Wald, Pilze und Misteln: Herbst ist mehr als Regen und frühe Dunkelheit

Wald, Pilze und Misteln Herbst ist mehr als Regen und frühe Dunkelheit

Kolumne | Merzig-Wadern · Der Herbst gilt als kalt, nass und dunkel. Dabei zeigt sich die Natur gerade jetzt von einer ganz besonderen Seite, bunt und reichhaltig. Was Pilze und Misteln damit zu tun haben.

17.10.2026 , 06:00 Uhr

Misteln in einem Apfelbaum bei Weiskirchen

Foto: Ruth Hien

Den Herbst mochte ich nie. All den „Aber der schöne goldene Oktober!“-Enthusiasten bin ich stets mit einem mürrischen „Es wird kälter, es wird regnerischer, es wird früher dunkel“ begegnet. Punkt. Bis ich den Blick für die Details geschärft habe.

Pink-violette Wattewölkchen beim Sonnenaufgang

Wie mystisch es erscheint, wenn sich der Nebel am Morgen über die Wiesen und Felder senkt, wenn er ganze Wälder einrahmt. Diese besonderen Farben. Nicht nur die pink-violett angehauchten Wattewölkchen beim Sonnenaufgang. Das gesamte Spektrum des Regenbogens lässt sich bei einem Spaziergang durch den Wald wahrnehmen. In den Kronen der Bäume ebenso wie auf dem Boden.

Denn auch Pilze sind nicht einfach braun oder fliegenpilzrot. Sie zeigen sich jetzt im Herbst von champignoncremefarben über maronenröhrlingbraun bis pfifferlinggelb. Genieß- oder gar essbar sind sie längst nicht alle, das weiß Hans-Werner Graß nur allzu gut. Der Pilzsachverständige aus Konfeld bietet noch bis zum 23. Oktober eine kostenlose Pilzberatung im Infozentrum des Naturparks Saar-Hunsrück am Wildpark in Weiskirchen an. Diese Woche hat er uns erzählt, warum es sinnvoll ist, beim Sammeln und Verzehren auf Nummer sicher zu gehen. Und dass es ohne Pilze keinen Wald gäbe, wie wir ihn kennen.

Küsse unterm Mistelzweig

Keine Bäume, keine Misteln – eine andere Korrelation in der Natur. Denn der Halbschmarotzer braucht einen geeigneten Wirt wie Obstbäume, Pappeln, Linden, Ahorn oder Robinien, um Wasser und Mineralstoffe zu beziehen und zu gedeihen. Was den Bäumen langfristig schadet, aber mit der richtigen Schnitttechnik auch behoben werden kann. Wie das funktioniert, das zeigt der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Merzig-Wadern.

Was gleich zur nächsten Korrelation führt: Keine geernteten Misteln, keine Küsse unterm Mistelzweig. Also, so schlimm ist er doch gar nicht, der Herbst.