Völkische Politik „wird alle betreffen“: AfD-Kenner warnt vor Normalisierung der Partei
Stand: 15.08.2026, 12:05 Uhr
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Die AfD steht in mehreren Bundesländern in den kommenden Wochen vor großen Erfolgen. Doch die Politik der Partei schadet nicht nur Zugewanderten, sie „wird alle betreffen“.
Der Journalist und Autor Michael Kraske warnt eindringlich vor der zunehmenden Gefahr durch die Alternative für Deutschland (AfD) und den Rechtsextremismus in Deutschland. Bei seinem Besuch in Achim für den MK-Talk der Mediengruppe Kreiszeitung (MK) betonte Kraske, dass niemand mehr behaupten könne, die Ideologie der AfD nicht zu kennen. „Jeder, der sie wählt, der weiß, dass die AfD Sündenböcke sucht und dass sie ihre völkische Politik gegen diese Sündenböcke richten wird“, stellte er klar.
Zudem verwies er im MK-Podcast „Auf Schritt und Tritt“ auf eine eindeutige Studienlage, die Ausländerfeindlichkeit oder Rassismus als verbindendes Element unter AfD-Wählern identifiziert. Er kritisierte zudem die mediale Darstellung der Partei, die oft zu einer Verharmlosung führe. Insbesondere im Vorfeld der zahlreichen Wahlen, die im September anstehen. So würden „falsche Propheten“ in Talkshows eingeladen, die behaupteten, die AfD sei eine ganz normale Partei und man müsse sie doch einfach mal regieren lassen – als hätte es nie eine jahrelange Radikalisierung der Partei gegeben.
Aufstieg des Rechtsextremismus: Gefahr durch AfD darf nicht unterschätzt werden
Kraske, der seit rund 20 Jahren als Journalist tätig ist und viel im Osten Deutschlands recherchierte, beobachtete den Aufstieg der AfD im Zuge der Pegida-Bewegung, die den Rassismus erstmals organisierte. Er berichtete über rechte Straftaten und Neonazi-Gewalt, die in den vergangenen Jahren Höchstwerte erreicht haben und für Minderheiten „extrem spürbar“ sind. Junge Geflüchtete in Erfurt etwa berichten von einer rassistischen Grundstimmung, die ihnen kaum sichere Orte lasse, während eine junge Mutter aus Görlitz nach Demos gegen Rechts Reifenstecherei an ihrem Auto erlebte. Diese Bedrohungslage werde im Westen oft nicht wahrgenommen, so Michael Kraske. Schulkinder seien auf der Straße bespuckt worden, weil sie einigen nicht passen.
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Der Journalist empfindet Wut über die Verwendung des Begriffs „Stadtbild“ durch Politiker, da dieser rassistische Unterstellungen transportiere und Menschen, deren Eltern aus anderen Ländern stammen, das Gefühl gebe: „Ihr gehört einfach nicht dazu.“ Kraske forderte Präzision im Umgang mit Kriminalität, um nicht pauschal Migranten zu Sündenböcken zu machen. Stattdessen müssten die wahren Gründe wie die Rolle junger Männer oder soziale Lagen untersucht werden.
28.000 Rechtsextremisten in der AfD – Grundlage für Parteiverbot „seit Langem übererfüllt“
Die Gefährlichkeit der AfD zeige sich laut Kraske auch in ihren eigenen Reihen: Für sein Buch „Angriff auf Deutschland“ entdeckten er und sein Kollege Dirk Laabs zahlreiche verurteilte Straftäter in der Partei, die gebissen, geschlagen, getreten oder Opfer mit Reizgas angegangen hatten. Es gebe kein festes Muster, wann solche Täter die Partei verlassen müssten. Zudem würden AfD-Politiker wiederholt unter Terrorverdacht gestellt und festgenommen, wie etwa drei Lokalpolitiker im Rahmen eines Prozesses gegen die „Sächsischen Separatisten“. Kraske kritisierte die fehlende Aufarbeitung solcher Fälle innerhalb der AfD und in der Berichterstattung.
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Der aktuelle Verfassungsschutzbericht zähle 28.000 Rechtsextremisten in der AfD, was zeige, dass es sich nicht um Einzelfälle handele. Michael Kraske, der ursprünglich skeptisch war, befürwortet aufgrund der „Fülle und Wucht der Fakten“ nun eindeutig ein Verbotsverfahren gegen die AfD. Er betonte, dass das Bundesverfassungsgericht klare Kriterien hierfür aufgestellt habe, die die AfD „seit Langem übererfüllt“. Das Zögern der politischen Parteien, ein solches Verfahren anzustoßen, sei „Angst“ und eine „Riesenchance“ sei bereits verpasst worden, als der CDU-Politiker Marco Wanderwitz eine fraktionsübergreifende Initiative im Bundestag startete.
Eine Regierungsbeteiligung der AfD auf Landesebene, die in Sachsen-Anhalt als sehr wahrscheinlich gilt und möglicherweise sogar allein erfolgen könnte, hätte weitreichende Folgen. Kraske warnte, dass „dies alle betreffen“ werde. Die AfD könnte staatliche Machtmittel einsetzen, den Rechtsstaat untergraben, Schulen zu Orten des „Nationalstolzes“ statt der Aufklärung machen und zivilgesellschaftliche Strukturen zerschlagen. Das von einem Wirtschaftswissenschaftler formulierte „AfD-Paradoxon“ besage zudem, dass die AfD-Wähler selbst am meisten unter den politischen Programmen der Partei leiden würden, etwa in den Bereichen Steuern, Soziales und Renten. Vertreter der Diakonie befürchteten bereits Schließungen von Einrichtungen, da die AfD soziale und pflegerische Belange nicht als Priorität ansehe. Auch die Inklusion behinderter Menschen und die Rechte sexueller und religiöser Minderheiten stünden auf dem Spiel.
Michael Kraske ruft in seinem neuen Buch „Widersetzt euch!“ zum aktiven Widerstand auf
Angesichts dieser Entwicklungen ruft Michael Kraske in seinem neuen Buch „Widersetzt euch!“ zum aktiven Widerstand auf. Er betonte, dass jeder Einzelne im privaten Umfeld beginnen könne, rassistischen Parolen wie „Wir brauchen Remigration“ oder der Abwertung anderer Parteien als „Altparteien“ entgegenzutreten. Auch in Vereinen und Schulen sei Widerspruch wichtig; Schulen hätten sogar die Pflicht zur Demokratieerziehung. Er ermutigte dazu, Gleichgesinnte zu suchen, Solidarität zu organisieren und Hilfe durch mobile Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen. Kraske kritisierte die Einladung von Rechtsextremisten auf Podien, da dies zu einer Normalisierung führe und den Diskurs verzerre. Er forderte die Medien auf, die AfD mit ihrem Rechtsextremismus zu konfrontieren und nicht länger über Fakten zu diskutieren.
Direkt zur Podcast-Folge mit Michael Kraske
Deutschland befinde sich an einem Kipppunkt, so Kraske. Um einen „Domino-Effekt“ zu verhindern, bei dem der Osten den Westen mitzieht, sei ein „Plan für den Tag nach der Wahl“ nötig. Die „schlafenden Riesen“ – große Organisationen wie VW, BMW, DGB oder DFB – müssten ihre Reserven mobilisieren und eine klare Haltung sowie Positionierung nach innen und außen entwickeln. Michael Kraske schließt mit der Hoffnung, dass die brennenden „Feuer“ gelöscht werden und sich die Gesellschaft wieder positiven Themen wie Bildungschancen und Klimaschutz widmen kann, anstatt den „Laden zusammenzuhalten“.