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- Serbien und die Ukraine wollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen und bis Jahresende ein Freihandelsabkommen abschliessen.
- Darauf verständigten sich der serbische Präsident Aleksandar Vucic und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.
- Es war der erste Besuch Selenkskis in Belgrad seit dessen Amtsantritt 2019.
Der serbische Präsident, der in den kommenden Monaten vor vorgezogenen Wahlen steht, bemüht sich um eine schwierige Balance: Einerseits strebt das Land in die EU, andererseits pflegt es historisch und wirtschaftlich enge Beziehungen zu Russland, von dem es bei der Gasversorgung stark abhängig ist. Vucic sicherte der Ukraine beim Treffen die Unterstützung für ihre Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit zu.
Osteuropa-Korrespondent: «Serbien setzt seine Pendelpolitik fort»
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Einschätzungen von Osteuropa-Korrespondent Peter Balzli
Der Besuch von Präsident Selenski in Serbien ist von grosser Brisanz. Denn Serbien ist traditionell einer der engsten Verbündeten von Russland und Belgrad hat bisher trotz grossem Druck aus dem Westen jede Sanktion gegen Russland abgelehnt.
In gewisser Hinsicht ist der herzliche Empfang von Selenski in Serbien ein Schlag ins Gesicht von Russland. Viele sehen darin schon einen Bruch mit der serbischen Aussenpolitik. Doch das ist es nicht, es ist die Fortsetzung einer sogenannten Pendelpolitik: eines serbischen Seiltanzes zwischen Ost und West, zwischen Europa und Russland.
Eine Zusage für Sanktionen gegen den langjährigen serbischen Verbündeten Russland vermied er jedoch. Selenski erklärte, bei den Gesprächen sei es um gemeinsame Infrastrukturprojekte sowie um die Zusammenarbeit bei der Energie- und Ernährungssicherheit für den kommenden Winter gegangen. «Wir entwickeln alle Formate der Zusammenarbeit, die unseren Menschen (...) mehr Widerstandsfähigkeit verleihen können», sagte der ukrainische Präsident.
Freihandelsabkommen als Voraussetzung für EU-Beitritt
Das geplante Freihandelsabkommen ist für Serbien von zentraler Bedeutung, denn es ist eine Voraussetzung für den angestrebten Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) und zur Europäischen Union. Die Ukraine hatte ein solches Abkommen seit 2005 wegen Streitigkeiten über Quoten und Zölle für ihren Agrarsektor blockiert.
Der ukranische Präsident Selenski besucht das russlandfreundliche Serbien zum ersten Mal seit Amtsantritt. Seine Ehefrau Olenka war jedoch 2024 bereits vor Ort.
AP/Darko Vojinovic
Vucic äusserte sich zwar skeptisch über einen schnellen EU-Beitritt beider Länder, sagte der Ukraine jedoch die Unterstützung Belgrads für deren Bewerbung zu.
Territoriale Integrität als Mittel zum Zweck
Militärische Zusammenarbeit stand Vucic zufolge bei dem Treffen nicht auf der Agenda. Russland hatte Serbien in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, über Mittelsmänner Munition an die Ukraine zu verkaufen. Serbien weist dies zurück und erklärt, man beliefere lediglich andere Käufer weltweit.
Ein verbindendes Element beider Staaten ist die Frage der territorialen Integrität. Vucic betonte, Serbien erkenne die ukrainischen Grenzen einschliesslich der seit 2014 von Russland besetzten Gebiete an. Die Ukraine wiederum erkennt die 2008 erklärte Unabhängigkeit des Kosovo nicht an, das Belgrad weiterhin als Teil Serbiens betrachtet.
SRF 4 News, 08.08.2026, 01:00 Uhr ; sda/rtr/hues;goeh