Lastenbox statt Lastenrad
Stand: 09.08.2026 12:00 Uhr
Wenn die Spritpreise in die Höhe schießen, wird es für viele Menschen immer attraktiver, die Einkäufe mit dem Fahrrad zu erledigen. Allerdings ist es beschwerlich, an beide Lenker eine Tasche zu hängen. Und auch die Fahrradtasche reicht bei sperrigen Verpackungen oft nicht aus. Drei Gründer aus Sachsen wollen dieses Problem mit ihrer Lastenbox lösen. Nach mehreren Jahren Entwicklung werden die ersten Boxen in Kürze ausgeliefert.
von Stephan Hönigschmid, MDR SACHSEN
Wohin mit den Einkäufen? Gerade für Fahrradfahrer ist es nicht immer ganz leicht, alles zu verstauen. Doch was für die einen ein Problem ist, ist für andere eine Geschäftsidee. Das beweist das Leipziger Startup allpacka.
Jonathan Vincentz demonstriert, wie die Box mit Einkäufen beladen werden kann. Insgesamt bietet sie Platz für 30 Liter Volumen und 20 Kilo Zuladung.
Einfall kommt auf Weg nach Hause
Unter dem Motto "Lastenbox statt Lastenrad" hat die Firma eine spezielle Box fürs Fahrrad entwickelt, die laut dem Unternehmen auf jeden heute gängigen Gepäckträger montiert werden kann. Mitgründer Lukas Ludwig hat den entscheidenen Einfall dafür auf dem Weg von der Uni nach Hause gehabt.
"Ich wollte noch einen Einkauf erledigen, aber mein Rucksack war voll und meine Fahrradtasche lag zu Hause. Trotzdem wollte ich einkaufen gehen", erinnert sich der Ingenieur für Elektrotechnik.
Er habe dann eine Tasche gepackt, an einen Lenker gehängt und außerdem noch etwas unter dem Arm gehabt, sagt Ludwig, der damit stellvertretend für andere Radfahrer steht, die gelegentlich auf ähnliche Art und Weise durch die Stadt fahren, was allerdings sehr gefährlich ist.
So richtig zufrieden ist der Gründer mit diesem Arrangement ohnehin nicht. "Ich habe gesagt: Eigentlich kann es so nicht weitergehen. Wir brauchen da was Vernünftiges."
Mit einem Netz können die Einkäufe zusätzlich befestigt werden.
Mitbewohnerin hilft beim Bau des Prototyps
Mit seiner Mitbewohnerin Daniela Weiß, einer Maschinenbau-Ingenieurin, tüftelt er bereits wenig später an einem Prototypen. Ziel sei es gewesen, den Gepäckträger, der bei den meisten Fahrrädern bis zu 25 Kilo tragen kann, besser für Transporte zu nutzen.
Stück für Stück entsteht so die heutige Tranportbox "allpacka One". Sie ist im aufgeklappten Zustand 60 Zentimeter lang und 35 Zentimeter breit. Der Klappmechanismus ist das Herzstück der Box, denn wenn man sie nicht braucht, soll es sich möglichst so anfühlen, als wäre sie nicht da.
Im eingeklappten Zustand soll die Box möglichst unauffällig sein.
Klappmechanismus schafft spontan Stauraum
"Das war unsere Grundidee: Eine klappbare Box, die immer im Alltag dabei ist - nach der Uni oder nach der Arbeit - und die man spontan aufklappen kann, wenn man Stauraum für ein Paket und die Einkäufe benötigt", erklärt Lukas Ludwig.
Neben der Funktionalität ist den Gründern auch die Langlebigkeit wichtig: "Wir haben die Box in einem Prüfstand für Dauerbelastungen getestet, damit nicht nur die statische Last ausgehalten wird, wenn einmal was schweres drinliegt, sondern auch auf Kopfsteinpflaster über Jahre hinweg diese Schwingungen", berichtet Daniela Weiß.
Im ausgeklappten Zustand ist die Box 60 Zentimeter lang, 35 Zentimeter breit und 18 Zentimeter hoch.
Förderung macht Firmengründung möglich
Obwohl die Gründer von ihrem Produkt überzeugt sind, ist die Gründung der allpacka GmbH kein Selbstläufer. Dass auf die 2020 entstandene Idee nach einigen Jahren Arbeit schließlich 2023 die Firmengründung folgt, hängt mit positivem Feedback und mit einer Gründerförderung zusammen:
"Wir haben mit dem Prototypen auf einer Messe jede Menge positive Rückmeldungen von Großhändlern und Fahrradhändlern bekommen", sagt Jonathan Vincentz. Die verfügbare Gründerförderung in Sachsen habe zusätzlich Mut gemacht, die Firma zu gründen.
Produktion in Leipzig und Dresden
"Ich glaube, ohne die Förderung, die es allgemein in Sachsen gibt, oder zum Beispiel auch den "InnoStartBonus" gäbe es allpacka heutzutage nicht. Das versuchen wir natürlich auch zurückzugeben. Uns war von Anfang an klar, wir wollen lokal in Deutschland produzieren. Und jetzt schaffen wir es sogar, dass die Montage und Herstellung komplett in Sachsen passieren", sagt der Betriebswirt.
Produziert wird in Leipzig und in Dresden. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit und unzähligen Tests werden in den nächsten Wochen die ersten Lastenboxen ausgeliefert.
MDR (sth)
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