungen investiert haben
Der Anklage zufolge hatte der 68-Jährige ihnen versprochen, damit Lebensversicherungen anzukaufen. Stattdessen soll er mit dem ihm anvertrauten Geld in unsichere Kryptowährungen investiert haben, ausstehende Kundengelder ausgezahlt und sein Leben damit finanziert haben.
241 einzelne Taten sind angeklagt. Nur selten tauchen vierstellige Summen in der Aufzählung des Staatsanwalts auf - alle anderen Beträge sind fünf- und sechsstellig. Manche haben über Jahre hinweg dutzendfach, auch sechsstellige Summen, investiert. Allein ein Mann hat dabei 386.000 Euro verloren, zwei weitere mehr als 200.000. Den Ermittlungen zufolge summieren sich die Verluste der knapp 30 betroffenen Kunden auf 1,5 Millionen.
Video: Prozess um Anlagebetrug am Meininger Landgericht gestartet (1 Min)
Angeklagter verweist auf Bitcoin-Vermögen in Millionenhöhe
Ihm tue das alles sehr leid, sagt der Angeklagte vor dem Meininger Landgericht. Er sei überzeugt, dass er alles wieder gut machen könne, wenn er nur an sein Handy komme, das im Juni 2025 beschlagnahmt worden ist. Damit könne er auf sein Bitcoinkonto zugreifen. Dort liege so viel Geld, dass er den Schaden reparieren könne.
Auf einem Konto seien sogar mal 200 Millionen gewesen, davon habe er 176 Millionen auf ein anderes Konto überwiesen, um Kunden auszuzahlen. Dafür hätte er 3.000 Euro Gebühren zahlen müssen, die hatte er nicht. Deshalb sei es nicht zur Auszahlung gekommen. Es gibt ein paar Nachfragen dazu. Unter anderem, dass Kunden sich schon 2023 beschwert hätten, weil der Angeklagte ihnen nicht - wie versprochen - ihre Einlagen zurückzahlen konnte.
Angeklagter soll Warnungen der Ermittler abgelehnt haben
Erste Zeugin ist eine Polizeibeamtin. Sie erzählt, dass die Ermittlungen aufgrund der Betrugsanzeige eines Kunden ins Laufen kamen, und im Juni 2025 beim Angeklagten durchsucht wurde. Der Angeklagte sei kooperativ gewesen, habe den Ermittlern auch Einsicht in seine Konten ermöglicht.
Die auf Betrug spezialisierten Ermittler des LKA hätten sofort erkannt, dass das alles Fake war. Sie hätten dem Angeklagten dringend geraten, seinerseits Anzeige gegen die Betreiber der Seiten zu erstatten, auf denen er das Geld seiner Kunden angelegt hatte. Doch das hätte der 68-Jährige abgelehnt. Er habe nicht eingesehen, dass er selbst Opfer von Betrügern geworden sei, so die Polizeibeamtin.
Im Prozess um gewerbsmäßigen Betrug vor dem Meininger Landgericht ist ein Vermögensberater angeklagt.
Der Vorsitzende Richter fragt, ob der Angeklagte in den Räumen der Polizei mit seinem Handy auf sein Konto schauen und was regeln könne. Das werde sie gern und zeitnah organisieren, so die Zeugin. Aber sie glaube nicht, dass das erfolgversprechend sei.
An den kommenden Verhandlungstagen werden weitere Zeugen gehört, darunter auch die ehemaligen Kunden des Angeklagten, die viel Geld verloren haben.
MDR (ch/gh)